Risikoinvestment für die Zukunft

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mi, 08. August 2018

Leichtathletik (regional)

Weitspringer Christopher Ullmann sammelt bei der Europameisterschaft in Berlin trotz Qualifikations-Aus wichtige Erfahrung.

LEICHTATHLETIK (zok). Rotes Dress der Schweizer Nationalmannschaft, rote Sohlen – farblich schien bei Christopher Ullmann alles aufeinander abgestimmt. Am Ende seines Auftritts bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin war es des Roten aber dann doch zu viel. Dreimal lief der Weitspringer, der auch für den ESV Weil startet, im Olympiastadion an, katapultierte sich beim Absprung in die Luft, und jedes Mal ging die rote Fahne in die Höhe. Ungültig. Alle drei Versuche. Jedes Mal hatte der 24-Jährige den Balken übertreten. So führte ihn das EM-Klassement auf dem 30. und somit letzten Rang. Die Entscheidung am Brett sei knapp gewesen, berichtet Ullmann. Und, so der Eindruck der Schweizer Verantwortlichen, es hätte wohl für einen der zwölf Finalplätze – den letzten sicherte sich der Albaner Izmir Smajlaj mit 7,71 Meter – gereicht. Doch Ullmann hadert nicht, "ungültig ist ungültig", sagt er.

Bei seinem ersten Auftritt an einem Großereignis wie einer Europameisterschaft war Ullmann volles Risiko gegangen. Diese Strategie entsprang keineswegs der forschen Unerfahrenheit eines EM-Neulings. Ullmann hatte seine Konkurrenz im Vorfeld studiert, "in solch einem Feld mit solch einer Leistungsdichte muss man von Anfang an Risiko gehen". Die meisten Teilnehmer seien regelmäßig zwischen 7,80 und 8,00 Metern gesprungen, eine klare Vorgabe für den EM-Novizen. Ein Sicherheitssprung, der womöglich 7,60 Meter erzielt hätte, hätte nichts gebracht, sagt Ullmann. Anders wäre es gewesen, hätte er in diesem Jahr beispielsweise 8,30 Meter übertroffen – in der Relation hätte ihn ein Sicherheitssprung wohl auf ein sicheres Finallevel gebracht. "Doch die Voraussetzungen waren andere", sagt Ullmann, dessen Saisonbestleistung von 7,78 Metern ihm im Juli den dritten Schweizer Meistertitel in Serie beschert hatten.

Für sein Risiko wurde Ullmann in Berlin nicht belohnt. Doch allein seine Teilnahme an einem solchen Ereignis kann sich einmal auszahlen. "Ich bin froh, dass ich das mitnehmen konnte", betont Ullmann, "es war eine wertvolle und positive Erfahrung." Sei es das Prozedere an einer EM, sich nicht nur 40 Minuten, sondern eineinhalb Stunden auf einen Wettkampf vorzubereiten. Sei es, dass "man in der Qualifikation von Anfang an abliefern muss". All das sind Mosaiksteine, "wenn man an einem internationalem Großereignis gewisse Routine erlangen will". Ullmann hat sein großes Ziel vor Augen: die Olympischen Spiele in Tokio, für 2020 will er weiter Erfahrungswerte sammeln. Um dann auch wieder im Schweizer Dress anzutreten. Ganz in Rot.