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28. Juli 2008 13:31 Uhr

Milchbauern berichten

"Rechter Preis für Milch lieber als Subventionen"

Die Milchbauern sind auch nach ihrem Milchlieferstopp, der ihnen höhere Preise bescheren sollte, nicht zufrieden. Milchbauern aus Rheinfelden berichten von ihren Sorgen und Nöten.

  1. Jörg Vollmer Foto: Petra Müller

  2. Ernst Maier Foto: Petra Müller

  3. Christoph Herm Foto: Petra Müller

  4. Gisela Kähny Foto: Petra Müller

  5. Andreas Keßler Foto: Petra Müller

RHEINFELDEN. Vor etwa sieben Wochen ging der erste Lieferstopp der Milchproduzenten in der europäischen Geschichte zu Ende. In fünf EU-Ländern – Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Deutschland sowie in der Schweiz – traten die Milchviehhalter gleichzeitig in Lieferstreik. Eine bis dahin unbekannte Solidarisierungswelle überrollte das Land. Am Montag hat der Bundesverband deutscher Milchviehhalter mit Aktionen für höhere Preise begonnen. BZ-Mitarbeiterin Petra Müller sprach mit Rheinfelder Milchbauern über die Situation.

Jörg Vollmer vom Hagenbacher Hof mit 120 Milchkühen und Kreisteamleiter des BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter): Durch den Streik ist den Milchbauern im Südwesten durch die Molkerei Breisgau-Milch ein Grundpreis von 36 Cent pro Liter Milch im Monat Juli garantiert. Somit konnten die Milchbauern acht Cent retten, durchschnittlich wird in Deutschland zwischen 28 Cent und 36 Cent bezahlt. Allerdings sind 36 Cent keinesfalls akzeptabel, da die Produktionskosten um durchschnittlich sieben bis neun Cent pro Liter Milch gestiegen sind. Energie-, Futterkosten, Dünger – überall gingen die Preise hoch, nur der Handel will es nicht wissen. Wir Landwirte können nicht einfach sagen jetzt hören wir auf mit der Milchproduktion oder gar unserem Erwerb. Ich und viele Kollegen haben in den Betrieb investiert, es sind Schulden da, man kann nicht einfach alles hinschmeißen und einfach etwas anderes machen. Im Prinzip sollte das Gehalt der Politiker auch ständig an die Weltmarktpreise angepasst werden, mal schauen wie´s dann abläuft.

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Am Überlegen, ob er in den elterlichen Betrieb investieren oder als Angestellter arbeiten, soll ist Christoph Herm aus Unter-Minseln. 35 Kühe zählt der Bauernhof der Familie und Christoph Herm macht gerade die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister : "Mir macht diese Arbeit sehr großen Spaß und eigentlich will ich weitermachen aber Fakt ist, die Kosten laufen uns davon und für 2009 ist beispielsweise eine Verdoppelung bei Spritzmitteln und Dünger angesagt. Das, was wir für den Liter Milch bekommen, deckt unsere Kosten nicht und deshalb haben wir keine Wahl, wir müssen weitere Signale an die Politik geben. Es ist faszinierend wenn man sieht, was die Butter im Geschäft kostet und was wir davon bekommen. Der Handel müsste die Prozente nur richtig verteilen, dann würde der Verbraucher gar nichts merken. Oft werden wir Bauern kritisiert, es heißt wir fahren mit großen Traktoren herum. Doch das ist unser Arbeitsgerät, wir sind darauf angewiesen, der Verbraucher weiß gar nicht, um was es geht.

Ich habe erst in meinen Betrieb investiert, ich habe einen neuen Stall gebaut, sagt Ernst Maier aus Ober-Minseln, der insgesamt 25 Kühe hat. Jetzt einfach aufhören, das geht nicht. Auch Ernst Maier hat die zehn Tage mitgestreikt, die Milch wurde an die Kälber verfüttert und der Rest weg geleert. "Letzteres war moralisch für keinen von uns vertretbar. Unsere Produktionskosten steigen ständig, in den Läden ist alles teurer geworden aber bei uns ist noch nichts angekommen." Ernst Maier ist wie alle anderen auch nicht mit dem Streikergebnis zufrieden.

Das ist ein "leicht trauriges und unzufriedenes Ergebnis", erklärt Gisela Kähny aus Adelhausen. Zusammen mit ihrem Ehemann führen sie einen Hof mit 50 Kühen. "Die Energiekosten fressen uns auf, diese Kosten steigen stetig nur unser Produkt Milch bleibt weiterhin unten. Uns Milchbauern fehlt der Ausgleich, unsere Kühe müssen ausgefuttert sein, wir können nicht auf Kraftfutter oder Dünger verzichten. Wir können unseren Kühen nicht weniger zum Fressen geben oder gar mindere Qualität verfüttern, das ginge zu Lasten der Gesundheit unserer Tiere. Einfach aufhören geht auch nicht, die Milchlandwirtschaft ist unser Einkommen, ist unsere Arbeit, die wir sehr gerne machen. "

Thomas Keßler will einmal zusammen mit seiner Freundin den Bauernhof seiner Eltern in Adelhausen übernehmen. Er ist gelernter Landwirt und auch er ist momentan auf der Schule zum Landwirtschaftsmeister. 70 Kühe haben die Kesslers und sie betreiben ihren Hof mit viel Idealismus und Freude. Doch, so Thomas Keßler: "Uns fehlt die Planungssicherheit, der Verdienst geht zurück die Betriebsmittel und Lohnnebenkosten steigen. Mir wäre ein rechter Preis für die Milch viel lieber als Subventionen, denn die machen uns abhängig vom Staat. Gut, dass alle Landwirte beim Streik mitgezogen haben, aber viel gebracht hat es leider nicht. Der Handel hat Versprechungen gemacht, ist aber mit dem Preis zurückgefahren. Die Molkereien sollten auch mehr auf der Seite von uns Bauern stehen. "

Autor: pmü