"Es ist großartig, was in Riegel entstanden ist"

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Mo, 03. Juli 2017

Riegel

Gute Resonanz bei den 9. Riegeler Künstlertagen / Malerei, Skulptur, Fotografie und Objekte von 23 Kunstschaffenden wurden bei der Vernissage vorgestellt.

RIEGEL. Dass sich viele Künstler untereinander wertschätzen und zusammenarbeiten, ist nicht selbstverständlich. Aber genau darin liegt das Erfolgsrezept der 9. "Riegeler Künstlertage", die am Freitag mit einer Vernissage und dem gemeinsamen Rundgang begannen. Samstag und Sonntag waren acht Ateliers und Galerien für kunstinteressierte Besucher geöffnet. Malerei, Skulptur, Fotografie und Objekte von 23 Kunstschaffenden wurden vorgestellt.

Im Namen der Kollegen begrüßte der "Dienst älteste ortsansässige" Künstler Karl-Heinz Thiel die zahlreichen Gäste der Vernissage, darunter auch MdB Peter Weiß (CDU). Vor mehr als 30 Jahren habe er hier im katholischen Gemeindezentrum die allererste Gemäldeausstellung überhaupt veranstaltet, blickte Thiel zurück. "Ich behauptete damals, Brauerei und Bürgermeister werden vergehen, aber Kunst in Riegel wird weiter bestehen. Ich sollte Recht behalten", so der Maler.

"Kunst ist elementarer Lebensmittelpunkt"

Jürgen Messmer von der Kunsthalle Messmer führte in die Künstlertage ein. "Es ist großartig, was in Riegel entstanden ist und es strahlt nach außen", sagte Messmer. "Für mich ist Kunst elementarer Lebensmittelpunkt", bekannte der Kunstsammler. Er betonte den Stellenwert der Künstlertage für die heimischen Künstler, lobte die Begehung der verschiedenen Ausstellungsräume und wünschte den Teilnehmern "viele interessante Gespräche sowie wirtschaftlichen Erfolg".

Dudelsackspielend sammelte Robert Sägesser die Gäste für (und auf) dem traditionellen Rundgang durch die Ateliers, den Wolfgang Keller erläuternd begleitete. Im katholischen Gemeindezentrum waren die neuesten Arbeiten von Senta Ernst zu sehen, die immer wieder durch eine erstaunliche künstlerische Wandlungsfähigkeit beeindruckt. Hubert Lang zeigte Hinterglasmalerei mit Motiven aus der Region sowie Bronzeskulpturen.

Die Bildhauergruppe "obenlinks" um die Riegeler Künstlerin Anna Busch bot eine Vielfalt in Material und Ausdruck. Sie stellten ihre Arbeiten auch im Garten in der Römerstraße 1 aus. Eine hölzerne Maske mit bestechendem Blick (Martin Steiner), zarte ausdrucksstarke Figuren aus Papier (Claudia Borowsky), auf dem Boden auf Sand angeordnete filigrane Kuben unter dem Titel "Zerbrechlich", auf mächtigem Holzbalken stehender Torso von Anna Busch und mit künstlich erzeugtem Rost oder Bronze bearbeitete Tonziegel mit Akzenten in Gold (Corinna Tilp) waren am Veranstaltungsort der Vernissage zu betrachten. Vor dem katholischen Gemeindezentrum begrüßten als Blickfang die überlebensgroßen Skulpturen von Gast Stefan Tóth. In ihrem Atelier am Großherzog-Leopold-Platz begrüßten die witzigen und charakteristischen tierischen und menschlichen Figuren aus Ton von Dorothee Lang die Besucher. In der Galerie "Kunstwelten im Engel" stellte Cordula Böhle ihren ins Abstrakte verwandelten Blick auf die heimische Landschaft in ihren Gemälden dar. Norman Hothum zeigte seine neuesten malerischen und grafischen Arbeiten, die sich an der mittelalterlichen Buchkunst orientieren. Michelle Hothums vielschichtige Miniaturen erschlossen sich dem Betrachter erst beim längeren Hinsehen. Zu Gast war Doris Wollandt, die Bilder in Pastellkreide zum Thema "Rhein und Wein" geschaffen hatte.

Naturfotografien und Papier, das sich mit Geist füllt

Carmen Gukelberger stellte im Bürgerhaus ihre neuesten Werke "am Rande der Gegenstandslosigkeit" (wie Wolfgang Keller ausführte) sowie Zeichnungen aus. Vor dem Atelier Thiel stand mit einem großen weißen Pferd eine weitere Skulptur von Tóth. Wolfgang Keller ließ an seiner malerischen Interpretation von Goethes Faust teilhaben.

Die Naturfotografien von Marina Meindl erhielten durch den gewählten Ausschnitt oder das Spiel mit der Unschärfe eine gewisse Abstraktion. Karl-Heinz Thiel hatte sich in seinen Arbeiten dem Thema "Papier, das sich mit Geist füllt" (so Keller) gewidmet.

Im ehemaligen Gasthaus "Zum Ochsen" stellten Annette Gevatter (Malerei) und Christine Rall (Fotografie) ihre "Dorfsichtungen" aus. Während Rall mit ihrer Kamera Landschaften oder Details von Gebäuden einfing und verfremdete, widmete sich Gevatter der Zeichnung von Landschaft oder ausdrucksstarken Tierporträts.

In der letzten Station präsentierten die Gäste Anna-Katharina Rintelen und Irene Fruci ihre Werke. Die wilde Tierwelt war Thema der farbenfrohen Malerei von Fruci, während Rintelens großformatige und abstrakt wirkende Bilder bei näherem Hinsehen Landschaft erkennen ließen.

Weitere Fotos gibt es unter http://mehr.bz/kuenstlertage17.