Bahn-Unfall und Unwetter blockieren Heimreise

Hunderte Europa-Park-Besucher stranden in Ringsheim

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Fr, 21. Juni 2013 um 13:45 Uhr

Ringsheim

Die Kahlenberghalle wurde für Stunden zum Notquartier für Europa-Park-Besuchern. Auslöser war ein Bahn-Unfall, der den Bahnverkehr lahmlegte. Hunderte saßen am Bahnhof just zu dem Zeitpunkt fest als ein Gewitter niederging.

Die Kahlenberghalle wurde am Donnerstagabend für Stunden zum Notquartier für Hunderte meist jugendliche Europa-Park-Besucher aus Südbaden und dem Elsass. Auslöser war ein Unfall auf der Rheintalstrecke kurz nach 18 Uhr, der den Bahnverkehr in beide Richtungen lahmlegte. Die Jugendlichen saßen auf dem Bahnhof just zu dem Zeitpunkt fest als über Ringsheim ein Gewitter mit Sturmböen niederging. Die Rettungskräfte organisierten die Unterbringung und Versorgung in der Sporthalle. Erst nach 22 Uhr entspannte sich die Lage. Busse und Züge fuhren wieder.

Es ist halb Acht am Donnerstagabend. Hunderte von jungen Leute kauern auf dem grauen Hallenboden der Kahlenberghalle, der Geräuschpegel ist hoch. Die Szenerie gleicht einem Happening oder Jugendlager. Selbst die sich wiederholende Aufforderung über die Hallensprecheranlage, sich doch am langen Tisch vor der Sprecherkabine registrieren zu lassen, damit niemand verloren gehe, wie die Stimme sagt, wird von den Jugendlichen ohne Murren befolgt. "Sag’ denen, sie sollen mal ein bisschen Musik einspielen," ruft einer seinem Kumpel, der sich auf den Weg zum Tisch macht, hinterher. Man gibt sich cool und entspannt.

In Einsatzwagen und Bussen in die Sporthalle evakuiert

Eine Stunde zuvor sah das noch anders aus. Da standen sie zu Hunderten auf dem Ringsheimer Bahnhof. Tausende Gymnasiasten aus Südbaden hatten wegen des mündlichen Abiturs an ihren Schulen schulfrei und nutzten den Tag für einen Europa-Park-Besuch. Von Ringsheim aus sollte es am Abend per Bahn in Richtung Heimat weitergehen. Doch die Züge kamen nicht. Nach einem Unfall nahe dem Orschweierer Bahnhof gegen 18 Uhr ging auf der Rheintalschiene für Stunden nichts mehr. Die jungen Leute saßen auf dem Bahnhof fest, als das eintrat, wovor die Wetterfrösche gewarnt hatten: Über der Ortenau ging ein heftiges Unwetter nieder.

Auch über Ringsheim braute sich gegen 19 Uhr ein Gewitter zusammen – und entlud sich. Hunderte suchten vor Wind und Regen Schutz in der Bahnhofsgaststätte, in der Gleisunterführung, in Garagen, manche klingelten einfach an nahegelegenen Häusern Sturm, suchten eine trockene Bleibe – und wurden dort nicht nur mit einem Dach überm Kopf versorgt.

Die alarmierte Feuerwehr Ringsheim fackelte nicht lange. "Wir mussten den vielen Leuten irgendwo einen trockenen Platz besorgen. Da lag es nahe, sie in die Kahlenberghalle zu bringen", erklärte Volker Kern, Sprecher der Ringsheimer Feuerwehr. In der Sporthalle absolvierte der TuS Ringsheim gerade eine Trainingseinheit, den Schlüssel zur Halle brauchte es deshalb nicht. Mit Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, des DRK und dem Kleinbus eines ortsansässigen Busunternehmers wurden die Jugendlichen vom Bahnhof zur Sporthalle gebracht. Feuerwehr und DRK agierten umsichtig. Blaulicht ja, aber keine Sirene. Kern: "Wir wollten vermeiden, dass Panik ausbricht". Auch Ringsheimer Privatleute aus der Bahnhofnachbarschaft stellten ihre Dienste als Chauffeur zur Verfügung. Einige Jugendliche erreichten auch zu Fuß und völlig durchnässt die Halle.

Dort hatten die Rettungskräfte flugs unter Leitung des Lahrer Kreisbrandmeisters Thomas Happersberger eine Einsatzzentrale errichtet. Später stieß auch der Chef des Lahrer Polizeireviers Martin Oberle dazu. Zur Unterstützung der Ringsheimer Feuerwehr waren die Kollegen aus Ettenheim vor Ort, das technische Hilfswerk leistete Unterstützung wie das DRK, das vorsorglich vor der Halle ein Notfallzelt mit 20 Behandlungsplätzen errichtet hatte. Auch der Europa-Park war inzwischen über die Lage informiert, schickte Helfer und sorgte neben den Leuten aus der Nachbarschaft vor allem für Erfrischungen für die in der Kahlenberghalle Gestrandeten.

Dort agieren die Rettungskräfte routiniert. Über die Hallenlautsprecheranlage werden beinahe im Viertelstundentakt Informationen über die aktuelle Lage und die Pläne der Bahn, wie die Weiterfahrt organisiert werden soll, informiert. Und immer wieder schallt die Aufforderung an die Ausharrenden durch die Halle, sich am Meldetisch der Einsatzleitung erfassen zu lassen. "Wir hatten die Lage gut im Griff. Unfälle auf der Strecke gibt es leider immer wieder. Was die Situation hier vor Ort zuspitzte, waren die Massen, die aus dem Europa-Park kamen und vom Ringsheimer Bahnhof aus die weitere Heimreise antreten wollten und das plötzlich einsetzende Unwetter", wird Thomas Happersberger später in einer improvisierten Pressekonferenz sagen.

Kurz vor 22 Uhr gibt es die ersten klaren Informationen, wie die Heimfahrt für die rund 800 in Ringsheim Gestrandeten weiter gehen wird. Die Bahn hat inzwischen die Strecke wieder freigegeben und stellt am Bahnhof Ringsheim zwei Regionalzüge nach Süden und Norden bereit. Außerdem ist ein Busersatzverkehr organisiert. Der Europa-Park chartert ebenfalls einen Bus, der 50 Jugendliche zurück in den Bodenseeraum fährt. Einige wurden auch in Europa-Park-Hotels untergebracht. Gegen 22.30 Uhr leert sich die Kahlenberghalle.

Viel Lob für die Einsatzkräfte vor Ort

Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa, der für zwei Tage in Lauchringen am Hochrhein auf einer Tagung weilt und vor Ort durch seinen Stellvertreter Konrad Broßmer vertreten und ständig informiert war, lobte am Freitag am Telefon gegenüber der BZ die schnelle und gute Arbeit der Einsatzkräfte und die Unterstützung der Ringsheimer Bevölkerung. Er hielt aber auch nicht mit seiner Dauerkritik an der Bahn hinterm Berg, die über Jahre schon sich einem Ausbau des Ringsheimer Bahnhofs mit Toiletten und Überdachungen am Bahnsteig verweigere. Erst im Februar habe es ein Treffen mit Bahnmitarbeitern gegeben. Geschehen war einmal mehr nichts.

Auch der Europa-Park reagiert am Tag danach. Parkchef Roland Mack dankt den Einsatzkräften und lädt die rund 150 ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehren Ringsheim und Ettenheim, dem DRK und dem Technischen Hilfswerk zu einem Europa-Park-Besuch ein.

Weitere Infos und Fotos zum Einsatz auf http://www.badische-zeitung.de