Plattform für die junge Garde

Hannes Selz

Von Hannes Selz

Do, 30. August 2018

Ringen

RINGER-REGIONALLIGIST IM 12-PUNKTE-CHECK:Der TuS Adelhausen II geht nach dem Meistertitel zurückhaltend in die neue Saison.

RINGEN. Am Ende der vergangenen Saison feierte der Unterbau des Bundesligisten TuS Adelhausen in der Regionalliga den Meistertitel. Für die neue Runde heißt das Ziel zunächst: Klassenerhalt.

1. Wie ist die Lage?
Zweimal Meister, dreimal Zweiter: Die Bilanz der letzten fünf Jahre ist schwer steigerbar. "Wir wollen unseren jungen Ringern auch in Zukunft eine Plattform bieten, sich auf dem hohen Niveau Regionalliga zu zeigen", betont Florian Philipp, der mit Bernd Reichenbach neben der ersten nun auch die zweite Mannschaft betreut – der bisherige Reservecoach Thomas Weber will, auch aus beruflichen Gründen, kürzertreten. Da die trainingsfleißigen und jungen Ringer vermehrt zum Zug kommen sollen, habe der Ligaerhalt höchste Priorität.
2. Kommen & Gehen
Der TuS kann aus einem großen Pool an Ringern schöpfen, es gab weder Zu- noch Abgänge. Die Adelhauser Reserve bleibt eng mit dem Bundesligateam verzahnt. "Jeder muss sich darauf einstellen, in einer für ihn ungewohnten Liga, Gewichts- und Stilklasse zu ringen", betont Philipp.
3. Was ist neu?
Ab dieser Saison gibt es in der Bundesliga ein neues Punktesystem. Das hat Auswirkungen auf die Reserve, denn Eigengewächse wie Felix Krafft oder Kevin Kähny in der Eliteklasse einzusetzen, lohnt sich – sie bringen dort Spielraum, mehr Top-Ringer einsetzen zu können. Vereinsintern hat sich vor allem auf höchster Ebene etwas getan. Nachdem Vorstand Aribert Gerbode kürzertreten wollte, machten die beiden Trainer sich für den angepeilten Umbruch stark. Unter anderem ist Timo Zimmermann nun Vorstand Ringen.
4. Die Trainer
Philipp/Reichenbach ticken ähnlich. "Wir haben das gleiche Herz, sind beide total erfolgsorientiert", sagt Reichenbach, 56, der sich als "ein klein wenig verrückt und besessen" beschreibt, wenn es um Ringen geht. Der Außendienstmitarbeiter einer Brauerei beschreibt den TuS als großes Boot, "in das sich unsere Ringer reinsetzen sollen. Sie müssen zu 100 Prozent hinter dem Verein stehen". Der 32-jährige Zollbeamte Philipp stimmt zu: "Wir brauchen charakterstarke Athleten, die ihre persönlichen Interessen auch mal hinten anstellen, wenn es um die Mannschaft und den Verein geht."
5. Positionskämpfe?
"Wir können taktisch gut reagieren", sagt Philipp im Hinblick auf die verschiedenen Gewichts- und Stilklassen. "Wir waren schon mal unflexibler aufgestellt."
6. Infrastruktur
Die Dinkelberghalle ist ein Schmuckkästchen. "Ich denke, man muss weit laufen, um eine solche Infrastruktur vorzufinden", hebt Philipp hervor. Sauna, Kraftraum, Mattenräume – an besten Trainingsmöglichkeiten mangelt es in Adelhausen nicht.
7. Welcher Ringer fällt auf?
Voll des Lobes ist das Trainerduo, wenn es um den erst 15-jährigen Leonard Zavarin geht: "Er ist sehr eifrig", lobt Philipp das TuS-Talent. "Er wird seine Einsätze bekommen", ergänzt Reichenbach.
8. Befreundeter Club?
Der TuS trainiert donnerstags und freitags gemeinsam mit dem Oberligisten KSV Rheinfelden. "Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen allgemein sollte verstärkt werden. Nicht das Ego des Vereins, sondern der einzelne Sportler, der dadurch genug Trainingspartner bekommt, sollte im Vordergrund stehen", betont Reichenbach.
9. Das Training?
Die Vorbereitung auf die Saison seit Februar war umfangreich: Viermal die Woche Training auf der Matte. Hinzu kamen Krafttraining und Ausdauerläufe.
10. Döner am Kampftag?
"Ich habe einmal erlebt, wie ein Spitzenringer zwei Stunden vor dem Wettkampf einen Döner verdrückt und gewonnen hat", erzählt Philipp. "Wer bei uns so etwas am Wettkampftag isst, bekommt von mir aber eine an die Backe." Die beiden Trainer fordern, auch was die Ernährung angeht, von ihren Ringern höchste Disziplin. "Die Zuschauer und Sponsoren zahlen schließlich Geld dafür, dass die Ringer im Wettkampf Leistung bringen", begründet Reichenbach.
11. Prognose in Phrasen-Kurzform
Tiefstapeln und hoch gewinnen: Auch in dieser Saison wird es beim TuS Adelhausen nicht gegen den Abstieg gehen.
12. Und sonst?
In der Vorbereitung, kein Witz, verirrte sich vor Jahren ein Adelhauser Ringer im Wald beim Joggen. Die gute Nachricht: Am Brombacher Bahnhof fand man ihn. Und: Dieses Jahr fanden alle den Heimweg.

Auftakt: 8. September, RKG Reilingen-Hockenheim (H).