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02. Mai 2017

Trommeln fürs Miteinander

Gewerkschaften werben zum 1. Mai im Rheinfelder Rathaus für sozialen Zusammenhalt.

  1. Stabile Renten, die zum Leben reichen, war eine Forderung der DGB-Kundgebung in Rheinfelden. Foto: Mahro

RHEINFELDEN. "Wir sind viele. Wir sind eins", unter dem zentralen Motto für den Tag der Arbeit 2017 fand in Rheinfelden wieder die zentrale Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für den Kreis Lörrach statt. Bei einmal mehr regnerischem Wetter waren die Reihen im Rheinfelder Rathaus mit bis zu 200 Besuchern aber dichter geschlossen als sonst. Für mehr soziale Gerechtigkeit warben dort Verdi-Jugendsekretär Julian Wiedmann, Jan Wieczorek vom DGB Südbaden und Rheinfeldens OB Klaus Eberhardt.

Im Wahljahr 2017 nahm Hauptredner Wiedmann vor allem anderen die Europäische Union in den Blick. Noch unter Kriegseindrücken sei der erste Zusammenschluss vor allem dem Frieden verpflichtet gewesen, so der Verdi-Vertreter, und nicht nur offen Märkten und Wirtschaftsvorteilen. Zumal in Zeiten, in denen sich die soziale Schere wieder weiter öffne, die Wohlhabendsten ihren Reichtum unablässig vergrößerten, während Arbeitnehmer und Auszubildende in vielen Bereichen sowie eine wachsende Zahl von Rentnern nicht mehr von ihrem Einkommen leben könnten, sehe sich Europa wachsenden Gefahren von Rechts gegenüber. Wer arm sei trotz Arbeit, laufe leichter Populisten und Nationalisten in die Arme als andere. "Nur ein soziales Europa wird sich gegen Rechts behaupten", ist sich Wiedmann sicher.

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Staatsreaktionen wie bei der Finanzkrise 2008, in der Rettungsschirme über Banken aufgespannt wurden, nicht aber über Arbeitsplätzen und Arbeitnehmerinteressen seien einer Aufkündigung des sozialen Zusammenhalts gleichgekommen, die rechten Kräften in ganz Europa in die Hände gespielt habe. Nicht weniger, sondern mehr Solidarität mit Benachteiligten sei jedoch geboten, und eine "Abgrenzung zwischen denen und uns" wie etwa bei jenen, die den Brexit zu verantworten hätten, gelte es grundsätzlich abzulehnen, so Wiedmann.

In dieselbe Kerbe hatte zum Auftakt Jan Wieczorek geschlagen: "Zusammenhalt, Miteinander und nicht Gegeneinander, dafür stehen wir als Gewerkschaften." Hinsichtlich prekärer und befristeter Beschäftigungsverhältnisse sowie Leiharbeit gelte es, den Anfängen zu wehren. Wo Arbeitnehmer sich als Verlierer der Politik sähen, spiele die Entwicklung Parteien wie der AfD in Deutschland oder dem französischen Front National in die Hände. Die Politik brauche deshalb europaweit dringend einen Kurswechsel, das Denken in Nationalstaaten müsse enden.

Näher an der Region bleibt für gewöhnlich der OB. Klaus Eberhardt, lobte deshalb zuerst "Chemie am Hochrhein", den Zusammenschluss von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, Kommunen und Kreisen, der sich für die Branche einsetzte, schlug dann aber einen Bogen von der Bedeutung guter Ausbildung als Standortvorteil bis zur regionalen Wohnungsnot, der es zu begegnen gelte. Zusammenhalt in der Gesellschaft und Integration haben auch für Eberhardt hohen Stellenwert. "Rechtspopulistische, ja sogar terroristische Tendenzen", wie den jüngsten Brandanschlag auf die DITIB-Moschee in Weil am Rhein seinen auch im Sinne Europas hart zu verfolgen: "Wir dürfen durch Rechtspopulisten dieses Europa nicht kaputt machen lassen."

Autor: Annette Mahro