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28. Juli 2015

Mit Baguette-Trompete und Sanitär-Alphorn

"D’Gälfiäßler" wurden beim Konzert auf der Burgruine Wieladingen ihrem Ruf als skurrilste Band Deutschland gerecht.

  1. Skurril, aber geistreich und witzig: die Band Gälfiäßler auf der Burgruine Wieladingen Foto: Hrvoje Miloslavic

RICKENBACH-WIELADINGEN. Welche Kriterien Gegenstände aus den unterschiedlichsten Materialien auch immer erfüllen müssen, um als Musikinstrument durchzugehen – die "Gälfiäßler" kümmert es herzlich wenig. Mit einem sehr humor- und stimmungsvollen Auftritt auf der Burgruine Wieladingen wurde die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Formation ihrem Ruf als "skurrilste Band Deutschlands" vollauf gerecht.

Vielleicht taten die Veranstalter – der Förderverein Burgruine Wieladingen und der Schwarzwaldverein Bad Säckingen – gut daran, den Auftritt von Franz Schüssele, Bernie Weis und Herbert Wieber in die Abgeschiedenheit des Burgareals zu legen. Eine Maultrommel-, Gießkannen-, Schlangentrompete und Spazierstocktrompete kam zu Gehör.

Aber auch an einem Fahrradlenker, einer Flasche Tannenzäpfle, einem Auspuff oder zusammengesteckten Abflussrohren wussten die Künstler ihr musikalisches Ausnahmetalent unter Beweise zu stellen. Der Star in der Sammlung von "Instrumenten, die Welt nicht braucht" war ein Sanitäralphorn, das eine zweifelhafte Hommage an die Schweizer Nachbarn darstellte.

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Zur Lachmuskelstrapaze des Publikums trugen freilich auch die in tiefstem Ortenau-Badisch vorgetragenen Geschichten, die das Leben nicht nur im Schuttertal zu schreiben weiß, bei. "Zieh über ein Kondom, dann gibt’s keinen Ärger mit Rom", lautete der Rat des Trios an katholische Jungpriester, um im Fall von Zölibatsvergehen Unannehmlichkeiten mit dem Vatikan möglichst gering zu halten. Ganz und gar EU- und behördenkritisch gab sich das Trio bei der "traurigen Ballade vom "Bibbeliskäs".

Groß war die Empörung und nicht minder der Spott angesichts der juristischen Fallstricke, die der badischen Nationalspeise zusetzen. Einiges erfuhr das Publikum auch über die Mentalität der Schuttertäler: Die hohe Geburtenrate erkläre sich nicht nur durch die frische Luft, wusste Frontmann Schüssele zu berichten. Der Trick bestehe in einem "alemannischen Fruchtbarkeitstanz", der dem Publikum sogleich effektvoll vorgespielt und- tanzt wurde. Als echte Patrioten ist den drei Komikern auch am guten Verhältnis zu den Nachbarn im Elsass und der Schweiz gelegen. Beim "Heidi-Ruf" konnte das Publikum seine Stimmgewalt unter Beweis stellen. Etwaige französische Gäste durften sich am Vortrag der "Marseillaise" erfreuen, die stilgerecht auf einer Baguett-Trompete intoniert wurde. Nicht fehlen durfte am Ende eines sehr unterhaltsamen Nachmittags das Badner-Lied.

Autor: Hrvoje Miloslavic