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07. Juni 2010 15:53 Uhr

Souveräner Favoritensieg beim "Rigolator"

Riegel: 200 Triathleten trotzen der Hitze

Zum dritten Mal verwandelte sich Riegel und Umgebung am Sonntag in einen Triathlon-Parcours und auch in diesem Jahr forderte der "Rigolator" seinen Startern wieder alles ab.

  1. Der Startschuss ist gefallen, der Müllersee kocht. Foto: David Seitz

10.30 Uhr: Die ersten Starter treffen am Müllersee ein. 25 Grad trotz Wolken – es wird ein heißer Tag werden. Ein letztes Mal warmlaufen, die Wassertermperatur testen, über die Strecke fachsimpeln – jeder geht anders mit der Situation vor dem Start um. Die 25-jährige Elena Schilde blickt nachdenklich auf den See. Es ist ihr erster Triathlon. Gleich wird sich zeigen ob sich das Training gelohnt hat. Reinhold Wolter macht es sich derweil auf einer Bank gemütlich. Kein Grund zur Nervosität. Wolter ist ein alter Hase in Sachen Triathlon und hat bereits Medaillen bei Weltmeisterschaften gesammelt. Trotzdem hat er keine Ambitionen auf einen vorderen Platz. "Meine Altersklasse werde ich sowieso gewinnen", sagt er und lacht – mit 74 Jahren ist er der Älteste im Feld. Auch Hansjörg Seckinger (51) flachst vor dem Start. Seine Angstdisziplin kommt gleich zu Beginn: "Ich bin froh wenn ich nicht absauf’, meine Stärke ist das Radfahren." Er will ankommen, Spaß haben. So wie die meisten der fast 200 Starterinnen und Starter auch. Gewertet wird getrennt nach "Profis" und "Jedermännern".

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11.15 Uhr: Endlich löst sich die Anspannung, Muskeln zucken und das 21 Grad warme Wasser schlägt den Triathleten entgegen. Eine weiße Spur zieht sich durch den See, die Favoriten kraulen vorne weg und reißen schnell eine Lücke.

11.20 Uhr: Mit einem Schnitt von sechs Stundenkilometern hat Jonathan Zipf die Schwimmstrecke bewältigt und sprintet seinem Fahrrad entgegen. Eine überragende Leistung auf der Schwimmstrecke bringt den Brogginger, Junioren-Vizeweltmeister des Jahres 2005, in Führung. Zipf hatte sich erst am Abend zuvor überraschend noch angemeldet. Für viele ist er der große Favorit, seine Führung also keine Überraschung. Vorjahressieger Maurice Clavel ist zu diesem Zeitpunkt noch in Schlagdistanz. Im großen Pulk hat Elena Schilde mit muskulösen Männern um sie herum zu kämpfen. "Die haben einen immer wieder runter gedrückt", sagt sie später. Aber nach knapp siebeneinhalb Minuten hat auch sie es gepackt.

Raus aus dem T-Shirt und Hose über den Badeanzug, ab aufs Fahrrad. Die Strecke Richtung Endingen nutzen manche zum Regenerieren, andere greifen hier voll an. Hans-Jörg Seckinger ist in seinem Element. Er rollt das Feld von hinten auf, das Schwimmen hat Plätze gekostet. Ein kurzer Anstieg, den die Organisatoren neu in die Strecke eingebaut haben, wird für viele Fahrer zur Mammutaufgabe – runterschalten, nur nicht "blau gehen".

11.49 Uhr: Jonathan Zipf scheint nicht zu schlagen. 39 Minuten für 25 Kilometer Radfahren – diese Marke unterbietet nur der für den TV Riegel startende Wyhler Radsportler Maik Müller. Er liefert sich mit David Hinze einen spannenden Kampf um Platz zwei. Mittlerweile hat sich auch die Sonne durch die Wolken gekämpft. Sonntagswetter für die Zuschauer – eine echte Belastungsprobe für die Triathleten. Bei 31 Grad läuft der Schweiß in Strömen, doch wer es bis hierhin geschafft hat gibt nicht mehr auf. Reinhold Wolter liegt nach der Radstrecke auf dem erwarteten letzten Platz, doch beim abschließenden 5000-Meter-Lauf lässt er noch einen Läufer hinter sich. Derweil nimmt im Ziel schon ein anderer die Glückwünsche entgegen.

Der souveräne Sieger jubelt ganz bescheiden

12.17 Uhr: Jubel brandet auf im Zielbereich: Jonathan Zipf stürmt mit einem riesigen Vorsprung von fast drei Minuten ins Ziel und reckt ganz bescheiden die Arme in die Höhe. Maik Müller fehlen am Ende elf Sekunden zu Rang zwei. Der Sprecher feuert die Läufer noch einmal an, die Zuschauer sehen packende Zielsprints.

Knapp eine Stunde nach dem Sieger ist dann auch der letzte Triathlet im Ziel. Noch immer drängen sich die Sportler um den Versorgungsstand, stärken sich mit Wassermelone und Getränken. "Das war die Hölle, Triathlon ist einfach mit keiner anderen Sportart vergleichbar" schnauft Hans-Jörg Seckinger – und strahlt. Elena Schilde genießt zufrieden das Treiben im Zielbereich: "Nächstes Jahr bin ich wieder dabei." Reinhold Wolter zieht ein paar Meter weiter sein graues Piratenkopftuch aus, das ihn gleich 10 Jahre jünger macht: "Ich bin immer wieder stolz auf mich, dass ich noch diese Leistung bringen kann." Der Triathlon-Oldie lobt die abwechslungsreiche Strecke, auch den Anstieg. Organisator Markus Gerber hat den giftigen Hügel bewusst gewählt: "Da sollte sich das Feld wieder etwas auseinander ziehen". Entspannt erledigt er letzte Vorbereitungen für die Siegerehrung. Alles lief glatt. Auch Bürgermeister Markus Jablonski strahlt im roten Rigolator-Shirt: "Ich bin begeistert, es war stimmig von Anfang bis Ende."

Noch lange ist der Zielbereich voll mit nassgeschwitzten Männern und Frauen. Während des Rennens Konkurrenten wirken sie am Ende wie eine große Gemeinschaft – die Bezwinger des Rigolators.

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Autor: David Seitz