Harter Sound, herzliches Feiern

Wie war’s beim … Tersicore-Festival in Rheinfelden?

Max Maier

Von Max Maier

So, 13. August 2017 um 17:49 Uhr

Rheinfelden

Eindringliche Bässe, lauthals brüllende Sänger und eine für Szenefremde außergewöhnliche Atmosphäre – auf dem Tersicore-Metalfestival in Rheinfelden ging es am Samstag vom Nachmittag bis zum Abend richtig hart zur Sache.

Eindringliche Bässe, lauthals brüllende Sänger und eine für Szenefremde außergewöhnliche Atmosphäre – auf dem Tersicore-Metalfestival auf der Bühne im Vaconodome im Tutti-Kiesi-Areal ging es am Samstag vom Nachmittag bis zum Abend richtig hart zur Sache (Fotos).

Erster Eindruck
Als ausgesprochener Nicht-Kenner des Genres hatte man sich im Vorfeld Gedanken gemacht, was einen erwarten würde. Die meisten Vorurteile hielten der Realität nicht stand: Waren nur schwarz gekleidete, langhaarige Mittzwanziger auf der Veranstaltung? Herrschte eine ernste, toughe Stimmung? Das Gegenteil war der Fall. Die auf 200 begrenzten und ausverkauften Tickets verteilten sich nämlich auf fast alle Altersklassen, auf dem Gelände kamen vollkommen verschiedene Personengruppen zusammen, die vor allem die Vorliebe zur gemeinsame Musik verband. Aber um fair zu bleiben: Der ein oder andere ähnelte doch schon der Idee vom Aussehen eines Metallers...

Die Location
Dass das diesjährige Tersicore Festival unter der Kuppel auf dem Tutti-Kiesi-Gelände stattfand, war eine Überraschung. Für die ursprüngliche Location im Schacht in Wyhlen hatten die Behörden aufgrund von Problemen mit Rettungswegen nur wenige Wochen vor dem geplanten Termin ihre Zustimmung verweigert. Jonathan Währer, der das Festival gemeinsam mit Bekannten von Grund auf organisiert hatte, konnte und wollte das verständlicherweise nicht hinnehmen. So kam das Kulturamt der Stadt als letzte Rettung und bot die Vacono-Kuppel als Veranstaltungsort an, was dann auch geklappt hat. Der Ort ist für so eine Musikveranstaltung durchaus ausgelegt, schließlich fanden im letzten Jahr schon die Vacono-Dome-Festspiele statt, an denen Währer auch beteiligt war.

Das Line-Up
Die Reihe der Bands präsentierte sich ganz im Stil der Musikrichtung. Insgesamt zehn Bands aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Den Anfang um kurz vor 16 Uhr machte Child of Pain aus Basel. Neben Gruppen aus Zürich, Mülhausen oder Berlin standen auch lokale Metalcore-Bands auf der Bühne, darunter Inner Sanctum aus Freiburg oder Gutrectomy aus Weil am Rhein. Im Fokus stand jedoch Heritage of Unrest aus Grenzach, denen Jonathan Währer als Leadsänger angehört. Dass sie beim Tersicore die Lokalmatadoren waren, war auch am Auftritt zu merken. Ob Deutsch oder Englisch, am Ende war es eine gute Mischung der zahlreichen Strömungen, die es innerhalb des Genres gibt – auch punkige Klänge waren zu hören.

Das Publikum
Man kennt sich in der Szene. Zwischen Besuchern und Künstlern herrscht eine freundschaftliche Stimmung; nicht wenige hatten einen weiten Weg auf sich genommen, um in Rheinfelden dabei zu sein. Viele treffen sich immer wieder auf derartigen Veranstaltungen, die im deutschsprachigen Raum im Vergleich zu anderen Musikrichtungen noch immer selten sind. Die meisten Fans kamen aus Deutschland, einige aber aus Frankreich und anderen europäischen Ländern, sodass im Tutti-Kiesi viel Englisch gesprochen wurde. Das hatte schon etwas Internationales. In den Pausen sammelten sich viele Leute auf den großzügigen Grünflächen um den Vaconodome, während der Acts wurde es natürlich lauter: Die eindringlichen Bässe gehören ebenso zum Metal dazu wie das laute Brüllen der Sänger.

Das Highlight
Der Höhepunkt war eindeutig die Atmosphäre: zum einen das Crowdsurfing, dem "Durch-die-Menge-getragen-Werden", aber vor allem das Verhältnis zwischen Fans und Künstler. Fast alle Bands schauten sich selbst auch die Acts der anderen Bands an; die meisten kennen sich schon seit Jahren. Es ist schlicht zu spüren, dass sich hier ein Netzwerk gebildet hat, ein Freundeskreis, den die Vorliebe zur Metalmusik verbindet.



Fazit
Selbst für einen ungeübten Hörer dieses Genres war das Festival etwas Besonderes. Auch Organisator Jonathan Währer zeigte sich kurz nach seinem Auftritt mehr als zufrieden: "Die Stimmung! Die Leute haben Spaß, und darauf kommt es an!" Dank gelte vor allem der Stadt für die kurzfristige Bereitstellung der Location sowie den angereisten Bands, die trotz zeitweise unsicherer Realisierung an dem Festival festhielten. Ob und vor allem wo das Festival im nächsten Jahr möglicherweise eine Fortsetzung in Rheinfelden oder der Umgebung erfährt, werde sich erst in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden.

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