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23. Januar 2010
Würdig behandeln als Ziel
In einer offenen und lebendigen Podiumsdiskussion wurde über Tod und Sterben gesprochen
RHEINFELDEN. Dass man über ein sensibles Thema wie Tod und Sterben in entspannter Atmosphäre lebendig und offen reden kann, zeigte die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Pfarreizentrum St. Josef zum Thema "In Würde sterben – gut versorgt und gepflegt". Es war auch ein Abend, der Mut machte, weil er den rund 20 Gästen zu verstehen gab, dass ein menschenwürdiges Sterben an jedem Ort möglich ist, nicht nur zu Hause oder im Hospiz.
Es kommt auf die Menschen an, die da sind und für den Sterbenden sorgen. Dabei spielt Zeit eine ganz große Rolle, Zeit zum Reden, Zuhören oder einfach nur da sein. Der Abend war Teil der Veranstaltungsreihe "Ars moriendi – die Kunst gut zu sterben" des "Runden Tischs Trauerarbeit" und hat schon eine kleine Tradition, so Pastoralreferent Matthias Wössner. Es ist eine Kooperation von evangelischer Erwachsenenbildung, evangelischer Kirchengemeinde, katholischer Seelsorgeeinheit, Bestattungsinstitut Frank und der Trauergruppe Rheinfelden – drei Veranstaltungen sollen noch folgen.Referenten waren Menschen, die viel Erfahrung im Umgang mit Sterbenden haben. Darüber, wie ihre Einrichtung mit dem Thema umgeht und wie Sterbende und Angehörige begleitet werden, sprachen: Irene Lorenz, Leiterin des Bürgerheims, Karin Gottstein von der Sozialen Betreuung und Trauerbegleitung im Bürgerheim, Inge Thoma, Pflegedienstleiterin der Kirchlichen Sozialstation Rheinfelden und die Seniorenbeauftragte der Stadt, Elisabeth Schade-Aniran, es moderierte Pfarrer Lienau von der Kommunität Beuggen.
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Wer allerdings etwas erfahren wollte über medizinische und pflegerische Mittel, um Leben zu erhalten und Leiden zu lindern, der bekam keine Antwort. Im Mittelpunkt stand vielmehr die spannende Frage nach dem menschlichen Umgang mit Sterbenden und das nicht nur vor dem Tod sondern auch unmittelbar danach. Längst seien die Zeiten vorbei, zu denen Verstorbene "schnell fertig gemacht und durch den Hinterausgang weggebracht wurden".
Auch wenn, so betonten Irene Lorenz und Karin Gottstein, "im Bürgerheim alles funktionieren muss, dürfen wir Sterbenden nicht das Gefühl geben, sie seien in einer organisatorischen Mühle". Auch die Angehörigen oder Mitbewohner müssen trotz "riesiger Organisationsstruktur" das Gefühl spüren, "wir werden würdig behandelt". Im Bürgerheim gibt es zum Beispiel eine kleine Abschiedsfeier und es wird eine Kerze entzündet neben dem Bild des Verstorbenen.
Aber, so der Einwand einer Frau, "ich wünsche mir dass vorher jemand bei mir ist, da nützt die Kerze hinterher gar nichts", und eine andere schlug vor, regelmäßige Abende anzubieten unter dem Motto "Wie stelle ich mir mein Sterben vor". Da könnte jeder vorher selber Stellung dazu nehmen.
Irene Lorenz wies darauf hin, dass es nicht leicht sei, jedem gerecht zu werden, auf jeden Fall müsse man sensibel spüren, ob der eine offen ist für das Thema, während es für den anderen total tabu ist. Überhaupt, so betonte auch Inge Thoma, solle man nicht immer alles auf die Einrichtungen abschieben, "in erster Linie liegt es in der Familie, wie wir uns umeinander kümmern".
Darüber reden, wie man vielleicht einmal gepflegt werden will, müsse in der Familie schon viel früher anfangen, meinte auch Elisabeth Schade-Aniran. Und wenn jemand nicht darüber reden will, seien zumindest vorher immer Signale da, "die man erkennen muss", warf Bernd Mattes vom Beerdigungsinstitut Frank ein und eine Frau, deren Mann verstorben ist, gab ihre Erfahrung weiter: Ein letztes Gespräch vor dem Tod könne man keinem aufzwingen. Schweigen und loslassen können sei ein Geschenk, "auch das gehört zur Würde, dass einer seinen letzten Weg gehen darf".
Autor: Claudia Gempp
