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22. Januar 2010

Radler sollen Hotellerie ankurbeln

Rheinfelden will Tourismus ausbauen / Unterschiedlicher Umgang mit der Mehrwertsteuer-Senkung.

  1. Matthias Häussermann erhofft sich viele Gäste vom Hinweisschild für Radfahrer, nicht nur für sein Hotel Oberrhein. Foto: Peter Gerigk

RHEINFELDEN. Was machen die Hoteliers mit dem Geld, das der Staat ihnen mit der Senkung der Mehrwertsteuer schenkt? Wer sie das fragt, erntet mindestens ein nervöses Lächeln seines Gegenübers. Oder er provoziert einen Vortrag über Steuergleichheit mit der ausländischen Hotellerie oder über Investitionsstau oder sogar den Sinn und Unsinn der Abwrackprämie. In Rheinfelden wird mit der verringerten Steuer unterschiedlich umgegangen. Aber alle Verantwortlichen wollen den Radtourismus ausbauen, Steuergeschenk hin oder her.

Dankbar sind sie alle über die Steuersenkung. Auch das eint sie. Der Zusammenhalt unter den 80 Gastronomiebetrieben der Stadt "ist aber nicht mehr wie früher", sagt Reinhard Börner vom Obereichsler Landgasthaus-Hotel Maien. Nur die Beherbergungsbetriebe kooperierten gut, bestätigt Matthias Häussermann vom Hotel Garni Oberrhein. Die "Normal-Gastronomen" stünden außen vor.

Alle Befragten spüren die Auswirkung bei den Gästen. Diese erkundigen sich verstärkt nach Übernachtungen ohne Frühstück, weil dieses weiter mit 19 Prozent versteuert wird, während auf die anderen Leistungen nur noch sieben Prozent aufgeschlagen werden. "Damit haben wir Anfangsschwierigkeiten", räumt Alexandra Mußler vom "Storchen" in Riedmatt ein. Sie ist beim deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Vorsitzende des Kreises Bad Säckingen sowie im Vorstand des Bezirks Schwarzwald-Bodensee und wie ihre Kollegen über die Steuer-Diskussion verärgert: "Die Baukosten für Hotels sind enorm. Bis sich ein Zimmer lohnt, ist es fast schon veraltet." Renovieren ist teuer. 100 000 Euro investiert Mußler dieses Jahr in ein neues Buffet. Obwohl die Steuersenkung kam, als die Preislisten für 2010 schon gedruckt waren, und so die Hoteliers überraschte, entschloss Mußler sich, Gäste, Personal und das Haus davon profitieren zu lassen: "Wir dritteln das."

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Dieser Empfehlung der Dehoga wird auch Manfred Mutter vom "Schlossmatt" folgen. Kerstin Kleinert von der "Rheinbrücke" legt die Priorität auf Renovierung und will abwarten wie sich das Jahr entwickelt. "Es müsste einiges gemacht werden im Haus. Wir kleben aber nicht an unseren Preisen, wir sind kulant." Petra Rieckmann (Schloss Beuggen) weist auf den Investitionsstau hin: "Wir sind dankbar, dadurch die Möglichkeit zur dringend nötigen Renovierung zu bekommen." Im "Danner" steht noch nicht fest, wie mit der zu erwartenden Mehreinnahme umgegangen wird. Rita Klaar: "Wir können leider nicht ermäßigen, versuchen aber zu renovieren und es so an den Kunden weiterzugeben."

Bei der Stadt ist bekannt, dass die Industrie immer noch für die meisten Übernachtungen in Rheinfelden sorgt, obwohl die Wirtschaftskrise sie zum Sparen zwang und sich dies auf die Zahlen der Hotels auswirkte. Gabriele Zissel stellt aber auch fest: "Radfahrende Gäste nehmen zu, darauf und auf Wochenend-Tourismus wollen wir setzen." Die Aktion Naturpark Südschwarzwald mit ihrem Radrundweg habe einiges Positives bewirkt. "Ich denke, das ist ausbaufähig."

Auch diese Meinung teilen alle Hoteliers. So werden im Frühjahr Schilder aufgehängt, die den Radfahrern die Rast in der Stadt schmackhaft machen sollen, indem sie auf die Hotels hinweisen. Zudem müsse der Dinkelberg besser beworben werden, fordert Zissel und bekommt hierin Börners Unterstützung: "Wir müssen mehr Attraktionen schaffen und in Wochenend-Arrangements wie den Basler Morgestraich einbinden." Börner erhöhte seine Preise zu Jahresbeginn um einen Euro, um die Teuerung auszugleichen. Er plant hohe Investitionen für Teppiche, Flachbild-Fernseher und eine Klimaanlage.

Erstaunlicherweise schnitten die Hotels 2009 ganz gut ab. Der "Maien" machte drei Prozent mehr Umsatz als im Jahr 2008, als die Fußball-EM viele Besucher brachte, das "Schlossmatt" und der "Storchen" verzeichneten einen etwas geringeren Umsatz, das "Danner" spürte die Krise deutlicher, in Beuggen fing man viel davon mit kurzfristigen (Krisen-)Tagungen auf, die "Rheinbrücke" machte 15 Prozent Minus gegenüber 2008, der "Oberrhein" hatte fünf Prozent weniger Umsatz als im Jahr der EM. Für 2010 ist die Erwartung einheitlich optimistisch.

Autor: Peter Gerigk