BZ-Interview

Muse stand für Picasso Modell – Ausstellung in Riegel

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mi, 21. Juni 2017 um 19:01 Uhr

Riegel

Lydia Corbett hat Pablo Picasso inspiriert. Als 19-Jährige stand sie für den Künstler Modell. Nun kommt sie zur Ausstellungseröffnung nach Riegel. Wie war das damals?

Von Samstag an zeigt die Kunsthalle Messmer die Ausstellung "Picasso und die Frauen". Zur Geschichte der Frauen im Leben und in den Bildern des Ausnahmekünstlers gehört auch die dreimonatige Episode mit der 19-jährigen Sylvette David in Vallauris. Die junge Frau mit dem hohen Pferdeschwanz inspirierte Pablo Picasso im Frühjahr 1953 zu der weltberühmten, mehr als 50 Werke umfassenden Porträtserie "Sylvette", die sie zur Stilikone machte. Aber Sylvette kreierte auch ihre eigene Geschichte als Künstlerin. Michael Haberer sprach mit Sylvette, die heute Lydia Corbett heißt und zur Vernissage nach Riegel kommen wird.

BZ: Frau Corbett, wie erlebten Sie die drei Monate mit Pablo Picasso?

Corbett: Es war ein Märchen, von dem ich nicht erwartet hätte, dass gerade ich es erleben darf. Ich fühlte mich wie Mona Lisa, weil der berühmte Picasso mich überhaupt angeschaut hat. Es war wunderbar, von seinen schwarzen Augen betrachtet zu werden. Aber er sah mich an wie ein Vater, mit Liebe und Fürsorge, und gab mir die Überzeugung, dass ich selbst kreativ sein könnte. Ich denke mit Zärtlichkeit und Dankbarkeit an ihn zurück. Jung und Alt haben vieles gemeinsam. Die Alten vermitteln den Jungen Wissen und Überzeugung; die Jungen geben Stärke und Lebenskraft.

BZ: Sie zeichnet ja auch ein Lebenslauf als Künstlerin aus. Was ist das Besondere an Ihrer Kunst?

Corbett: Ich male seit meiner frühesten Jugend. Ich betrachtete die Ölbilder, die meine Mutter malte, und ging mit dem Zeichenstift raus auf die Felsen unserer Insel. Als ich acht Jahre alt war, nahm ich besonders den Künstler Wols wahr. Eigentlich hieß er Alfred Otto Wolfgang Schulze, ein deutsch-französischen Fotograf, Maler und Grafiker, der ein großartiger Maler wurde. Ich liebte es, wie er endlose Muster kreierte. Da mein Vater eine Galerie in Paris hatte, bekam ich auch viel von Bernhard Buffet mit. Aus diesen Eindrücken machte ich meinen eigenen Stil. Ich benutzte Stift und Wasserfarben. Meine Arbeitsweise änderte sich im Laufe meines Lebens. Heute male ich in Öl. Immer wichtiger werden dabei meine Erinnerungen. Aber die Freude am Experimentieren ist noch immer da.

BZ:Wie und wo leben Sie heute?

Corbett: Ich lebe in Devon, nahe bei meinen Kindern Isabel und Laurence. Ich liebe es, mit meinen Enkeln zusammen zu sein, mit ihnen zu malen und Essen zu gehen. Ich habe acht Enkel im Alter von fünf bis 25 Jahren. Ich bin immer beschäftigt. Ich habe zusammen mit meiner Tochter meine Biografie mit dem Titel "I was Sylvette" geschrieben und wir präsentieren sie im ganzen Land. Zusammen mit einem Freund stelle ich meinen eigenen Catalogue raisonné, ein besonderes Werkverzeichnis, zusammen. Ich freue mich, die Menschen in Riegel kennen zu lernen. Ich liebe es, zusammen mit meinen Kindern ab und zu auf Reisen in die Welt zu gehen.

Lydia Corbett, geboren in Paris, lebt in South Brent, einem Ort kleiner als Riegel, in der südenglischen Grafschaft Devon.