Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Juli 2016

Künstlertage lockten ein fachkundiges Publikum an

Malerei und Skulptur, Lyrik und Musik, Keramik und Performance – Kunst in Wort, Ton, Klang oder Farben waren bei den Offenen Ateliers der 20 teilnehmenden Künstler zu studieren. Etwa 1500 Besucher kamen.

  1. Sehr gut besucht war die Vernissage der Künstlertage am Freitagabend im Bürgerhaus. Foto: Christiane Franz

  2. Werke von Hubert Lang und Senta Ernst. Foto: Christiane Franz

RIEGEL. Die künstlerische Bandbreite der Riegeler Künstlertage am Wochenende bot für jeden Kunstinteressierten etwas Besonders. Malerei und Skulptur, Lyrik und Musik, Keramik und Performance – Kunst in Wort, Ton, Klang oder Farben waren bei den Offenen Ateliers der 20 teilnehmenden Künstler zu studieren. Da die meisten Künstler anwesend waren, gab es für die Besucher vielfältige Möglichkeiten, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Nach den zwei Tagen zeigten sich alle Künstler mit dem Erfolg sehr zufrieden.

Dicht an dicht standen die Besucher bei der Vernissage am Freitagabend im Bürgerhaus. Im Namen der Künstlergemeinschaft begrüßte Norman Hothum. Noch nie in den vergangenen acht Jahren waren so viele Besucher zur Eröffnung der Künstlertage gekommen. Inzwischen genießen die Künstlertage ein wachsendes Ansehen in der Region. 18 Riegeler Künstler nahmen an den Offenen Ateliers teil. Aus der Bretagne, fanden die Werke zweier Künstler den Weg nach Riegel. Der französische Maler Yves Daniel war an beiden Tagen vor Ort. Im Vorjahr waren Schweizer Künstler zu Gast gewesen. Riegel habe eine lebendige und bunte Kunstszene, sagte Hothum. "Dass immer mehr Besucher kommen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Werbung


Bürgermeisterstellvertreterin Eugenia Singler war begeistert vom Angebot. Sie forderte die Besucher auf, in die Werkstätten zu gehen und das Gespräch mit den Künstlern zu suchen. Das Duo Fasciculus mit Robert Sägesser und Sabine Wehrle umrahmte die Vernissage, unter anderem mit einem Werk von Eric Satie.

Eng wurde es in manchem Ausstellungsraum beim ersten, knapp zweistündigen Rundgang. Das Zentrum bildete das Bürgerhaus, in dem sieben Künstler ihre Werke vorstellten. Bei den als Collage gestalteten Bildern der Französin Erika Raio offenbarte der Blick aus der Nähe, dass sie filigran aus verschiedenen zueinander passenden Materialien gefertigt waren. Ebenfalls aus Frankreich reiste Yves Daniel an. In verschiedener Technik und faszinierend detailgenauer Ausarbeitung ließ er Landschaften entstehen.

Karine Stader zeigte Frauen in persönlichen Augenblicken. Ihre Kunst ist stark vom Jugendstil beeinflusst. Das vielseitige abstrakte oder gegenständliche Schaffen in der Malerei und Collage präsentierte Senta Ernst als Werkschau. Eine außergewöhnliche Technik hat sich Hubert Lang angeeignet mit Hinterglasmalerei in der Tradition des "Blauen Reiter". Er zeigte auch Bronze-Skulpturen.

Im Eingangsbereich zum Bürgerhaus standen die Keramikskulpturen von Silvia Wenzinger – vor allem Frauenfiguren, als Torso gestaltet. Historische Instrumente konnte man beim Duo Fasciculus kennenlernen. Sabine Wehrle und Robert Sägesser stellten diese im Matinee-Konzert am Sonntag vor. Um das "Farben sehen, hören, verstehen" ging es in der von rund 40 Gästen besuchten zweimaligen Performance "Synaesthesia" von Marc Ballhaus und Robert Sägesser.

Im oberen Stockwerk des Bürgerhauses befinden sich die Ateliers von Katharina Hirt, Natalie Gianfelice-Wagner und Gerhard Steiniger. Die Fotografin Hirt zeigte anhand von mit Blüten geschmückten Frauenporträts eindrucksvoll die Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Dem Minimalismus verschrieben hat sich Natalie Gianfelice-Wagner. Landschaften vom Kaiserstuhl bis Neuseeland zeigte Gerhard Steiniger.

Der Maler und Restaurator Karl-Heinz Thiel gab in seinem Atelier nahe des Bürgerhauses Einblick in sein Schaffen.

Hothum: Besucher kamen ganz gezielt

Bei Thiel stellten auch die Fotografin Marina Meindl und der Maler und Comic-Zeichner Wolfgang Keller aus. Meindl zeigte "Ungewohnte Ansichten aus dem Weinberg" mit Spinnennetzen, kunstvoll in Szene gesetzt. Keller zeigte expressive Köpfe, die teilweise an die Ausstellung "Geist der Maschine" anknüpften, an der Keller ebenfalls beteiligt ist.

In den "Kunstwelten im Engel" präsentierte Hausherrin Cordula Böhle ihre neuesten Werke. Auch sie nutzt verschiedene Techniken, um ihren von der Natur inspirierten Themen Ausdruck zu verleihen. Michelle und Norman Hothum waren in Böhles Atelier zu Gast. Michelle Hothum zeigte Radierungen und Miniaturen, die sie besonders auf den bemalten Holzeiern zur Geltung bringt. Norman Hothum widmet sich der historischen Buchmalerei mit mittelalterlicher Kalligraphie. Heiter, amüsant oder nachdenklich machend waren die Tonfigurinen, die Dorothee Lang in ihrem Atelier an der Riegeler Brauerei präsentierte.

Zum ersten Mal seit 20 Jahren öffneten Michèle und Peter Zimmermann ihr Atelier an der Leopoldstraße. Michèle Zimmermann stellte den Zyklus "Am Fluss" aus – großformatige Gemälde, Eisenskulpturen und eine Installation mit Fragmenten aus der Alten Elz. Eindrucksvoll waren auch die großformatigen, stählernen Werke von Peter Zimmermann.

Abgerundet wurden die Künstlertage durch die Miró-Ausstellung der Kunsthalle Messmer sowie die "Lyrics Open" in der Kumedi. Die Ausstellung "Geist der Maschine" in der Maschinenhalle der Brauerei bestreiten neben Keller auch Carmen Gukelberger, Karl-Heinz Thiel und Katharina Hirt (die BZ berichtete).

"Wir waren alle positiv überrascht, dass die Besucher gezielt kamen. Und dabei hatte jeder von uns sein ganz besonderes Publikum", zog Norman Hothum im Namen der Künstlergemeinschaft im BZ-Gespräch Bilanz. Auch wirtschaftlich hätten die Künstlertage im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser abgeschlossen. So gab es Einladungen zu Ausstellungen oder konkrete Aufträge. An dem Konzept, Gastkünstler einzuladen oder besondere Programmpunkte anzubieten, wolle man auch in Zukunft festhalten, so Hothum.

Mehr Fotos von den Künstlertagen unter http://mehr.bz/riekunst16

Autor: Christiane Franz