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25. Januar 2012 12:13 Uhr
Unlauterer Wettbewerb?
Ringer kämpfen nicht nur auf der Matte
Wegen angeblich illegaler Arbeitsverträge zwischen zahlreichen Klubs der Ringer-Bundesliga und ihren Sportlern könnten einige Prozesse auf mehrere Vereine zukommen.
Die Ringer-Bundesliga ist eine eigenartige Sache, in vielerlei Hinsicht. Da kämpfen Einzelsportler in einer Mannschaft, da werden oft ausländische Ringer zu den Kämpfen ein- und am nächsten Tag wieder ausgeflogen, und da gibt es zahlreiche Vereine, die lieber absteigen als in der ersten Liga ringen – weil sie sich finanziell überfordert sehen. Zudem gibt es das Mannschaftsringen in exzessiver Art – der deutsche Meister und der Vizemeister bestreiten 22 Kämpfe pro Saison – nur in Deutschland.
Und nun auch noch das: Wegen angeblich illegaler Arbeitsverträge zwischen zahlreichen Klubs und ihren Sportlern könnten einige Prozesse auf mehrere Vereine zukommen. Stefan Heinlein, stellvertretender Vorsitzender des bayrischen Erstligisten AC Lichtenfels, schreckte die Szene bei der Bundesliga-Tagung am Wochenende in Darmstadt auf, in der neben den Erst- auch die Zweitligisten vertreten waren. "Es gibt unlauteren Wettbewerb in großem Stil. Das sehe ich nicht mehr ein. Ich möchte Fairplay im Ringen", sagte Heinlein. Der stellvertretende Vorsitzende beim ACL erklärte, er habe beglaubigte Gespräche mit Ringern und weitere Unterlagen in seinem Besitz. Aus diesen Dokumenten gehe hervor, dass zahlreiche Vereine gegen das Gesetz verstoßen.
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Konkret geht es vor allem um den Amateurstatus, unter dem 64 Prozent der Ringer in der ersten und zweiten Bundesliga antreten. Dieser verschleiert nach Ansicht Heinleins Schwarzgeld-Zahlungen. "Ein Amateur darf 2100 Euro im Jahr verdienen. Ich weiß aber von Ringern, die 700 Euro pro Kampf erhalten. Bei 18 Kämpfen pro Jahr sind das sicher keine 2100 Euro", erklärte Heinlein – und ergänzte: "Wir in Lichtenfels arbeiten sauber und melden unser Athleten an. Andere tun dies nicht, wenn sie Amateure melden und keine Abgaben und Sozialleistungen zahlen."
Die Spitze des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) sieht dem Vorhaben Heinleins mit Wohlwollen entgegen. "Es gibt Vereine, die sich zumindest am Rande der Legalität bewegen. Offensichtlich gehen die Verantwortlichen dort blauäugig zu Werke. "Wenn 70 Prozent als Amateure angemeldet werden, die nur Aufwandsentschädigungen erhalten, so ist dies unglaubwürdig", sagte DRB-Präsident Manfred Werner.
Beim TuS Adelhausen, dem einzigen Ringer-Erstligisten aus Südbaden, scheint man ein ruhiges Gewissen zu haben. "Bei uns läuft alles korrekt ab. Wir hatten vergangene Saison für 25 Ringer Lizenzen beim DRB beantragt, darunter waren nur vier Amateure", sagt der Vorsitzende Michael Tilly. Bei der RKG Freiburg, vergangene Saison neben Meister SV Triberg und der RG Hausen-Zell einziger Ringer-Zweitligist aus Südbaden, ist man auch nicht beunruhigt. "Bei uns ist jeder Athlet Amateur und erhält eine Aufwandsentschädigung. Und ausländische Athleten gehen einer Arbeit nach und zahlen Abgaben sowie Sozialleistungen", sagt der Sportliche Leiter Lothar Kaltenbach.
Autor: sid
