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15. Juli 2009 16:06 Uhr

Michaelskapelle

"Hochkarätiges Denkmal"

Die Michaelskapelle ist wohl das älteste erhaltene Gebäude im Landkreis Emmendingen. Dieses Ergebnis der Sanierungsarbeiten auf dem Michaelsberg präsentierte Bertram Jenisch von der Denkmalpflege am Montag im Archäologischen Museum in Riegel.

  1. Bertram Jenisch (links) von der Denkmalpflege erklärt Peter Ziegler und Pfarrer Ekkehard Baumgartner die Ausstellungsstücke zur Michaelskapelle im Archäologischen Museum in Riegel. Foto: Michael Haberer

RIEGEL. Die Michaelskapelle ist wohl das älteste erhaltene Gebäude im Landkreis Emmendingen. Dieses Ergebnis der Sanierungsarbeiten auf dem Michaelsberg präsentierte Bertram Jenisch von der Denkmalpflege am Montag im Archäologischen Museum in Riegel. Der Wert der Michaelskapelle ist auch druckfrisch im neuen Band der "Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg" dokumentiert. Dort schreibt Jenisch allerdings etwas vorsichtiger von "einem der ältesten mittelalterlichen Bauwerke im Landkreis".

Mehr als 1000 Jahre alt ist die Kapelle. Das ist sicher. Vielleicht aber noch älter. Es gibt Anzeichen für einen Sakralbau im frühen Mittelalter unter der späteren Kapelle. Manche Steine ihrer Mauern sind aber noch deutlich älter. Sie stammen wahrscheinlich aus einer römischen Tempelanlage in Riegel. Die Reste des verfallenen Mithrastempels nutzten die Christen offenbar für den Kapellenbau. Das schließen die Experten aus der Bearbeitung der Steine, denn die Römer waren einfach weiter als die Breisgauer Christen in der ottonischen Zeit. Er sei zwar ein Mittelalter-Fan, so Jenisch, aber die vorbildliche Kunst im Bearbeiten der Bausteine müsse er den Römern lassen.

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Das mindeste Alter der Michaelskapelle ist nun bekannt, weil die Archäologen die Steine sprechen ließen. Möglich machte dies die Sanierung der Kapelle. Um die Fundamente trocken zu legen, musste an den bestehenden Mauern in die Tiefe gegraben werden. Dabei wurde vor gut einem Jahr ein romanischer Torbogen freigelegt. Aus den verschiedenen Schichten der Steine in und um den Torbogen haben die Archäologen die Baugeschichte des Gebäudes rekonstruiert.

Als man sich vor einem Jahr die Mauern anschaute, erschien wahrscheinlich, dass die Michaelskapelle eine Burgkapelle war. Denn im Hochmittelalter stand hier eine Burg der Zähringer. Doch jetzt ist laut Jenisch klar: Die Kapelle bestand schon vor der Burg. Als die Zähringer kamen, wurde die Kapelle mit dem Löss, der für den Burggraben ausgehoben wurde, zugeschüttet und aufgestockt. Die Burg wurde im späten Mittelalter aufgegeben. Die Kapelle blieb.

Die Baugeschichte bis zur Hochzeit der Burg ist inzwischen wieder zugedeckt und existiert als Text sowie in einigen Fundstücken. Die Geschichte nach der Aufgabe der Burg ist noch an einigen Sichtfenstern im Inneren der Kapelle zu erkennen. Doch baulich passierte nur noch Kosmetik, wie Jenisch erklärte. Zu solchen kleinen Dingen gehört die entdeckte Aussparung im Altar, das Sepulcrum, an dem sich besonders der Geschichtsvereinsvorsitzende Peter Ziegler erfreuen kann. In diesem Sepulcrum fand sich ein Reliquienglas aus der Zeit um 1700. Diese ist nun mit einigen anderen Fundstücken vom kommenden Sonntag an in einer Vitrine im Archäologischen Museum zu sehen. Eine Reliquie fand sich darin nicht mehr – dafür aber eine tote Maus, die sich durch den Glasverschluss aus Stoff gefressen hatte. Derzeit werde untersucht, ob das Tierchen archäologisch etwas hergibt, so Jenisch.

Angesichts der archäologischen Untersuchungen kommt Jenisch zu dem Schluss, dass die Riegeler mit dem Michaelsberg ein "hochkarätiges Gesamtdenkmal" vor ihrer Haustüre haben. Die Kelten waren oben, die Römer sicher auch, die Alemannen wahrscheinlich, die ottonischen Christen sicher. Die Zähringer machten ihn zum wehrhaften Wachtposten an der Riegeler Pforte, später wurde ein Wallfahrtsort daraus.

Autor: Michael Haberer