Radikales Umdenken ist gefragt

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Sa, 01. September 2018

Rickenbach

FDP-Politiker informieren sich bei der Firma Schäuble in Hottingen über regenerative Energiesysteme.

RICKENBACH-HOTTINGEN. Ein radikales Umdenken, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen und zu bewältigen, hat FDP-Kreisrat Erhard Graunke gefordert, als er am Donnerstagabend zusammen mit den anderen Mitgliedern der FDP-Kreistagsfraktion, Klaus Denzinger und Harald Ebi, sowie dem Wehrer FDP-Mitglied Hans-Peter Zimmermann die Firma "Manfred Schäuble – Regenerative Energiesysteme" in Hottingen besuchte.

Nachdem die Politiker die Caritas-Werkstätte in Wallbach besucht hatten, wurden sie von Manfred Schäuble und seiner Ehefrau Ilse Degout durch die Firma geführt, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert und Pionierarbeit im Bereich der regenerativen Energien geleistet hatte. Das Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Jahresumsatz zwischen zwei und drei Millionen Euro und bildet vier Lehrlinge aus.

Weitere zehn Personen arbeiten in dem von Manfred Schäuble gegründeten Unternehmen Senertec in Schopfheim, das die "Dachse" genannten Blockheizkraftwerke für den Hausgebrauch vertreibt. 1993 plante er das erste Nahwärmenetz auf dem Hotzenwald, und 2010 installierte er die erste hiesige Stromtankstelle mit regenerativen Energien. "Über die erste Solaranalage auf dem Dach haben die Leute auf dem Hotzenwald noch gelacht, doch heute findet man überall Solarzellen", meinte Schäuble, der den Kohlendioxid-Ausstoß um 90 Prozent reduzieren möchte. "Die Zeit drängt, und es ist die Aufgabe der heutigen Generation, Lösungen zu finden, um den Klimawandel aufzuhalten." Er appellierte an die Politik, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Firmen könnten dies begleiten und mitgestalten. "Dazu brauchen wir innovative Handwerksbetriebe mit gut ausgebildeten Mitarbeitern, die vor Ort Beratung und Kundenservice bieten – dann müssen wir keine Angst vor dem Internet haben", so Schäuble. Leider werde es schwieriger, gute Lehrlinge zu finden.

Auf Nachfrage aus dem Kreis der Zuhörer erklärte Schäuble, dass es bei den Mobilitätskonzepten nicht nur um Elektroautos gehe, vielmehr brauche man eine Mischung aus biogenen Kraftstoffen, und auch Brennzellen auf Wasserstoffbasis seien wichtig. Stromspeicher seien technisch zwar weit entwickelt, amortisierten sich aber erst nach etwa 20 Jahren, sagte Schäuble auf Nachfrage Denzingers. Er rechne jedoch mit steigenden Strompreisen, "und dann lohnen sich Stromspeicher deutlich stärker als heute." Graunke, von Beruf Landwirt, sagte, dass der Klimawandel Wald- und Landwirtschaft vor große Probleme stelle. Er forderte ein Umdenken, etwa eine Umstellung auf trockenheitsresistentere Arten und eine Neuaufstellung der Betriebe: "Wir brauchen Kreativität und Querdenker". Zimmermann appellierte an die Gemeinden, mit gutem Beispiel voranzugehen, denn die Heizungsanlagen in öffentlichen Gebäuden seien oft veraltet.