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26. Februar 2011

"Alles wird gut"

BZ-INTERVIEWmit Rickenbachs Bürgermeister Norbert Moosmann, der nach sechsmonatiger Abstinenz am Montag seinen Dienst wieder aufnehmen will.

  1. Norbert Moosmann Foto: Archivfoto: Katja Mielcarek

RICKENBACH. Am Montag will Rickenbachs Bürgermeister Norbert Moosmann nach mehrmonatiger Abwesenheit seinen Dienst wieder aufnehmen. Mit Katja Mielcarek unterhielt er sich über die aktuelle Situation. Das Interview wurde geführt, bevor Landrat Bollacher eine Rückkehr zu den Bedingungen Moosmanns ablehnte. Norbert Moosmann wollte aber auch nach Erhalt der Nachricht nichts an dem Interview ändern.

BZ: Rund ein halbes Jahr waren Sie jetzt krank. Möchten Sie etwas zu Ihrer Krankheit sagen?
Norbert Moosmann: Im vergangenen Jahr war ich unter anderem Stalking-Attacken ausgesetzt, mein Auto wurde von Unbekannten mit Parolen beschmiert und diverse anonyme Morddrohungen gegen mich als Bürgermeister wurden per Post ans Rathaus geschickt. Diese sowohl hinterhältige als auch feige und damit destruktive Form der Auseinandersetzung hat mich derart krank gemacht, dass ich mich in eine längere stationäre Behandlung in der Universitätsklinik Freiburg begeben musste.Bereits in der Vergangenheit war ich vielfältiger, heftiger und teils sehr unsachlicher Kritik ausgesetzt. Damit muss man wohl als Bürgermeister zurechtkommen. Diese Angriffe aus der Anonymität, die in der Folge dann Misstrauen jedem gegenüber säen, sind jedoch von einer ganz neuen Qualität. Aber ich weiß jetzt damit umzugehen.

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BZ: Fühlen Sie sich wieder gesund und fit genug für die anstehenden Aufgaben?
Moosmann: Ja, absolut! Ansonsten würde und dürfte ich meinen Dienst jetzt nicht wieder antreten. Auch wenn ich als Bürgermeister überwiegend Leitungsaufgaben wahrnehme, so begreife ich mich als Teamspieler, und ein Team zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass es vor allem dann effektiv arbeitet, wenn es vielfältige Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.
BZ: Sie fangen nicht in Vollzeit an, sondern werden eingegliedert. Wie wird das aussehen?
Moosmann: Bei der Wiedereingliederung handelt es sich um eine medizinisch begründete Rekonvaleszenzmaßnahme. Hierzu haben sich sowohl der behandelnde Facharzt als auch der Amtsarzt auf eine Wochenarbeitszeit von zunächst 15 Stunden ausgesprochen. Diese dürfen nicht nach 18 Uhr liegen und die Wochenenden sind freizuhalten. Herr Landrat Bollacher hat in der Presse ja bereits verkündet, dass er sich über dieses medizinische Gutachten hinwegsetzen und den Antrag auf Wiedereingliederung ablehnen wird. Ich hoffe, dass Herr Bollacher kompetent beraten wird und dementsprechend dem Antrag zustimmen wird. Ich will auf jeden Fall – wie angekündigt – meinen Dienst am Montag und im Umfang des medizinisch Sinnvollen antreten.

BZ: Heißt das, dass Sie keine Gemeinderatssitzungen leiten, oder werden die in den Nachmittag verlegt?

Moosmann: Beides ist denkbar.
BZ: Wir vermuten, dass es aus dem vergangenen Jahr noch Resturlaub geben wird. Wie planen Sie den bei Ihrer Rückkehr ein?
Moosmann: Ja, ich habe aus dem Jahr 2010 noch Resturlaub. Die Ärzte haben mir angeraten, auch diesen für die Rekonvaleszenz zu nutzen. Im Wesentlichen werde ich daher in der ersten Jahreshälfte den Urlaub komplett abwickeln.
BZ: Waren Sie in den vergangenen Monaten immer überzeugt davon, nach Rickenbach zurückzukommen?
Moosmann: Nein – zu Anfang nicht. Wenn Sie derart massive gesundheitliche Beschwerden haben, dann stellt sich natürlich die Frage, ob man sich eine künftige Weiterarbeit wirklich zumuten kann, ohne die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Aber ich habe zwischenzeitlich gelernt, mit den anonymen und unsachlichen Angriffen umzugehen. Was mir sehr geholfen und mich auch ermutigt hat, waren neben der ärztlichen Betreuung auch und gerade der Zuspruch und die Rückmeldungen von Menschen aus der Gemeinde Rickenbach. Diese sind zwar nicht in der Zeitung zu lesen, aber es gibt sie – Gott sei Dank!

