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10. März 2010

Ein Hobby wird zur Leidenschaft

Die Jugendkunstpreisträgerin Maja Gérard absolviert ein dreimonatiges Stipendium beim Riegeler Fotograf Telemach Wiesinger.

  1. Bewusst analog arbeitet die Schülerin Maja Gérard bei ihrem Foto-Stipendium im Atelier des Riegeler Fotografen Telemach Wiesinger. Hier sichten beide Kontaktabzüge der Fotos. Foto: Patrik Müller

RIEGEL. Telemach Wiesinger wurde 1968 geboren, Maja Gérard im Jahr 1990. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Fotografie: Die Freiburger Schülerin Gérard räumte mit ihren Bildern beim Jugendkunstpreis 2009/2010 ab – und gewann ein Stipendium beim Riegeler Werbefotografen und Fotokünstler Wiesinger. Momentan bereiten die beiden gemeinsam die Preisträgerausstellung Ende April vor. Thema: Wasser.

"Ich finde Wasser ziemlich interessant", sagt Maja Gérard. "Es kann verschiedene Strukturen haben. Es kann Eis sein, es kann aber auch flüssig sein." Wiesinger nickt. "Wasser ist ein Thema, mit dem man in die Tiefe gehen kann. Es ist aber schwer zu fotografieren – Maja ist ja nicht die erste, die das Thema bearbeitet."

Die beiden sitzen in Wiesingers Atelier im Alten Feuerwehrhaus in Riegel und betrachten Kontaktabzüge, schwarze Bögen mit kleinen Vorschaubildern. Daneben liegen größere Schwarzweiß-Abzüge, auf einem sind die Strukturen von Wassertropfen im Gegenlicht zu sehen. "Ich habe mich entschieden, erst einmal Makroaufnahmen zu machen", sagt Maja Gérard. Das bedeutet, den kleinsten Dingen der Welt mit Nahaufnahmen zu Leibe zu rücken. Für Schwarzweiß hat sie sich entschieden, weil es "ein bisschen älter wirkt. Irgendwie auch professioneller."

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Vorgaben, sagt Telemach Wiesinger, habe er seiner Praktikantin nicht gemacht. Auch nicht die, analog zu arbeiten, mit Negativen und Positiven, wo sich das Digitale auch in der professionellen Fotografie längst durchgesetzt hat. "Ich hatte den Eindruck, das wir hier in der Dunkelkammer arbeiten sollten – die Möglichkeit dazu hat man heute ja nicht mehr so oft", sagt Wiesinger.

Die Zusammenarbeit der beiden besteht vor allem in langen Gesprächen über Bildaufbau und Bildwirkung. "Ich fotografiere alles alleine", sagt Maja Gérard, "dann gibt er mir Tipps und ich ziehe noch mal los." Wiesinger sieht seine Aufgabe vor allem darin, einen bestimmten Stil herauszuschälen. "Es gibt sehr viele Möglichkeiten, das Thema anzugehen", sagt der Fotograf. "Wenn man sich da nicht auf einen bestimmten Weg konzentriert, wird das sehr schnell beliebig."

Und Beliebigkeit ist kein Ziel des Jugendkunstpreises. Der fand im letzten Jahr zum zweiten Mal statt. Zu gewinnen gibt es kein Geld und keine Sachpreise, sondern sieben dreimonatige Stipendien – in den Bereichen Architektur, Grafik, Design, Malerei, Illustration, Fotografie, Mode-Design und Bildhauerei. Das Niveau ist hoch: Die Ausbilder sind samt und sonders Profis. Maja Gérard ist keine Anfängerin: Sie fotografiert seit sieben Jahren. Aus einem Hobby, sagt sie, wurde eine Leidenschaft. Auf den von Jugendkunstschule und Volksbank ausgeschriebenen Preis wurde sie über eine Freundin aufmerksam – die konnte sich ein Stipendium in einem Architekturbüro sichern.

Im Sommer legt sie ihr Abitur ab. Ob sie Fotografin werden will, weiß die Schülerin jedoch noch nicht. "Wenn man damit Geld verdienen will, muss man das fotografieren, was die Leute sehen wollen. Nicht das, was ich selbst machen will", sagt sie. Sie könne sich auch vorstellen, Grundschullehrerin zu werden – im Bereich Kunsterziehungen.

Abgeraten hat ihr Wiesinger nicht vom Berufswunsch Fotograf. Er hat ihr nur erklärt, wie das so ist, wenn man mit der Kunst Geld verdienen muss. "Ich kenne einen Musiker, der wird ganz oft von seinen Schülern gefragt, wie man Profi wird", erzählt Wiesinger. "Und der sagt denn immer: Wenn ihr Musik machen wollt, macht Musik. Aber wenn ihr Musiker werden wollt, müsst ihr daran denken, dass ihr mit eurer Musik Geschäfte betreiben müsst – und das ist eine ganz andere Dimension."

Info: Abschluss-Ausstellung Jugendkunstpreis 2009/2010: Vernissage am 29. April um 19 Uhr im Freiburger Haus der Jugend.

Weitere Informationen gibt es auch unter http://www.jugend.jbw.de.

Autor: Patrik Müller