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21. Oktober 2011

Noch viele weiße Flecken auf der antiken Stadtkarte

Christian Dreier stellt Forschungen zum Riegel der Römerzeit vor.

  1. Autor Christian Dreier erläutert die von ihm rekonstruierte Forumsbasilika

RIEGEL. Riegel war in der Römerzeit der Hauptort eines Stammesterritoriums am südlichen Oberrhein. Das ist eine Behauptung, der die Fachwelt nicht einhellig zustimmt. "Aber das Fragezeichen wird kleiner", erklärte Christian Dreier am Mittwochabend im Rathaus Riegel. Da stellte er seine nun gedruckte Arbeit "Forumsbasilika und Topographie der römischen Siedlung von Riegel am Kaiserstuhl" vor. Das in der Reihe der Materialhefte des Landesdenkmalamtes veröffentlichte Werk ist weitgehend seine Dissertation. Sie dokumentiert zum einen die bis 1999 bekannten Fundstellen aus der Antike und entwirft zum anderen ein Bild von der Forumsbasilika, die 1997 ausgegraben worden ist.

Die Basilika und das Forum, die im Zuge einer Notgrabung zum Vorschein kamen, sind wesentliche Argumente dafür, dass Riegel im zweiten Jahrhundert mehr war, als ein großes Römerlager an strategisch günstigem Ort. Die Basilika war eine große repräsentative Halle, in der man Geschäfte machte oder Gericht hielt. Claus Wolf von der Denkmalpflege in Stuttgart sprach von Riegel als einer römischen Stadt mit monumentalen öffentlichen Bauten. Mit der Entdeckung solcher Bauten war die Idee vom "Freiburg der Römerzeit" geboren.

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Von solchen Bauten bleibt in der Archäologie oft nur die Dokumentation übrig. Denn nach der Grabung, in der die Grundrisse freigelegt und Fundstücke gesammelt werden, entsteht auf der Fläche oft ein modernes Gebäude. Deshalb sei die Reihe der "Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg" so wertvoll, meinte Claus, als er Bürgermeister Markus Jablonski ein Exemplar überreichte. Jablonski hatte die Gäste gleich im historischen "Oberzentrum" am Kaiserstuhl begrüßt. Er hob hervor, wie vorbildlich sich Dreier als Mitarbeiter der Denkmalpflege und später der Gemeinde für die Aufarbeitung der römischen Vergangenheit engagierte. Dreier sei es zu verdanken, dass sich Riegel durch den archäologischen Rundweg und das Museum öffentlichkeitswirksam darstellen könne.

Dreier, der inzwischen Konservator am Pôle Archéologie Préventive in Metz ist, gab das Lob erst einmal weiter. Er erinnerte an die Vorarbeiten der verstorbenen Archäologin Mechthild Michels und an die Notgrabung, als 1997 das Weingut Breisacher an der Hauptstraße baute und auf die Schnelle die Spuren von Basilika und Forum gesichert werden mussten. Er bedauerte, dass in Riegel trotz seiner Bedeutung für die Denkmalpflege fast nur Baugruben-Archäologie betrieben werde. Trotz des archäologischen Stadtkatasters, das die Fundstellen dokumentiert und einen Eindruck vom antiken Riegel gibt, bestünden noch viele "weiße Flecken" auf der antiken Stadtkarte, so Dreier. "Vieles harrt noch der Entdeckung", meinte auch Claus. Dreier wünschte sich, dass weiter geforscht werde und Riegel zumindest archäologisch nicht wieder in einen Dornröschenschlaf falle. Er machte auch gleich eine Vorgabe. Er stellte die Hypothese auf, dass die steinerne Basilika eine hölzerne Vorgängerin hatte. Das würde bedeuten, dass Riegel bereits im ersten Jahrhundert eine zentrale Rolle in der Civitas zwischen den heutigen Städten Offenburg und Lörrach spielte.

Möglicherweise muss man auch über die Namensherkunft neu nachdenken. Bernhard Cämmerer, früher Konservator am Badischen Landesmuseum, wies am Rande der Veranstaltung auf die Existenz einer weiteren Regola hin: So heißt ein Stadtteil von Rom. Dieser Name leitet sich nicht von regola (Verwaltungsbezirk), sondern von renula ab – ein Wort für den feinen Tibersand gab dem Stadtteil am Fluss seinen Namen. Jetzt darf spekuliert werden.

Autor: Michael Haberer