"Insbesondere in Hinblick auf die öffentlichen Äußerungen in dieser Woche hoffe ich, dass sowohl beim Landratsamt als auch beim Gemeinderat Vernunft einkehrt und sich die in Teilen der Bevölkerung hochgekochten Emotionen

wieder beruhigen."

BZ: Welche Gedanken und Hoffnungen verbinden Sie mit der Wiederaufnahme Ihrer Arbeit?
Moosmann: Ich bleibe dabei, was schon immer meine Meinung und Einstellung war: Rickenbach ist eine tolle Gemeinde. Wir haben sehr motivierte und engagierte Beschäftigte in den verschiedensten Gemeindeeinrichtungen und wir leisten – zusammen mit vielen engagierten Bürgern – vorbildliche Arbeit. Ich hoffe und wünsche, dass dies endlich auch vom Gemeinderat gesehen und begriffen wird. Ich verweigere mich nicht sachlicher und konstruktiver Kritik – im Gegenteil. Aber die derzeitige Negativpropaganda gegen mich, das Verdrehen oder Ignorieren von belegbaren Tatsachen, die in der Vergangenheit und aktuell von einigen Wortführern betrieben wird, ist leider nicht sachlich orientiert, sondern nur bösartig, und schadet vor allem der Gemeinde insgesamt. Insbesondere in Hinblick auf die öffentlichen Äußerungen in dieser Woche hoffe ich, dass sowohl beim Landratsamt als auch beim Gemeinderat Vernunft einkehrt und sich die in Teilen der Bevölkerung hochgekochten Emotionen wieder beruhigen. Also – Wunsch und Hoffnung: Lassen Sie uns gemeinsam konstruktive Gemeindearbeit leisten!

BZ: Sehen Sie die Schuld für die verfahrene Situation ausschließlich beim Gemeinderat?

