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20. Mai 2016

"Man sieht etwas, weil das Gehirn etwas sehen will"

Farbenfrohe Acrylgemälde und schwarz-weiße Tuschezeichnungen von Anna-Katharina Rintelen in Riegeler "Kunstwelten im Engel".

  1. Anna-Katharina Rintelen zeigt Bilder und Zeichnungen in Riegel. Foto: Franz

RIEGEL. In Cordula Böhles Atelier "Kunstwelten im Engel" wurde die Ausstellung von Anna-Katharina Rintelen "Bilder und Zeichnungen" eröffnet. Zu sehen sind Acryl-/Pastellbilder und Tuschezeichnungen, die den Blick des Betrachters in besonderer Weise zu führen vermögen. Die Vernissage wurde musikalisch von Robert Sägesser und Christine Krönauer umrahmt, die mit kleinen Dudelsäcken Musik aus der Renaissance spielten.

Auf den ersten Blick wirken Anna-Katharina Rintelens großformatige Acrylbilder rein abstrakt. Vertieft man sich jedoch in die Betrachtung, so entsteht aus dem scheinbaren Farbenchaos vor dem Auge eine Form: Zumeist ist eine Landschaft erkennbar, die sich im Wasser spiegelt. Oder eine regennasse Straße, in der sich die umliegende Architektur spiegelt wie in "Vollmond2" aus dem Zyklus "Schwarzmalerei". "Ich habe das Dazwischen-Sehen gelernt. Man sieht etwas, weil das Gehirn etwas sehen will", bezeichnet die Künstlerin ihre heutige Arbeitsweise.

Früher habe sie fotografisch gemalt, was sie später dann nicht mehr zufriedengestellt habe, sagt Rintelen. Die Schweizerin, die in Basel an der Freien Kunstakademie studierte, heute in Freiburg lebt und dort ein Atelier mit Malschule betreibt, sieht in der Acrylfarbe (in Kombination mit Pastellfarben) das Material, das ihrem Schaffen entgegenkommt. Denn die Acrylfarbe erlaubt es, in mehreren Schichten zu arbeiten, die dann vielleicht auch wieder abblättern und Möglichkeiten für neue Gestaltung bieten.

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"Mich fasziniert der Moment des Zufalls, der trotzdem Kennen und Können voraussetzt", so die Künstlerin und fährt fort: "Mich fasziniert es, nicht zu wissen, wann das Bild fertig ist. Ich lasse mich treiben und das Bild oder die Zeichnung entsteht." In ihrer Einführung betonte Cordula Böhle die "Leichtigkeit und Luftigkeit" der Bilder, die sie an Monets Seerosenbilder erinnern. "Anna Katharina Rintelen malt das Nicht-Sichtbare, einen wässrigen Zustand, eine Empfindung am Weiher", so Böhle.

Bei den gezeigten Zeichnungen überwiegt das Konkrete. Aus einem nur scheinbaren Liniengewirr entstehen klar umrissenen Szenen, Landschaften oder Gesichter. Ihre Motive sind Tiere wie spielende Hunde, Katzen und Vögel. Mit wenigen feinen Strichen entsteht beispielsweise eine zarte Landschaft auf einem Hügel, kräftige Tuschelinien bilden dagegen die Tannen des Schwarzwaldes ab. Oder ein ausdrucksvolles, die Zeichnung beherrschendes Kindergesicht blickt umgeben von weiteren Linien vom Bildrand in die Ferne.

Info: Die Ausstellung von Anna-Katharina Rintelen ist noch bis zum 12. Juni in den Kunstwelten zum Engel zu sehen, jeweils Samstag und Sonntag von 15-18 Uhr. Im August wird die Künstlerin gemeinsam mit Heike Gohres in Bahlingen beim Kunstverein "Kunst im Alten Spritzenhaus" ausstellen.

Autor: Christiane Franz