"Feuerwehrleute müssen fit sein"

Jörg Schimanski

Von Jörg Schimanski

Mi, 22. August 2018

Rheinhausen

Der Rheinhausener Philipp Kaiser hat einen renommierten Titel geholt – und einen Kollegen für den Sport begeistert.

RHEINHAUSEN. Philipp Kaiser, der seit 2011 Feuerwehr-Wettkämpfe bestreitet, konnte jetzt bei der Europameisterschaft in Ediger an der Mosel mit seiner bisher besten Leistung aufwarten: Nach zahlreichen Erfolgen bei sogenannten "Firefighter Combat Challenges" holte er den Titel in der Teamwertung. Seine Erfolge sind ungewöhnlich: Kaisers Konkurrenten arbeiten bei der Berufsfeuerwehr, der Rheinhausener ist Metzgermeister. Mittlerweile hat mit Tobias Gut noch ein zweiter Rheinhausener angefangen, Wettkämpfe zu bestreiten.

Fünf Starter zählten bei der Teamwertung zu einem Team, die schnellsten drei Zeiten wurden gewertet. In diesem Fall waren dies im Team "Lions Den Germany" neben dem 29-jährigen Philipp Kaiser noch Pascal Dülge (Berufsfeuerwehr Neubrandenburg und Joachim Posanz (Berufsfeuerwehr Göttingen). Auch im Einzel lief es für Kaiser hervorragend. "Ich bin die schnellste je gelaufene Einzelzeit eines deutschen Starters bei der Firefighter Combat Challenge gelaufen", sagt Kaiser. Mit einer Zeit von 1:20,82 Minuten auf dem Hindernisparcours blieb er deutlich unter seiner bisherigen Bestleistung, wurde Fünfter in der Gesamtwertung und Dritter in seiner Altersklasse.

Seine Leistungssteigerung kann sich Kaiser selbst nicht erklären. "Im Frühjahr kam ich kaum zum Training, weil bei uns im Betrieb so viel los war", sagt der Metzgermeister, der im elterlichen Unternehmen tätig ist und zunehmend Verantwortung übernimmt. Allerdings sei das Aufbautraining im Winter recht gut und vor allem ohne Verletzungen gelaufen. Neben dem Europameistertitel im Team und den guten Platzierungen im Einzel gab es noch eine Bronzemedaille in der Staffel.

Ebenfalls mit am Start in Ediger war der Rheinhausener Feuerwehrmann Tobias Gut. Der 28 Jahre alte Neueinsteiger im Wettkampfsport nahm an der regulären Mosel Firefighter Combat Challenge teil und konnte sich mit einer Zeit von 2:28 Minuten im Mittelfeld platzieren. Kaiser hatte Gut motiviert, ebenfalls in den Wettkampfsport einzusteigen. "Ich habe beobachtet, wi e er zunehmend fitter wurde, als er anfing, regelmäßig in Fitnessstudio zu gehen, und da habe ich ihm gesagt: Du packst das!", erzählt Kaiser.

Rund 30 Kilogramm leichter, gehört Gut mittlerweile zu den fitteren Feuerwehrkameraden. Für beide Sportler ist der Wettkampf aber kein Selbstzweck. "Feuerwehrleute müssen fit sein", sagt Kaiser.

Der Wettkampfparcours enthält verschiedene Aufgaben, die ein Feuerwehrmann im Einsatz bewältigen muss – das Schleppen eines Dummies oder Bergauflaufen mit dem Schlauch zum Beispiel. "Abgeleitet ist der Wettkampf vom Fitnesstest der Feuerwehrmänner in den USA", sagt Kaiser. "Wer als Berufsfeuerwehrmann arbeiten möchte, muss den Parcours in vier Minuten schaffen."

Nun lasse sich aber das amerikanische Berufsfeuerwehrsystem nicht unbedingt mit dem deutschen Freiwilligensystem vergleichen, schränkt Kaiser ein. Das merken die beiden Feuerwehrsportler schon beim Training: Im Gerätehaus in Rheinhausen können sie einige Stationen eher provisorisch nachbauen. Einen Dummie hat Kaiser aus alten Schlauchteilen gefertigt, statt auf eine spezielle Maschine wird auf einen alten Reifen geschlagen – und das Schleppen von Schläuchen auf einer Treppe üben die Sportler auf dem Turm der Kenzinger Wehr.

Der schnellste Feuerwehrmann Deutschlands lädt nun die Kameraden zum gemeinsamen Training nach Rheinhausen ein: "Wettkampfteilnahme muss nicht das Ziel sein, das ist ja auch wieder mit Ausgaben verbunden", sagt Kaiser, dessen WM-Teilnahme im Oktober in Sacramento von einem Sponsor finanziert wird. "Das Training bringt aber viel für den Einsatz", ist er sich sicher.