Entwicklung der Kunst von Christo und Jeanne-Claude

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Sa, 28. Januar 2017

Riegel

Die Kunsthalle Messmer in Riegel gibt ab Samstag in einer Ausstellung Einblick in das Werk des weltberühmten Künstlerehepaars.

RIEGEL. Die Dimensionen sind es, die Christos Kunst so viel Aufmerksamkeit besorgen. Wenn er den Reichstag oder eine Insel in Kunststoff einpackt, blickt die Medienwelt auf Großereignisse. Jetzt hat sich die Kunsthalle Messmer Christo und seiner gestorbenen Frau Jeanne-Claude angenommen und es geht natürlich etwas bescheidener zu. In der vom Heidelberger Kurator Winfried Heid konzipierten Ausstellung bekommt der Besucher einen Einblick in das Schaffen Christos und kann sich mittels großformatiger Fotos einen Eindruck davon verschaffen, welches Spektakel aus der ursprünglichen Idee erwachsen ist.

Die Ausstellung ist chronologisch und informativ aufgebaut. Anhand von rund 100 Exponaten aus den Beständen von neun Leihgebern wird die Entwicklung des Ausnahmekünstlers hin zum Medienstar mit technisch immer ausgefeilteren und anspruchsvolleren Werken dargestellt. Zeichnungen, Collagen, Objekte, Grafiken und Fotos dokumentieren das Kunstwerk und die Arbeitsweise von der ersten Idee bis zum Nachklang des Events in der Kulturszene. Gezeigt werden alle wichtigen Schaffensperioden, beginnend mit den frühen Arbeiten über die weltbekannten Projekte wie die "Surrounded Islands", der Pont Neuf, die "Umbrellas" in Japan und Kalifornien, den verhüllten Reichstag in Berlin oder die "Gates" in New York bis hin zum jüngsten Großprojekt der "Floating Piers" am Lago d’Iseo.

Christo und Jeanne-Claude sind zu festen Größen der modernen Kunstwelt geworden. Der weltbekannte amerikanische Künstler, 1935 in Gabrowo in Bulgarien geboren, erntet nach wie vor mit seinen spektakulären und mit enormem Aufwand betriebenen Kunstprojekten viel Aufmerksamkeit. Aus verrückten Ideen werden einmalige und prägenden Kunsterlebnisse, die meist unter freiem Himmel präsentiert werden.

Das Künstlerpaar finanziert seine Projekte stets selbst und lässt die Besucher kostenlos daran teilhaben. Die Kunstwerke, die nur wenige Tage oder Wochen live zu bewundern sind, leben durch Zeichnungen, Fotos, Collagen und Editionen weiter und bleiben so auch über die Dauer des Projektes hinaus erhalten.

Zu Beginn seiner Karriere verschnürte Christo vor allem Alltagsgegenstände mit Schnur, Papier, Gewebe und Klebeband – seine kritische Antwort auf die von den Pop-Art-Künstlern propagierte ikonenhafte Überhöhung kommerzieller Waren und auf die zunehmend nach Perfektion strebende Verpackungsästhetik unserer Gesellschaft. Konsumkritik mischte sich mit Experiment und Spiel mit der Ästhetik eines verhüllten Objektes. Aus dem künstlerischen Spiel ist inzwischen eine Marke geworden, die Millionen Blicke auf sich zieht.

Info: Christo und Jeanne-Claude: Objekte – Zeichnungen - Collagen; Kunsthalle Messmer; 28. Januar bis 18. Juni. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr.