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21. August 2010
Tanja Ariane Baumgartner: "Ich liebe dieses Leben"
BZ-INTERVIEW mit Tanja Ariane Baumgartner, die erstmals in Salzburg in der Oper "Lulu" sang.
RHEINFELDEN. Die aus Rheinfelden stammende Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner macht international Karriere auf den Opern- und Konzertbühnen. Nach einigen Jahren am Luzerner Theater ist sie seit der Spielzeit 2009/2010 Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Auch am Theater Basel feierte sie schon Erfolge, etwa in der Titelrolle von Othmar Schoecks Oper "Penthesilea". Gerade sang Tanja Ariane Baumgartner erstmals bei den Salzburger Festspielen in der Oper "Lulu". Roswitha Frey sprach mit der gefragten Sängerin über ihr Salzburg-Debüt.
BZ: Frau Baumgartner, ist es auch für Sie als erfolgreiche Opernsängerin etwas Besonderes, bei den Salzburger Festspielen zu singen?Baumgartner: Das ist schon etwas ganz, ganz Besonderes. Salzburg ist im Moment das höchst renommierte Festival, das es gibt. Hier mit Sängern und Musikern der absoluten Weltspitze auf der Bühne zu stehen, ist schon eine große Ehre für mich. Bei den Festspielen zu singen, wenn im Orchestergraben die Wiener Philharmoniker spielen, ist schon etwas sehr Spezielles, ganz Wunderbares. Die Atmosphäre ist auch sehr familiär, obwohl es nach außen hin immer so starmäßig und auf Hochglanz präsentiert wird. Aber hinter den Kulissen geht es sehr familiär zu unter den Künstlern.
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BZ: Sie singen in Salzburg in Alban Bergs Oper "Lulu" die Gräfin Geschwitz, die Sie auch schon am Theater Basel in der aufsehenerregenden Inszenierung von Calixto Bieito gesungen haben. Was reizt Sie an dieser Partie?
Baumgartner: Es ist eine sehr komplexe Partie, die anders als bei Wedekind von Berg musikalisch im zweiten Akt etwas vernachlässigt wird, da gibt er ihr relativ wenig Material. Aber dafür hat sie einen wunderbaren dritten Akt und einen ganz tollen Schlussauftritt. Die Gräfin Geschwitz ist die einzige Liebende in diesem grausamen Stück um die schrecklichen Männer, die Lulu nur ausnutzen. Die Geschwitz bringt da als Einzige menschliche Wärme, etwas Menschliches hinein.
BZ: Sie haben schon ein breitgefächertes Repertoire gesungen. Im Herbst sind Sie als Amneris in "Aida" am Theater Basel zu hören. Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihres Repertoires?
Baumgartner: Ich habe erstaunlicherweise wenige Hosenrollen gespielt, die ja sonst die Domäne der Mezzosoprane sind, weil ich ein dramatischer Mezzo bin. Meine Stärken sehe ich eindeutig im italienischen Fach, also bei Rollen wie der Eboli. Aber auch Strauss oder Wagner werden kommen, obwohl ich mich stimmlich auf der Belcanto-Schiene lassen möchte.
BZ: Stichwort Wagner. Lockt da etwa schon Bayreuth?
Baumgartner: Bis jetzt ist noch keine Anfrage gekommen, aber neulich hat eine Besucherin zu mir gesagt: Sie hätten von der Stimme und dem Typ her dem Wieland Wagner auch gefallen. Ich weiß es nicht, ob ich einmal in Bayreuth singen werde. Aber mit einer großen Stimme ist es fast automatisch, dass der Weg irgendwann zu Wagner führt.
BZ: Wo leben Sie denn zurzeit?
Baumgartner: Ich lebe abwechselnd in Frankfurt und in der Schweiz. An der Oper Frankfurt habe ich einen Vertrag, der mir erlaubt, an anderen Häusern zu gastieren. Ich bin viel unterwegs, aber ich liebe dieses unstete Leben, es ist schön, wenn auch nicht immer so, wie sich viele das als glanzvolles Leben einer Opernsängerin vorstellen.
BZ: Haben Sie noch Verbindung zu Ihrer Heimat Rheinfelden?
Baumgartner: Natürlich habe ich noch Kontakt zu Rheinfelden, schließlich leben meine Eltern dort. Aber zurzeit ist es eher so, dass sie mir hinterher reisen. Jetzt waren sie gerade erst acht Tage in Salzburg. Da konnten wir dann das Angenehme mit dem Familiären verbinden.
BZ: Viele Rheinfelder haben Sie als Geigerin in Erinnerung. Wann hat sich der Wechsel zum Gesang abgezeichnet?
Baumgartner: Schon während des Geigenstudiums habe ich begonnen, Gesang zu studieren und habe dann entschieden, es mit dem Gesangsstudium zu wagen. Es war der richtige Moment. Der Gesangswerdegang ist ein langer und beschwerlicher Weg, bis sich die Stimme entwickelt hat und man Fuß gefasst hat. Mit 20 hätte ich diese Partien im dramatischen Fach nicht singen können, da hätte mir die Reife gefehlt. Die Geige habe ich völlig zur Seite gestellt. Denn etwas aus meiner Seele zum Ausdruck zu bringen, das kann ich nur über die Stimme.
Autor: ros
