"Die RKG ist mein Verein"

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 12. Oktober 2018

Ringen

Der Moldawier Ion Vasilachi ringt seine dritte Saison in Freiburg – und hat hier noch einiges vor.

RINGEN. Ion Vasilachi sagt: In der Republik Moldau, die allgemeinsprachlich auch unter Moldawien bekannt ist, gebe es ein Sprichwort, nach dem ein Mann in seinem Leben auf alle Fälle vier Dinge tun muss – einen Baum pflanzen und einen Brunnen bauen (womit vielleicht schon hinreichend erklärt ist, dass das Land vor allem von der Landwirtschaft lebt und der damit verbundenen Industrie lebt), ein Haus bauen und Kinder zeugen. Der Sport Ringen kommt in dem Sprichwort nicht vor; auch wenn er im Leben des jungen Mannes eine gewichtige Rolle spielt. Denn Ion Vasilachi, der Moldawier mit rumänischem Pass, kämpft seine dritte Saison für die RKG Freiburg in der Bundesliga. "Er entwickelt sich immer mehr zum Publikumsliebling. Er entwickelt sich immer besser", sagt Trainer Luigi Tascillo über den Freistil-Spezialisten, der in den Klassen bis 80 und 80 Kilo kämpft und der sich auch im klassischen Stil sehr gut zurechtfindet.

Nun ja, Ion Vasilachi ist erst 25 Jahre alt, und die Hälfte der Sprichwort-Liste hat er bereits abgearbeitet, sprich beim Brunnenbau geholfen und auch schon Bäume gepflanzt. Die andere Hälfte will er auch noch angehen, "aber ich habe ja noch etwas Zeit", sagt er – und lächelt schelmisch. Weil er in diesem Jahr geheiratet hat und weil der Hausbau im Freiburger Umland für die allermeisten Menschen unerschwinglich bleibt, ist fast damit zu rechnen, dass das mit den Kindern die Nummer drei auf seiner Liste wird, die das Sprichwort vorgibt.

Irgendwie ist der junge Mann aber auch schon an der Nummer vier dran, denn er arbeitet bei einer Firma in seinem Wohnort Heitersheim, die sich auf Tief- und Straßenbau spezialisiert hat. Und wer sich mit Tiefbau befasst, dem ist auch zuzutrauen, dass er für seine Familie mal ein Haus baut. Mit 25 hat man schließlich noch Träume – auch in Freiburg und dem Markgräflerland.

Beim Verein einfach so hereingeschneit

Verantwortlich dafür, dass Ion Vasilachi in Freiburg ringt, ist im Grunde der Ringerverband Moldawiens. Er schickte seine Talente 2012 zu einem Lehrgang nach Freiburg. Dem Sportler gefiel es in der Breisgaumetropole so gut, dass er sich sagte: Hier will ich einmal leben. Gesagt, getan. Zumindest fast. "Zwei Jahre lang suchte ich von Moldawien aus vergeblich nach Arbeit in Deutschland", sagt Ion Vasilachi.

Dann sei 2014 ein Bandscheibenvorfall gekommen, die Ärzte in seiner Heimat hätten ihm geraten, mit dem Ringen aufzuhören. Und Ion Vasilachi wurde bewusst, dass er nicht viel mehr als den Sport hatte und "ich mein Leben ändern muss". Schließlich gelang es ihm, Arbeit in Deutschland zu finden, er verließ sein 3000-Einwohner-Heimatstädtchen Moldova Sagaidae – und kam wieder nach Südbaden und zuerst auch wieder nach Freiburg.

In einem Sport, in dem die Vereine in Deutschland immer auf der Suche sind nach talentierten ausländischen Sportlern für die Mannschaftssaison, schneite Ion Vasilachi bei der RKG Freiburg einfach mal so rein. "Im Spätherbst 2015 bin ich mal ins Training gegangen, wurde herzlich aufgenommen, sofort zur Weihnachtsfeier eingeladen. Inzwischen ist die RKG so etwas wie eine Familie für mich", sagt der 25-Jährige.

Das will etwas heißen im Ringen, in dem deutsche Vereine in vielen der meist osteuropäischen Sportler nur preiswerte Punktesammler sehen. Ion Vasilachi erklärt, er sei "dem Verein sehr dankbar dafür, wie er mich aufgenommen und bei der Arbeitssuche unterstützt hat." Auch deshalb habe er Angebote anderer Klubs abgelehnt – und wolle das weiterhin tun. "Die RKG ist mein Verein", sagt er.

Vielleicht bleibt sie das für Ion Vasilachi sogar so lange, bis auch die zwei noch offenen Sprichwort-Anforderungen in die Tat umgesetzt wurden.

RKG-Trainer Luigi Tascillo behält sich vor, sein Team für den letzten Bundesliga-Vorrundenkampf an diesem Freitag (20.30 Uhr/Festhalle St. Georgen) gegen den südbadischen Rivalen Urloffen "auf ein, zwei Positionen zu verändern, um die Siegchancen gegen den Tabellendritten zu erhöhen". Genaues verrät er nicht. Außerdem behauptet er, die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben, für den verletzten Petru Craciun den Italiener Givi Davidovi in der Klasse bis 57 Kilo einzusetzen, der in seinem Land die WM-Vorbereitungslehrgänge mitmachte.