Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Dezember 2011

Schwierig, aber attraktiv

Zwischenbilanz für Technisches Gymnasium Umwelttechnik und Berufskolleg für CTA.

  1. Gruppenbild im Labor mit Bernhard Fleck (von links), Pascal Weber, Pit Oggermann, Steve Heinemann, Bianca Kutruff, Christina Illig und Richard Krischak Foto: Peter Gerigk

  2. Gruppenbild im Labor mit Bernhard Fleck (von links), Pascal Weber, Pit Oggermann, Steve Heinemann, Bianca Kutruff, Christina Illig und Richard Krischak. Foto: Peter Gerigk

RHEINFELDEN. An der Gewerbeschule ist seit 2009 einiges in Bewegung gekommen, und zwar in eine gute Richtung, wie Lehrer und Schüler resümieren: Sie berichteten bei einem Pressegespräch am Mittwoch vom ersten Jahrgang, der das zweijährige Berufskolleg für Chemisch-Technische Assistenten (CTA) absolvierte, und von den ersten 100 Tagen des Technischen Gymnasiums (TG) Umwelttechnik. Gewerbeschulleiter Jürgen Maulbetsch äußerte seine Hoffnung, dass es sich herumspreche, "dass wir eine gute Ausbildung bieten".

Einen Kaltstart hingelegt hat die Gewerbeschule mit ihrem dreijährigen TG Umwelttechnik. Als Ende Januar die Nachricht eintraf, Rheinfelden würde zu den zehn neuen Standorten in Baden-Württemberg zählen, "da hatten wir nur eine Idee davon", erinnerte dessen Leiter Richard Krischak, dem Maulbetsch attestierte, viel Herzblut in die Gründungszeit gesteckt zu haben. Man habe eigentlich gar nicht so schnell mit der Einführung gerechnet. Da Krischak und ein weiterer Kollege der Lehrplankommission angehörten, war man gut über die Anforderungen des neuen Schultyps informiert, das erleichterte diese Phase.

Werbung


23 Schüler gehören der ersten Klasse an, schon nächstes Jahr wird es zwei Eingangsklassen geben, wie vor zehn Tagen bekannt wurde. Realschüler und Gymnasiasten gehören zu den Pionieren. Die Schüler Pit Oggermann und Pascal Weber stellen ihrer Schule ein gutes Zeugnis aus: "Mir macht es Spaß", sagte der technikinteressierte Weber. "Hier merkt man, die Lehrer sind sehr praxisorientiert", stellte Oggermann fest. Krischak berichtete von guter Resonanz auch seitens der Eltern. Er habe den Eindruck, "die Schüler wollen wirklich Umwelttechnik machen und sind nicht einfach nur am Abschluss Abitur interessiert". Der zukunftsorientierte Themenschwerpunkt wecke das Interesse. Die Erwartung der Schüler werde erfüllt, die Motivation sei hoch.

Der Standort erweise sich ideal, lobte Maulbetsch mit dem Hinweis auf die zu einem großen Teil neue Ausstattung und das Kollegium, das um eine Kraft für Mathe ergänzt wurde. Manche Schüler nehmen Schulwege bis von Rickenbach und aus dem Wiesental in Kauf. Als im Vergleich überragend bezeichnete Maulbetsch die Attraktivität fürs weibliche Geschlecht: Sieben Mädchen sind dabei.

Kooperationen sind wichtig

Großer Wert gelegt wird im TG auf die Kooperation mit Unternehmen; Evonik stattete die Schüler mit einem Cyber-Classroom zum Lernen in einer 3-D-Umgebung aus. Das TG erfüllt die wichtige Funktion, Fachkräfte für den Zukunftsmarkt Umwelttechnik zu liefern. Maulbetsch hob auch hervor, dass nicht weniger als jede zweite Hochschulzugangsberechtigung im Land über das berufliche Bildungssystem erworben werde.

Bianca Kutruff kam direkt von der Arbeit in die Schule. Sie zählte zu den ersten 16 Absolventen des Berufskollegs für CTA und berichtete von einer guten Berufsperspektive sowohl im Hinblick darauf, eine Anstellung zu finden, als auch auf die Ausbildung, die sie "auf jeden Fall gleichwertig" einschätzt wie die zum Chemielaboranten als der sie nun in Utzenfeld angestellt ist: "In der Theorie bin ich besser ausgebildet." Sie sei vielseitiger einsetzbar als Kollegen, die in einem Betrieb lernten.

Einige ihrer ehemaligen Mitschüler drücken auch weiter die Schulbank, etwa für die Fachhochschulreife. Das Berufskolleg für Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss versteht sich als Ergänzung des dualen Ausbildungsbetriebs. Es hilft kleineren Betrieben, die nicht selbst ausbilden können, ebenso zu Fachkräften zu kommen wie den Bedarf bei Schweizer Betrieben zu decken.

Maulbetsch bemerkte eine steigende Akzeptanz in den Unternehmen für diese CTA-Ausbildung. Der Technische Leiter Steve Heinemann attestierte ihr ein hohes Niveau. Sie ist eine ideale Ergänzung für die Gewerbeschule: Die gute Ausstattung in den vom Landkreis angeschafften Laboren wird so 30 Wochenstunden mehr genutzt. Die Laborarbeit nimmt einen hohen Anteil ein. Das freiwillige vierwöchige Praktikum in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie "erwies sich für alle als sinnvoll", sagte Chemieabteilungsleiter Bernhard Fleck.

Christina Illig befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr als CTA und bestätigte Flecks häufig geäußerten Hinweis an die Schüler, sich auf zwei harte Jahre eingelassen zu haben: "Man muss bereit sein zu Eigenleistung, man bekommt von den Lehrern nicht alles vorgekaut." Es wird früh ausgesiebt, vom ersten Jahrgang schlossen nur 16 der 26 gestarteten Schüler ab. Die aktuell 29 sind zwischen 16 und 33 Jahre alt.

Autor: Peter Gerigk