Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Oktober 2017

"Boccia" ist weg, neue Kunst kommt

Gemeinde Riegel und Kunsthalle Messmer arbeiten daran, dass der Platz vor der ehemaligen Brauerei nicht kunstfrei bleibt.

  1. Der Boccia (hier die Aufnahme von der Einweihung im Jahr 2011) ist weg. Die Vorbereitungen für das Nachfolgekunstwerk laufen bereits in Riegel. Foto: Archivfoto: Michael Haberer

RIEGEL. Manche sind traurig, manche froh: Der "Boccia" ist weg. Kurzfristig wurde die große Bronzefigur vor dem Areal der früheren Riegeler Brauerei vom Bahlinger Bildhauer Michael Schwarze abgeräumt. Er hat die Skulptur vor dem Eingang zum Skulpturengarten der Kunsthalle Messmer verkauft. Kunstfrei soll der Platz allerdings nicht bleiben. Die Nachfolgeskulptur kommt möglicherweise schon im November.

"Ich bin bestürzt", erklärt Jürgen Messmer. Er hätte nicht gedacht, dass Schwarze das Kunstwerk so schnell und ohne Ankündigung verkauft. Im vergangenen Jahr habe er mit dem Künstler und dem Rathaus verhandelt, ob er und die Gemeinde die Skulptur kaufen wollten. Denn der Boccia-Mann sei schon ein Hingucker gewesen. 10 000-fach sei er fotografiert worden. Auch für 1. Mai-Scherze sei er gut gewesen. Doch im Rathaus habe es geheißen, angesichts großer Investitionen könne man den Kauf eines teuren Kunstwerks nicht verantworten, berichtet Messmer. Immerhin sei der Künstler von seiner anfänglich geforderten viertel Million Euro abgerückt. Etwa bei einem Drittel, sei man gelandet, erklärt Messmer. Er habe schon daran gedacht, den Preis selbst abzustottern. Jetzt hat es mit den Überlegungen ein Ende. Die Familie Schwarze will sich auf Nachfrage der BZ nicht zu der Angelegenheit äußern.

Werbung


Es werde einen ebenbürtigen Ersatz geben, der wohl auch bei den Riegelern besser ankomme als der Boccia, meint Bürgermeister Markus Jablonski. An der überlebensgroßen manieristische Männerfigur von Schwarze schieden sich die Geister. Die gigantische verzerrte Anatomie der die Boccia-Kugel werfenden Bronzefigur trug die typische Handschrift des Bahlinger Künstlers und diese Handschrift war nicht jedermanns Sache.

Messmer erzählte bei der Einweihung im Jahr 2011, wie schwer es war, die Skulptur im Rondell des Großherzog-Leopold-Platzes zu platzieren. Ein Jahr habe es gedauert, bis alle möglichen Eigentümer und Behörden zugestimmt hatten und die Technik stimmte.

Jetzt hofft Messmer, dass schon in der zweiten November-Woche das Nachfolge-Kunstwerk eingeweiht werden kann. Man denke gerade über die Rahmenbedingungen nach, sagt Jablonski. Die Skulptur wird im öffentlichen Verkehrsraum stehen. Da geht es um Sicherheit und die Behörden müssen zustimmen.

Die 3,20 Meter hohe Skulptur, die folgen soll, ist jedenfalls bunter als der Boccia und sie strahlt eine Heiterkeit aus, die dem Boccia fehlte. Das Kunstwerk stammt von Otmar Alt, einem der bekanntesten deutschen zeitgenössischen Künstlern, der schon den Titel "Zeichensetzer" bekommen hat. Seine fabulösen Formen in meist leuchtend bunten Farben haben etwas von Pop-Art. Seine Fabelwesen stehen schon an vielen Straßen und auf öffentlichen Plätzen.

Otmar Alt stammt aus Wernigerode im Harz und geht bereits auf die 80 zu. Er wuchs in West-Berlin auf, absolvierte eine Ausbildung zum Plakatmaler und Schaufenstergestalter. Anfang der 1960er Jahre studierte er an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Nach Abschluss des Studiums 1966 arbeitete er als Bühnenbildassistent.

Inzwischen lebt und arbeitet Alt in Norddinker, einem Ortsteil der westfälischen Stadt Hamm. 1996 wurde die nach Otmar Alt benannte Stiftung eröffnet, die er 1991 gegründet hat. Entstanden ist ein opulenter Park, in dem Skulpturen von Alt und anderen Bildhauern zu sehen sind. Im Stiftungsgebäude können junge Künstler in einem halbjährigen Stipendienaufenthalt ihre Kreativität entwickeln.

Alts vielfältiges soziales Engagement brachte dem Künstler zahlreiche Ehrungen ein: 1991 erhielt Otmar Alt den Kulturpreis Deutscher Freimaurer, 1994 wurde ihm der Titel "Bürger des Ruhrgebiets" verliehen, 1998 das Bundesverdienstkreuz und 2005 sowohl der Steiger-Award als auch der Kulturpreis der Stadt Wernigerode.

Die künstlerischen Rahmenbedingungen für ein künftiges Wahrzeichen Riegels sind also bestens. Jablonski hält aber den Zeitpunkt noch nicht für gekommen, um ein Bild von der Skulptur zu zeigen. Denn erst müssen die Behörden ihren Segen geben.

Autor: Michael Haberer