Moosmann: Um es noch einmal deutlich zu sagen: Es geht hier darum, dass ich in massiver Art und Weise als Bürgermeister angegriffen wurde und dadurch krankheitsbedingt meinen Dienst nicht ausüben konnte. Nun bin ich gesund und kann eine sowohl fach- als auch amtsärztlich für notwendig und sinnvoll erachtete Wiedereingliederung beginnen. Wie sich der Gemeinderat und insbesondere die Bürgermeister Stellvertreter zu meiner angekündigten Rückkehr öffentlich geäußert und Stimmung gemacht haben ist für mich nicht nachvollziehbar. Dies gilt auch für die Aussagen von Herrn Landrat Bollacher.
Ich bedaure sehr, dass die Lage sich unnötigerweise durch die Aussagen der Mitglieder des Gemeinderates und des Landrates derart zugespitzt hat. Deshalb appelliere ich nochmals mit Nachdruck, gemeinsam sachlich und konstruktiv miteinander umzugehen. Ich bin dazu bereit.
BZ: Können Sie nachvollziehen, dass Ihre Stellvertreter eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen ablehnen? Was sagen Sie zu den damit verbundenen Vorwürfen?
Moosmann: Die Gemeindeordnung von Baden-Württemberg regelt ganz klar die Zuständigkeiten von Bürgermeister und Gemeinderat, ebenso die Vertretung. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn angekündigt wird, dass man sich an Gesetze und Ordnungen nicht halten wird! Dies gilt in gleichem Maße, wenn ankündigt wird, mit dem Bürgermeister nicht zusammenarbeiten zu wollen. Dieses Verhalten in der Öffentlichkeit schadet in erster Linie der Gemeinde, auf deren Wohl sich nicht nur der Bürgermeister, sondern jeder einzelne Gemeinderat per Amtseid verpflichtet hat. Der Bürgermeister ist kein Angestellter des Gemeinderates! Der Bürgermeister ist auch kein Abteilungsleiter des Landratsamtes. Die Gemeindeordnung hat sowohl dem Bürgermeister als auch dem Gemeinderat – aus guten Gründen – eine starke Stellung eingeräumt. Diese können wir nun nutzen, um die Gemeinde positiv voranzubringen oder um uns gegenseitig zu blockieren. Ich war und bin immer für das Erstgenannte. Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Ich höre und lese derzeit nur pauschale Vorhaltungen. Auf sachliche und fundierte Fragen habe ich in der Vergangenheit immer geantwortet und werde dies auch künftig so halten, auch wenn ich zugebe, dass ich oft den Eindruck hatte, dass man meine Antwort nicht verstand oder verstehen wollte, weil sie nicht ins Weltbild des Fragenden gepasst hat.
BZ: Was sagen Sie zu den Änderungen der Rickenbacher Hauptsatzung, die der Gemeinderat kurz vor Ihrer Rückkehr durchgesetzt hat?
Moosmann: Einige Änderungen waren schon lange notwendig. Ich denke, Ihre Frage zielt jedoch konkret darauf, dass der Gemeinderat ab Rechnungsbeträgen von 1000 Euro durch den Bürgermeister zu informieren ist. Der Gemeinderat hat hier eines seiner Rechte wahrgenommen, das ihm die Gemeindeordnung einräumt. Ob es sinnvoll war – darüber kann man unterschiedlicher Auffassung sein und es wird sich zeigen, ob sich diese Vorgehensweise bewährt. Einen sachlich fundierten Grund für diese Entscheidung kann ich nicht erkennen.
BZ: Viele Rickenbacher meinen, Sie kämen nur halbherzig und vorläufig zurück. Der Verdacht, es gehe nur um Zeit und Geld, steht im Raum ...
Moosmann: Der Schauspieler und Komiker Danny Kaye hat mal den schönen Satz gesagt: "Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu." Doch im Ernst: Ich bin bis zum Jahr 2015 gewählt. Ich habe einen deutlichen Wählerauftrag erhalten, den ich auch ausüben werde. Die Arbeit der nunmehr fast vier Jahre kann sich mehr als sehen lassen. Ohne der "Halbzeitbilanz" vorzugreifen, sage ich schon an dieser Stelle: Es ist mir trotz massiver Widerständen gelungen, in der Gemeindeverwaltung Strukturen aufzubauen, die zukunftsfähig und richtig sind. In den Kindergärten, dem Bauhof, der Kläranlage, der Wasserversorgung und in der Schule sind ebenfalls Beschäftigte der Gemeinde tätig, die hervorragende Arbeit leisten. Ihnen danke ich und mit ihnen will ich weiter arbeiten! Wie die folgenden vier Jahre weiter verlaufen werden, liegt jedoch wesentlich am Gemeinderat. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass die Mitglieder des Gemeinderates aus ihrer "Anti-Haltung" herausfinden und das tun, was ihr Auftrag ist: Für das Wohl der Gemeinde zu arbeiten – und dies zusammen mit dem Bürgermeister! Ich habe jedoch aus meiner Erkrankung gelernt: Ich werde sicher nicht erneut meine Gesundheit aufs Spiel setzen.

BZ: Das heißt?

Moosmann: Ich habe gelernt, meine Kräfte besser einzuteilen, mich abzugrenzen und auch Möglichkeiten (wieder) kennengelernt, wie ich Kraft tanken kann.
BZ: In den vergangenen Monaten ist einiges passiert. Wie gut sind Sie über den aktuellen Stand in der Gemeinde informiert?
Moosmann: Sie dürfen davon ausgehen, dass ich über den aktuellen Stand ausreichend informiert bin beziehungsweise mich umgehend nach Dienstantritt noch über all das informieren werde, was nicht in Protokollen oder der Presse veröffentlicht wurde.
BZ: Ihre Botschaft an die Rickenbacher?
1. Informieren Sie sich gründlich bei seriösen Quellen, bilden Sie sich dann Ihre eigene Meinung und glauben Sie nicht alles, was man Ihnen erzählt oder in der Zeitung steht.
2. Alles wird gut! 

Autor: mie