Quadratisch, praktisch, gut

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 21. September 2018

Ringen

Deutscher Mannschaftsmeister und MMA-Kämpfer: Ringer Virgil Munteanu hebt das Niveau beim Bundesligisten RG Hausen-Zell.

RINGEN Bundesliga: RG Hausen-Zell – KV Riegelsberg, Samstag, 19.30 Uhr. Bei der RG Hausen-Zell sind sie zufrieden mit dem Saisonstart. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga steht vor dem dritten Kampf gegen den KV Riegelsberg ein Punkt auf der Habenseite. Helfen, die Bilanz auszubauen, soll der kleinste Griffkünstler im Team: das rumänische Kraftpaket Virgil Munteanu.

Die hierzulande populären Geschichten von Jim Knopf sind Virgil Munteanu kein Begriff. Dabei gibt es darin einen Protagonisten, der den rumänischen Spitzenringer hervorragend beschreibt. Nur in umgekehrter Weise. Herr Tur Tur, der Scheinriese, ist in Michael Endes Kinderroman eine der sympathischsten Figuren. Vor ihm fürchtet sich auf den ersten Blick jeder. Denn aus der Ferne erscheint der einsame Herr wie ein furchteinflößender Riese. Erst wenn man ihm näher kommt, erscheint er als harmloser alter, weiser und liebenswerter Mann. Die Moral: Man sollte nicht verfrüht urteilen.

Eine Lehre, die bereits unzählige Ringer schmerzhaft machen mussten, nach dem sie Munteanu auf der Matte begegnet waren. Sie hatten das kleine Kraftpaket aus dem rumänischen Drobeta Turnu Severin unterschätzt und waren dafür bestraft worden. Der Olympiateilnehmer von 2008 misst kaum 1,50 Meter. "Klein, robust, kompakt", schwärmt RG Hausen-Zell Trainer Adrian Recorean über seinen Top-Neuzugang, um scherzhaft anzufügen: "Er ist wirklich klein." Was den zwischen Rumänien und dem Wiesental pendelnden Griffkünstler nicht daran hindert, zur internationalen Weltspitze zu gehören. "Von dem, was ich bis jetzt von ihm gesehen habe, wird er in seiner Klasse wohl keinen Kampf verlieren", vermutet Recorean.

Munteanu ist pfeilschnell, verfügt über eine starke Bodenarbeit und agiert auch im Stehen äußerst sicher. Bis zu zehn Einheiten die Woche schiebt der Nationalmannschafts-Athlet, der neben dem Ringen auch in der MMA-Szene aktiv ist und, wie in You-Tube-Videos zu sehen, dabei reichlich Biss offenbart: Sein MMA-Kampfname: "The Atomic Midget". Der gelernte Sportlehrer kann bei der RG bis zur 61-Kilogramm-Klasse zum Einsatz kommen. Er sticht unter den starken Neuzugängen des Bundesliga-Aufsteigers Stand jetzt trotz eines Ivan Guidea noch etwas heraus. In den ersten beiden Kämpfen gegen den ASV Hüttigweiler und die RKG Freiburg 2000 holte der griechisch-römisch-Spezialist gleich vier respektive drei Punkte. Sieben Punkte fürs Team sind aktuell Höchstwert. Schon früh ist er ein Punktegarant im Wiesental.

Dass ein derartiger Spitzenathlet bei der RG ringt, hat wenig überraschend mit Landsmann Recorean zu tun. Beide verbindet eine lange Freundschaft, sie kennen sich aus Nationalmannschaftszeiten, zwar schlafen und leben dort griechisch-römisch und Freistil-Athleten in unterschiedlichen Hoteltrakten. Munteanu hinterließ beim RG-Coach aber bleibenden Eindruck. Nicht nur sportlich: "Mit ihm kann man sehr viel Spaß haben", sagt der RG-Freistil-Trainer schmunzelnd.

"Die Olympischen Spiele sind immer noch mein Ziel."

Neben Recorean und Munteanu sind in Guidea und Daniel Rares Chintoan zwei weitere rumänische Nationalringer, allesamt olympiaerfahren, zum Aufsteiger gewechselt. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt der 30-jährige Munteanu auch. Seit 2011 ringt er in Deutschland. In Weingarten, Köllerbach, beim TuS Adelhausen und Burghausen hat er bereits Spuren hinterlassen. Zuletzt feierte er mit dem SV Burghausen die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

Überhaupt hat der flinke Ringer, der einst über seine beiden Brüder zum Mattensport kam, einiges vorzuweisen. EM-Bronze 2008 hat er geholt, bei Olympia wurde er im selben Jahr Zehnter, 2009 kämpfte er sich bei der Weltmeisterschaft auf einen starken fünften Platz vor. Alles etwas länger her bereits, aber Munteanu will es noch immer wissen: "Olympia ist immer noch mein Ziel", betont er in einem Mix aus Deutsch, Rumänisch und Englisch. Was realistisch erscheint: Munteanu ist gut drauf, gewann diesen Sommer drei internationale Master-Turniere. Vor zwei Wochen im Training fiel er bei der RG allerdings derart auf zwei seiner Finger, das man vermutete, sie seien gebrochen. "Eine Schrecksekunde", wie Freund Recorean sagt. Doch es stellte sich heraus, dass nur eine Sehne gerissen war. Zur Sicherheit flog Munteanu dieser Tage trotzdem nochmal in die Heimat, um Extraeinheiten beim Physio der Nationalmannschaft zu schieben. Am heutigen Freitag geht der Flieger zurück in die neue Heimat im Wiesental, wo er mit den anderen rumänischen Ringern in einer WG wohnt. Er wird gerade rechtzeitig zum Kampf gegen den KV Riegelsberg eintreffen und das ist von Vorteil für die Hausen-Zeller, denn es ist ein wichtiges Duell im Ringen um einen Nichtabstiegsplatz. Die Gäste sind bis dato noch ohne Punkt. Munteanu, der Scheinzwerg, soll dafür sorgen, dass das so bleibt.