The National

ROCK: Exzessiver Rock ’n’ Roll

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mi, 13. September 2017

Rock & Pop

Interessiert, aber auch leicht skeptisch hinterließ einen der kühl groovende Rock-Song "The System Only Dreams In Total Darkness", mit dem The National ihre neue Platte bewarben. Schließlich war es gerade die bisweilen schmerzhaft eindringlich transportierte Schwermut gewesen, die aus fünf kauzigen Typen eine der beliebtesten Alternative-Bands des 21. Jahrhunderts gemacht hatte. Wie beruhigend, dass die New Yorker ihr siebtes Album mit einer dieser Piano-Balladen einläuten, bei der einem die Luft wegbleibt: "Nobody Else Will Be There" zeigt Matt Berninger textlich und stimmlich von seiner fragilsten Seite. Als vertrauensstiftend entpuppt sich auch "Day I Die", ein typischer Vertreter der gegenüberliegenden, von inbrünstigem Getrommel geprägten Seite des The National-Universums. Die Angst vor dem Fremden ist unterdessen überwunden. Vielmehr freut man sich in der Folge über noch nie Dagewesenes wie beispielsweise den Deep-House-Beat, der "Empire Line" zugrunde liegt – oder auch "Turtleneck": So exzessiv dem Rock ’n’ Roll frönend, hat man The National noch nie erlebt.

The National: Sleep Well Beast (4AD).