CD-Kritik

Annie Lennox: Auch ein Weltstar kann nicht alles

Peter Disch

Von Peter Disch

Mi, 22. Oktober 2014

Rock & Pop

Was machen Sänger und Sängerinnen, wenn sie mit Pop und Rock durch sind? Sie wenden sich dem Great American Songbook und den Jazz Standards zu. Auch Annie Lennox, einst mit den
Eurythmics und solo sehr erfolgreich, geht nun diesen Weg. Das Problem dabei: Von manchen Klassikern gibt es bereits Versionen, die alle weiteren überflüssig machen. Gegen Ray Charles’ Inbrunst ("Georgia on My Mind"), Billie Holidays trotzig-stolze Anklage ("Strange Fruit") oder das Feeling von "Summertime" (wahlweise Ella Fitzgerald & Louis Armstrong oder Janis Joplin) kommt selbst eine Weltklassesängerin wie sie nicht an. Lennox’ Stimme ist warm, versöhnlich, voller Glanz und großer Gesten – alles unbestrittene Qualitäten, die bei diesen Songs aber nicht zum Tragen kommen. Besser passt ihre Art zu singen zu "God Bless The Child" – hier ein jubilierender Gospel – oder schwelgerischen Liebesliedern wie "September in the Rain" oder "The Nearness of You". Die Überraschung kommt dann zum Schluss. "Mood Indigio" klingt auch als nostalgisch swingender Edel-Blues mit Pauken und Trompeten hervorragend.

Annie Lennox: Nostalgia (Island)