Ringsheim / Freiburg

Freiburger Firma baut Windtunnel in Ringsheim

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 13. Februar 2014 um 15:01 Uhr

Ringsheim

Freiburger Investoren wollen im Ringsheimer Gewerbegebiet Leimenfeld II einen sogenannten vertikalen Windtunnel bauen. Damit werden einmal Menschen ohne Hilfsmittel fliegen können.

In Deutschland gibt es eine vergleichbare Anlage bisher nur in Bottrop. Für das Projekt wurde eigens die Windwerk GmbH gegründet. Die Gesellschaft will sechs Millionen Euro investieren.

Seit zwei Jahren laufen die Gespräche zwischen Torsten Hils und Helmut Lang-Dahlke von Windwerk und der Gemeinde Ringsheim. "Jetzt ist das Projekt in trockenen Tüchern", erklärte Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa am Donnerstagmorgen bei der Vorstellung in seinem Dienstzimmer.

Mit dem Windtunnel werde Ringsheim in der Region ein Alleinstellungsmerkmal bekommen, mit dem sich die Gemeinde neben den Europa-Park-Besuchern eine ganz neue Gruppe an Freizeit-Touristen erschließen könne, so Dixa.

An die 35.000 Besucher erwarten die Investoren pro Jahr. "Das wird den Tourismus beleben und dynamisieren und birgt für Ringsheim die Chance, den Standort Leimenfeld II weiter zu entwickeln", erklärte Dixa. Auf dem etwa sechs Hektar großen Areal westlich der Autobahn und südlich von Tankstelle und Spielcenter setzt die Gemeinde auf Investoren aus dem Beherbergungsbereich und der Eventgastronomie. Dixa: "Es bestehen schon Kontakte zu einigen Investoren aus der Branche. Mit dem Windtunnel-Projekt erwarten wir hier neue Impulse und neues Interesse".

Ringsheim setzt auf Investoren aus der Hotelbranche

Die neue Sport- und Freizeitanlage soll auf einem 2600 Quadratmetern großen Gelände südlich angrenzend an die Spielhalle an der Autobahnanschlussstelle Ringsheim/Rust entstehen. Herzstück des Gebäudekomplexes wird ein 30 Meter hohes Technikgebäude sein, wovon etwa sieben Meter unter Straßenniveau liegen werden.

Darin befindet sich die aufwendige Technik mit vier Windturbinen mit einer Leistung von jeweils rund 400 Kilowattstunden, die aus einer Höhe von etwa 14 Metern einen Luftstrom in Richtung Kellergeschoss erzeugen. Dort werden die Ströme zu einem Luftstrom gebündelt, der in einem Luftkanal nach oben in die eigentliche Flugkammer für die fliegenden Menschen geleitet wird.

Die Flugkammer aus Glas hat einen Durchmesser von 4,3 Metern und eine Höhe von mehr als 13 Metern und ist von den Besuchern von allen Seiten einzusehen.

In der Flugkammer werden einmal Windgeschwindigkeiten bis zu 290 Stundenkilometern erreicht. "Der Freifall-Simulator vermittelt in etwa das Gefühl eines Fallschirmsprunges aus 4000 Metern Höhe", erklärte Helmut Lang-Dahlke, der in Freiburg in der Fallschirmspringerszene aktiv ist. Die Gesamtanlage und Technik sei baugleich eines gerade in Prag eröffneten Super-Skylife. Die gesamte Technik werde auch von einer tschechischen Firma geliefert.

Das Gefühl vom freien Fall erleben

Als Zielgruppe sehen die Investoren Einsteiger und Profis aus allen Bereichen des Fallschirmsports. "Bei uns wird man trainieren können auch ohne aufwändige und teure Sprünge aus dem Flugzeug", sagt Torsten Hils, Geschäftsführer von Windwerk. Außerdem sehen die Investoren die Anlage als Ausbildungseinrichtung für Polizei und Militär. Und schließlich zähle das Fliegen im Windkanal zu den aufsteigenden Trendsportarten. "Im Windtunnel werden Menschen ab vier Jahren das Gefühl vom freien Fall erleben können. Neulinge und Einsteiger werden natürlich erfahrene Trainer und Betreuer zur Seite gestellt", sagt Lang-Dahlke. Für Einsteiger und Sporttouristen werden zwei simulierte Sprünge von jeweils einer Minute Dauer einmal um die 50 Euro kosten.

Statt Freiburg nun der Standort Ringsheim

Ringsheim sehen Lang-Dahlke und Hils als idealen Standort. "Das Projekt ist bei uns schon länger in der Pipeline. Zunächst war für uns auch Freiburg erste Wahl, doch die Stadt hat uns mehr als zwei Jahre hingehalten. Dann tat sich die Alternative Ringsheim auf, und mit Bürgermeister Heinrich Dixa als Partner ging es dann flott voran", erklärte Lang-Dahlke.

Das Areal sei sowohl per Auto als auch per Bahn hervorragend erschlossen. Hils: "Ringsheim ist ein idealer Standort für Sportler und Touristen aus dem gesamten süddeutschen Raum, der Schweiz und Frankreich. Fallschirmspringen ist vor allem in Frankreich sehr populär. Und im Umkreis von 400 Kilometern gibt es keine vergleichbare Anlage".

Derweil müssen auch in Ringsheim noch einige planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Beispielsweise muss der aktuelle Bebauungsplan geändert werden, der auf Leimenfeld II bislang nur eine Gebäudehöhe von maximal 10,50 Meter zulässt. Das Technikgebäude, dem ein Betriebsgebäude mit Aufenthaltsräumen und Gastronomie angedockt sein wird, wird einmal 23 Meter aus dem Boden ragen und eine neue Landmarke in der Rheinebene setzen. Außerdem muss noch die Lärmbelastung untersucht werden. Der Veranstalter spricht von maximal 60 Dezibel bei einem Betrieb zwischen 9 und 22 Uhr.
Windwerk Windtunnel

Standort: Ringsheim, Gewerbegebiet Leimenfeld II, südlich Tankstelle/Spielhalle an der Autobahn
Gebäude: Technikgebäude (30x10 Meter) 23 Meter Höhe über Grund. Betriebsgebäude (20x10 Meter) 10 Meter Höhe.
Flugkammer: Aus Glas mit einem Durchmesser von 4,3 Metern und einer Höhe von 13 Metern.
Investitionskosten: Sechs Millionen Euro.
Investor: Windwerk GmbH
Baubeginn: Frühjahr 2014
Fertigstellung: Frühjahr 2015