TURMSPITZEN: Einfach sozial

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Sa, 19. Januar 2019

Rheinfelden

Je größer eine Stadt, umso anonymer lebt es sich. Auch in Rheinfelden kennt natürlich nicht jeder jeden. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass einer vom anderen in seiner Nachbarschaft Notiz nimmt, erweist sich als relativ hoch. Dazu tragen auch die sozialen Dienste mit ihrem Netzwerk bei. Da ist ganz vorne die Sozialstation der Caritas Hochrhein zu nennen. Tausende von Hausbesuchen absolvieren die Pflegekräfte oder andere Mitarbeiter. Sie bekommen, obwohl die Zeit für sie knapp bemessen ist, oft nebenbei mit, wo es bei älteren Menschen außer bei der Gesundheit noch klemmt. Durch das Präventionsprojekt "Präsens", bei dem mit Fragebogen und Hausbesuch Wünsche nach Diensten, Beratungen und Hilfen gesammelt wurden, damit alte Menschen lange in ihrer Wohnung bleiben können, wird ebenso Information gesammelt, die dem einzelnen und in der Summe vielen Senioren etwas bringt. Information ist die Basis, um Lösungen zu erarbeiten. Neue Pflegebetten zu bauen, ist die teuerste. Sich bürgerschaftlich bei der Bewältigung von Alltagsproblemen einzuschalten, die einfachste und sozialste.

Weniger sozial

Woher kommt eigentlich der immense Druck auf günstige Preise im Rheinfelder Wohnungsmarkt? Ist es nur, dass Südbaden Zuzugsregion ist und mehr Menschen kommen wollen, als Wohnungen zur Verfügung stehen? Liegt es daran, dass ein hohes Salär auch von Grenzgängern bei Immobilienbesitzern Goldgräberstimmung erzeugt? Oder sind verschärfte Vorgaben für den Wohnungsbau verantwortlich, die dazu führen, dass nicht mehr billig gebaut werden kann? Wahrscheinlich spielen all diese Gründe eine Rolle. Aber, wie man im Gespräch mit der Wohnbau erfährt, es gibt noch einen Faktor: Früher öffentlich geförderte Sozialwohnungen fallen im Laufe der Zeit aus der Sozialbindung heraus. Das kann 20, 30 oder mehr Jahre dauern. Wird dann der Bestand von den Besitzern modernisiert und die Miete erhöht, fehlt wieder mehr Wohnraum im günstigen Segment. Da hilft dann auch die Mietpreisbremse wenig.