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02. September 2010
Holpriger Start ins Leben
Riegeler Jungstörche nach "Bruchlandungen" vorübergehend in Reuter Pflegestation zu Gast.
RIEGEL. Viele Riegeler nehmen Anteil am Geschehen rund um das Storchennest auf der Alten Schule. Und da wurde in diesem Jahr allerhand geboten, insbesondere im August. Denn die Flugversuche der beiden Jungstörche endeten anders als geplant. Mit einiger "Starthilfe" gelang dann aber doch noch der Weg hinaus ins Leben in freier Wildbahn, wie Storchenvater Herbert Walter zu berichten weiß.
Spät war es angereist, das Storchenpaar, das das Nest auf der Alten Schule bezog. Dennoch wuchsen auf dem Dach des Gebäudes, das inzwischen eine Hebammenpraxis beherbergt, zwei Jungstörche heran – AE 639 und AE640, wie auf den Ringen an den Oberschenkeln abzulesen ist. Doch das Familienleben im Hause Adebar blieb nicht ungestört. Weil das Gebäude gerade renoviert wird und deshalb ein ausladender Baukran über dem Nest hin und her schwenkt, bekamen die Tiere Angst, so dass nur eine Notfütterung des Nachwuchses erfolgte.Die ersten Flugversuche der Jungtiere begannen erst Anfang August. Prompt stürzte AE 639 am 8. August nach einem meterhohen Hüpfer in den Schulhof ab. Storchenvater Herbert Walter und Konditor Mirko Rösch fingen den Jungstorch mit einem Kartoffelsack ein und brachten die kostbare Fracht mit dem Auto zu Storchenpfleger Martin Kury nach Reute. Dort erholte sich der Jungstorch von seiner gespielten Totenstarre und reihte sich im Gehege unter 13 andere pflegebedürftige Störche ein. Von dem zugeworfenen Eintagesküken nahm er keine Notiz.
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Neun Tage später landete Storch AE 640 versehentlich in der Leopoldstraße. Obwohl er schon erfolgreiche Mini-Flüge von Dach zu Dach probiert hatte, wie Herbert Walter berichtet, schaffte er es nicht, vom Asphalt in Richtung Nest zu starten. Ängstlich verirrte er sich in einen angrenzenden Hof, wo ihn Walter und Helfer Nico Arandjelovic gemeinsam einfingen und ebenfalls in einen Sack bugsierten. Arandjelovic "bezahlte" seinen selbstlosen Einsatz mit einer blutenden Wunde am Arm, verursacht durch den spitzen Schnabel des Jungstorchs. Den erfolgreichen Storchenfängern blieb nichts anderes übrig, als auch das zweite Jungtier nach Reute zu bringen, wo sich die beiden Riegeler Störche wieder trafen. "Verwandtschaftliches Verhalten konnte man aber nicht feststellen", so Walter.
Der Riegeler Storchenfreund Georg Mordhorst verfolgte die Entwicklung der Riegeler Jungstörche in Reute fast täglich mit der Kamera und war auch dabei, als Martin Kury das Gatter öffnete, um die flugtüchtigen Tiere fortfliegen zu lassen. Rund 20 Besucher aus der Umgebung verfolgten das Schauspiel. Wider Erwarten stolzierten die "Rotstrümpfe" ganz gemächlich durch die Öffnung. Ein Storch wollte sogar ganz frech seinen flugbereiten Kollegen am Schwanz zurückhalten. Nach und nach flogen die meisten auf eine nahe Wiese, einige – darunter auch die beiden Riegeler – probten aber noch ein paar Tage, bis sie ins Leben in Freiheit starteten. Laut Martin Kury überleben allerdings nur 10 bis 20 Prozent der Jungstörche das erste Lebensjahr.
Für Storchenvater Herbert Walter hat die Aktion noch einen anderen Aspekt. Der ehemalige Lehrer bekam dabei Unterstützung von einstigen Schülern, an deren Streiche sich alle Beteiligten noch gut erinnern.
Autor: xebn
