Solidarität

Risse: Montagsdemos sollen Politiker aufrütteln

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Di, 16. März 2010 um 14:29 Uhr

Staufen

Montagsdemo – durch die Wiedervereinigung ist was Wort in die deutsche Geschichte eingegangen. Nun gibt es Montagsdemos auch in Staufen. Sie sollen die Situation der Rissegeschädigten aufmerksam machen und die Landespolitik aufrütteln.

Ruhig schlafen kann mittlerweile kein Rissegeschädigter mehr in Staufen. Zur latenten Gefahr bröckelnder Mauern kommt die finanzielle Misere. Solidarität, Zusammenhalt, Unterstützung lauten so auch die Vokabeln derer, die sich ihr Engagement für die Stadt und die Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.

Dazu gehört Wolfgang Schuhmann mit seiner Initiative "Wir halten Staufen zusammen". Sein jüngstes Projekt: Die Montagskundgebungen, zu denen jeweils am dritten Montag des Monats Breisgauer Landtagsabgeordnete über alle Fraktionen hinweg eingeladen sind. Den Auftakt machte Anfang dieser Woche Bärbl Mielich, Abgeordnete der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Baden-Württemberg. Als nächster Gastredner hat Christoph Bayer (SPD) für den 19. April zugesagt und Gundolf Fleischer (CDU) ist für den 17. Mai vorgesehen.

Mielich: "Ministerpräsident Mappus muss her"

Als Bärbl Mielich in Begleitung ihres Gatten eintrifft, ist noch nicht viel los auf dem Marktplatz. Ein kaltes Lüftchen pfeift Wolfgang Schuhmann im Schein züngelnder Fackeln sowie Bürgermeister Michael Benitz entgegen, außerdem einem "kleinen Häufchen" interessierter Bürger, darunter auch einige Stadträte. "Fangen wir eben klein an, so wie die Risse vor zwei Jahren", konstatiert Schuhmann zuversichtlich zur Begrüßung der Gäste und fügt hinzu, "unsere Gedanken kreisen um die Existenz und die Zukunft". "Ich bin mir sicher, dass es deutlich mehr werden", tröstet Mielich. Im Übrigen sei es gut, dass Staufen zusammenhalte, damit die Ängste und Nöte Gehör finden. Das Land könne sich nicht wegducken, und tue dies auch nicht. Damit spricht Mielich die vier Millionen Euro an, die Staufen allen Fraktionen gemeinsam zu verdanken habe. "Das ist jedoch viel zu wenig, nur ein Tropfen auf den heißen Stein".

Interaktive Karte: Risse in Staufen


Es müsse mehr Geld vom Land fließen, findet Mielich und beklagt eine mangelnde Bündelung der Kräfte, wenn ein Parkhaus am Feldberg so großzügig profitiere. Was nun für Staufen folgen müsse, so Mielich: "Ministerpräsident Mappus muss her – was Mappus sagt, zählt". Die Zusagen seines Vorgängers Oettinger in Ehren, doch gehe es jetzt darum von Mappus die Zusagen zu bekommen, die der Stadt in der Vergangenheit bereits gemacht worden seien. Dazu stehe sie mitsamt der Fraktion und dafür werde sie sich weiter einsetzen, versprach Mielich.

Bürgermeister Michael Benitz dankte für ihre motivierenden Worte und betonte, dass mittlerweile allen klar sei: "Nur wenn wir die Interessen partnerschaftlich bündeln, gelten wir auch als ernstzunehmende Verhandlungspartner". Und zwar möglichst außerhalb von Gerichten, wie Benitz betont, weshalb er eine Schlichtungsordnung ankündigte.

Benötigt werden 900.000 Euro für weitere Erkundungen

Die vier Millionen des Landes seien ein gutes Zeichen, das Land habe deutliche Signale gesetzt, doch brauche und erwarte Staufen deutlich mehr Hilfe, damit die finanzielle Dramatik nicht dazu zwinge, kommunalen Aufgaben zu vernachlässigen. 900.000 Euro werden jetzt dringend für die weiteren Erkundungen benötigt. Segensreich sei Schuhmanns Initiative, deren Spendenbemühungen überdies in einen Topf mit der "Stiftung zum Erhalt der Staufener Altstadt" fließen. Ministerpräsident Mappus sei eingeladen, so Benitz, trotzdem müsse jetzt schon über einen "Plan B" nachgedacht werden, die Gefahr sei nicht gebannt.

"Es gibt immer einen Weg", diesen Trost in Form einer Liedzeile gaben die Musiker der Tanzklangoase der Versammlung abschließend mit auf den Heimweg.

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