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29. Juli 2011

Künftig Römer und Raketen

Archäologisches Museum in Riegel soll Abteilung zur Luft- und Raumfahrtgeschichte bekommen.

  1. Geschichtsvereinsvorsitzender Peter Ziegler mit einem der künftigen Exponate in der geplanten Museumsabteilung. Foto: Michael Haberer

RIEGEL. Das Archäologische Museum zieht um und es bekommt eine zweite Abteilung. Statt Römer pur und einige andere historische Exponate wird es im neuen Domizil, der früheren Zehntscheuer bei der Alten Schule, eine ständige Ausstellung über das römische Riegel wie auch zur Luft- und Raumfahrt geben. Dies hat der Gemeinderat in der Sitzung am Mittwochabend grundsätzlich gut geheißen. Der Umzug der vorhandenen Römerexponate und ihrer Kulissen wie auch die thematische Erweiterung kosten etwa 27 000 Euro.

Eine "Riesensache" für Riegel tue sich hier auf, sagte Peter Ziegler, Vorsitzender des Geschichtsvereins. Er meinte damit die deutschen Raketenforscher, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Riegel untergebracht waren (die BZ berichtete). Denn das Intermezzo ist nicht nur wenig bekannt. Die deutschen Luft- und Raumfahrttechniker, die von den Franzosen angeheuert wurden, haben in der weiteren Entwicklung der europäischen Luft- und Raumfahrt eine bedeutende Rolle gespielt. Diese Rolle, der Aufenthalt in Riegel und ein bestehender Personenkreis aus Verwandten wie auch Experten am Ort und in der Region rechtfertigen es, im bewusst archäologisch angelegten Museum eine moderne Abteilung zu eröffnen, finden Ziegler und Bürgermeister Markus Jablonski. Dass sich Antike und Moderne unter einem Dach nicht beißen müssen, zeige das Museum Het Valkhof in Nimwegen, so Ziegler. Er hat nicht nur ein ganzes Netzwerk von Personen und Institutionen organisiert, die das technische wie auch das pädagogische Knowhow für die neue Museumsabteilung beisteuern. Insbesondere über die MTU in München hat er schon Leihgaben wie zwei Flugzeugdüsen organisiert. So werden die Exponate für Luft- und Raumfahrt die Gemeinde kaum etwas kosten. Einzig ein Exponat außerhalb des Museums birgt noch finanzielle Ungewissheiten: Teile eines Treibstofftanks der Ariane-Rakete sollen als Blickfang im Grün gegenüber des Brauhauses aufgestellt werden. Hier sind laut Jablonski 1000 Euro für die Überführung und die Kosten für den Bau eines Fundaments klar. Um zu klären, ob das etwa dreieinhalb Meter hohe Raketenteil besondere Schutzvorrichtungen wie etwa ein Dach braucht, fahren Ziegler und Jablonski in der kommenden Woche zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Lampoldshausen bei Heilbronn. Dort sitzen die möglichen Leihgeber. Grundsätzlich hat sich der Rat einstimmig dafür entschieden, das Exponat an den Ortseingang zu stellen, um auf das Museum aufmerksam zu machen.

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Der größte Posten bei der Neueinrichtung des Museums im hinteren Gebäude des Bürgerhauses Alte Schule ist der Umzug der Römer. Der wird zwar schon zu einem guten Teil vom Geschichtsverein organisiert. Doch bleiben noch fast 20 000 Euro für Fachfirmen. Hüseyin Sahin meinte, die Handwerker im Umfeld des Geschichtsvereins könnten hier noch mehr Arbeit übernehmen und die Kosten drücken. Ziegler erwiderte, vor allem der Transport der teuren, schweren Vitrinen erfordere professionelle Handhabung.

Nachdem die Konzentration auf die Römerzeit aufgegeben ist, kam die Frage nach Exponaten aus anderen Zeiten auf. "Was ist mit den Schätzen aus der Keltenzeit?", fragte Bruno Wiedmann. Jablonski meinte, sie sollten nicht in die Römerabteilung integriert werden. Das würde in seinen Augen das Erscheinungsbild ruinieren. Er verwies darauf, dass sowohl im Eingangsbereich wie auch an anderen Orten des kommenden Bürgerhauses Raum für weitere Exponate oder Wechselausstellungen sein wird.

Autor: Michael Haberer