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09. August 2010

Alpha Blondy beim African-Music-Festival in Emmendingen

Zur 10. Ausgabe des African-Music-Festivals in Emmendingen ist es Raphael Kofi und seinem Team gelungen, Alpha Blondy zu verpflichten – ein absoluter Glücksgriff, wie sich erwies.

  1. Seydou Koné alias Alpha Blondy Foto: Patrik Müller

Mit reichlich Verspätung erscheint Blondy auf dem Schlossplatz – es ist wohl eine der kleinsten Festivalbühnen, die der 57-Jährige im Laufe seiner Erfolgsjahre erklommen hat. Doch das stört den Ivorer nicht: Im Laufe seines knapp 90-minütigen Sets legt er einen Einsatz an den Tag, als stünde er vor den Massen im Pariser Zénith. Mitgebracht hat er auch die große Besetzung: Sein "Solar System", das ihn seit vielen Jahren begleitet, schwört das spannungsgeladene Publikum auf den Sound ein. Tatsächlich hat die Band genauso viele Mitglieder wie das Sonnensystem Planeten – zwei Keyboarder, Drums und Bass, ein dreifacher besetzter Bläsersatz und eine Doppelbesetzung in den Gitarren, die sich zwischen Rhythmusgebung und Soloarbeit abwechseln. Dazu tritt Cathy Renoir als kraftvolle, soulige Backgroundsängerin auf. Rockig und zupackend ist das Intro, bevor der Protagonist sich a cappella von hinten auf die Bretter mogelt. Mit grünem Shirt, lila Lederjacke und tief ins Gesicht gezogener Kappe stimmt er einen seiner größten Hits, "Jerusalem", an, die druckvolle, dreisprachige Vision religiöser Versöhnung. Es ist zwar nicht mehr der geschmeidig-nasale Tenor von einst, doch Alpha Blondys Stimme klingt immer noch beeindruckend: Wie eine warme Posaune mutet sie an, die in aggressiveren Passagen löwenhaft aufbraust. Und fit ist der Mann: Immer wieder posiert er herausfordernd auf der Monitorbox, reckt den Menschen auf dem Schlossplatz die Hände entgegen, peitscht seine Musiker mit vehementem Hüpfen an. Und untermalt so die fast immer engagierten Lyrics seiner Songs, die er aus seinem 30-jährigen Repertoire herauspickt, von der Band atem- und pausenlos miteinander verknüpft: Da ist das verzweifelte "Guerre Civile" über den Bürgerkrieg in seiner Heimat, die er über alles liebt, wie er auch in "Ne Tirez Pas Sur L’Ambulance" verrät, im Publikum werden dazu ivorische Fahnen geschwenkt. Und im vielleicht intensivsten Moment des Konzerts, "Politiqui", untermalt er mit rasenden, wütenden Gesten, was er von den Würdenträgern hält. Da muss man kein Dioula verstehen. Doch Bondy geht auf Nummer sicher: In der einzigen direkten Ansprache fordert er auf Englisch von seinem "Bruder" Obama, er möge als erster Präsident den Krieg abschaffen, denn dieser sei "illegal" – ein wirksames Intro in die Nummer "Peace In Liberia", die längst zu einem Appell zu weltweitem Frieden umfunktioniert wurde. Doch natürlich gibt es an diesem Sommerabend auch ausgelassene Party-Songs: "Sweet Fanta Dialo", sein Dankeschön an eine Krankenschwester, die ihn einst aufpäppelte, und natürlich seine Erkennungsmelodie früher Tage, der sonnige "Cocody Rock", den überraschend viele junge Zuhörer mitsingen – immerhin stammt die Nummer von 1984. Alpha Blondy macht bei alledem keine stilistischen Mätzchen: Ausufernde Dub-Exkursionen sind nicht sein Ding, er bleibt beim straighten Roots Reggae mit dem pumpend-souveränen Unterbau seines korpulenten Tieftonmannes Abou Bass und den kurzen, aber sehr effektiven Rockgitarreneinlagen von Micky Sène und Djul Lacharme, angeheizt durch die pointierten Hörner.

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Und doch kennt dieser Stil wenig Grenzen: Gegen Ende der Show stimmt er "Wish You Were Here" an. Die Pink Floyd-Ballade wird zur Uptempo-Hymne. Blondy bedankt sich, auch auf Deutsch, schüttelt Hände, und als Finalnummer gibt es seinen ersten Hit, den packenden "Brigadier Sabadi". Ein fulminanter Höhepunkt in dieser Jubiläumsausgabe des Emmendinger Festivals.

Autor: Stefan Franzen