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16. Juli 2012

Riskantes Überholmanöver in der Dunkelheit

Autofahrer zwingt entgegenkommendes Auto zum Ausweichen und prallt gegen Lastwagen / Geldstrafe und Führerscheinentzug.

TITISEE-NEUSTADT (zwi). "Wie aus dem Nichts" sei ihm plötzlich ein Auto entgegengekommen, sagte der Angeklagte vor Gericht. An einem Novembermorgen im vergangenen Jahr war der 55-jährige Vertriebsleiter gerade dabei, auf der B  315 zwischen Lenzkirch und Titisee einen Laster zu überholen, der etwa Tempo 50 gefahren sein soll. Er habe seinen 180 PS starken Wagen nicht ruckartig nach rechts gezogen, sondern sich quasi an den Lkw "angelehnt". Dabei traf der rechte Vorderreifen des Turbodiesels auf den linken Vorderreifen des Lastwagens, der durch diese Kollision platzte. Den entgegenkommenden Mercedes habe er "nicht berührt", betonte der Angeklagte.

Das bestätigte der 42-jährige Mercedesfahrer. Als er erkannte, dass der andere den Überholvorgang fortsetzte, sei er mit etwa 90 Stundenkilometern ausgewichen auf die abfallende Böschung. An seinem Auto entstand kein Schaden.

Der Sachschaden am Lkw wurde mit 2500 bis 3000 Euro beziffert, ebenso hoch der Schaden am Auto des Angeklagten. Der Sachverständige zeigte eine Videosimulation, die er aufgrund der Angaben der Polizei und der Unfallbeteiligten erstellt hatte. Er kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte den Überholvorgang vor dem Scheitelpunkt der Kurve begonnen haben musste, was dieser bestritt. Laut Gutachter hatte der Unfallverursacher etwa 150 Meter Sicht, er hätte aber bei seinem Tempo 338 Meter Sichtweite gebraucht. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft gab zu bedenken, dass die Sicht in der Dunkelheit kurz vor 7 Uhr morgens bei Abblendlicht noch wesentlich geringer gewesen sei. "Wenn ich ein Licht gesehen hätte, hätt’ ich nicht überholt", hatte der Angeklagte mehrfach beteuert – er sei ja schließlich "kein Selbstmörder".

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Der Anklagevertreter bejahte die Frage, ob sich der Angeklagte "grob verkehrswidrig und rücksichtslos" verhalten hatte. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs forderte er eine Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen à 80 Euro und ein Fahrverbot für weitere fünf Monate. Die Verteidigerin sagte, ihr Mandant habe einen Fahrfehler begangen, sich aber "nicht grob verkehrswidrig" verhalten und "keine konkrete Gefahr für Menschen" verursacht. Sie forderte Freispruch. Eine konkrete Gefährdung habe es sehr wohl gegeben, widersprach Richterin Charlotte Sartorius. Auch habe der Unfallverursacher grob verkehrswidrig gehandelt, weil er die Strecke beim Überholen nicht einsehen konnte. Rücksichtslosigkeit habe sie jedoch nicht erkannt, weshalb sie den Angeklagten zu 250 Euro Geldbuße und einem Monat Fahrverbot verurteilte. Seinen Führerschein, den er mehr als drei Monate los war, erhielt der 55-Jährige sofort zurück.

Autor: zwi