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21. Februar 2014

Mit Helikopter und Seilbahn

Vor 30 Jahren gründete sich der Förderkreis zur Rettung der Burgruine Wieladingen / Sanierung auch gegen Widerstände.

  1. Mit diesem Modell des MV Willaringen dürfte die Burg Wieladingen einst große Ähnlichkeit gehabt haben. Foto: Wolfgang Adam

  2. Das alte, restaurierte Gemäuer ist zu jeder Jahreszeit ein Anziehungspunkt für Gäste und Einheimische gleichermaßen. Foto: Wolfgang Adam

RICKENBACH. Im April vor 30 Jahren wurden im voll besetzten Rickenbacher Traditionsgasthaus Adler die Weichen für den Erhalt der vom Verfall bedrohten Burgruine Wieladingen gestellt. Mitglieder von Schwarzwaldvereins-Ortsgruppen sowie Burgenfreunde, Denkmalschützer und Miteigentümer der über 700 Jahre alten Burganlage hoben den "Förderkreis zur Rettung der Burgruine Wieladingen" aus der Taufe.

Anlässlich des Jubiläums bemüht sich das Vorstandsteam darum, im Sommer eine Kulturveranstaltung im historischen Ambiente auf die Beine zu stellen. Der Plan, wieder ein Theaterstück in der Burg aufzuführen, gestaltet sich allerdings schwieriger als vom Vorsitzenden Gottfried Nauwerck gewünscht: "Wir haben uns schon drei verschiedene Theaterstücke angesehen und mit Akteuren wegen einer Aufführung verhandelt – aber es ist schwer, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen." Noch habe er aber Hoffnung, Schauspieler und genügend Helfer für den Aufbau von Sitzgelegenheiten auf dem nur über Pfade zugänglichen Burggelände zu finden.

Der Förderkreis hat schon zweimal das Gerhard-Jung-Stückes "D’ Hans mit de Giige" aufgeführt, in dem das Leben eines früheren Burgherrn dargestellt wird. In diesem Jahr soll, wenn möglich, ein zeitgenössisches Bühnenwerk an der Stätte aufgeführt werden, an der vor 30 Jahren einsturzgefährdete Mauerteile unter schwierigsten Bedingungen stabilisiert wurden. Rickenbachs früherer Bürgermeister Georg Keller, der von Anfang an den Vorsitz im Förderkreis übernahm und ihn bis zum Abschluss der wichtigsten Sanierungsarbeiten innehatte, hat den enormen Aufwand zur Rettung des Baudenkmals in einer Broschüre zum zehnjährigen Bestehen des Förderkreises festgehalten. Gute Erinnerungen an die kostensparende Organisierung des Sanierungsprojektes haben auch Gottfried Nauwerk und der für viele Betreuungsarbeiten zuständige "Burgenhüter" Kurt Bächle.

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"Um auf dem felsigen und von steil abfallenden Hängen umgebenen Burggelände überhaupt mit den Gemäuersanierungen beginnen zu können, waren viele Ideen und Vorarbeiten wie die Bereitstellung von Strom und Wasser notwendig", berichtete Nauwerck. Und Kurt Bächle ergänzt: "Wir mussten damals auch gegen einige skeptische Hotzenwaldbewohner ankämpfen, die meinten, man solle den alten Steinhaufen einfach zusammenschmeißen, anstatt dafür Geld auszugeben." In ihrem Engagement für die rund 1,2 Millionen teure Sanierung sehen sich die Förderkreismitglieder schon lange bestätigt. "Die mit Zuschüssen restaurierte Burganlage ist ein Juwel in unserem touristischen Angebot. Sie wird auch von Einheimischen als romantischer Ausflugsort mit Grillstelle und Informationen geschätzt", weiß Rosa Jägle-Kern von der Rickenbacher Tourist-Info.

Die für die Sanierung ehrenamtlich aufgebrachten Einsatzstunden von Einzelpersonen, Gruppen, regionalen Feuerwehren und THW-Helfern sind nach Einschätzung Bächles kaum zu zählen. Rudolf Bäumle, der frühere Rickenbacher Hauptamtsleiter und damaliges Vorstandsmitglied beim Förderkreis, erinnert sich gut an die Kreativität der Helfer. Unter anderem hatten sie eine Seilbahn mit Gondel ausgetüftelt, um schwere Baustoffsäcke von der Burgmatte bis zum Gemäuer zu transportieren. Bäumle hatte die Idee, eine alte Heustockwinde umzubauen. Hotzenwälder, die bei einem Seilwindenhersteller in der Region arbeiteten, halfen beim Umbau. Und so konnten über die gusseiserne Gondel sechs bis sieben Sack Zement oder Kalksäcke von Lagerplatz zur Burg geschafft werden.

Auch ein Hubschrauber war im Einsatz

Einen Teil des Materialtransportes für die Baufirma Haiss hatte ein Hubschrauber übernommen. Er flog mit einem Netz auch die aus dem Murgtal geborgenen Originalsteine des Mauerwerks zur Baustelle. Um Kosten zu sparen, packten die Helfer kräftig mit an."Bis in die Dunkelheit haben wir über die Gundel Zement oder Sand zur Burg geschafft und uns über Pfiffe verständigt", erinnern sich Kurt Bächle und Gottfried Nauwerck. Die Ehefrauen Ursula Nauwerck und Marianne Bächle waren oft mit im Einsatz.

Die Ehepaare fühlen sich übrigens bis heute zuständig für Betreuung der Burg, deren Zugangswege manchmal durch abgestürzte Bäume oder Äste versperrt werden. Damit die Anlage ein Vorzeigeobjekt für den Ausflugstourismus bleibt, wird auch die Müllbeseitigung übernommen und das Gemäuer kontrolliert, damit sich keine Pflanzensamen in Fugen oder Ritzen einnisten. Zu Arbeitseinsätzen bis heute bereit ist auch der stellvertretende Vorsitzende Johann Lauber. Die Schwarzwaldvereinsortsgruppen von Rickenbach und Bad Säckingen helfen bei der Verpflegung von Ersten-Mai-Bummlern.

Diese Einnahmen sind wichtig für den Förderkreis, der sich auch um die Begehung des Bergfrieds und um die Sicherung und Dokumentierung archäologischer Funde gekümmert hat. Einige Fundstücke aus dem Mittelalter sind in Vitrinen des Rickenbacher Rathauses zu sehen. Andere befinden sich im Konstanzer Landesmuseum.

Autor: Wolfgang Adam