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28. November 2011

Lörrach

Camille O'Sullivan im Burghof: Zwischen Leidenschaft und Verzweiflung

Der Auftritt der Sängerin Camille O’Sullivan im Lörracher Burghof pendelte emotional zwischen Extremen.

  1. Mit maximaler Intensität sang Camille O’Sullivan die Songs. Foto: Mink

Camille O’Sullivan ist mehr als eine Sängerin. Sie ist eine Entertainerin, die mit ihren Songs auf der Bühne lebt, die als Furie über die Bühne fegt, wild und gefährlich, die kriecht und sich wälzt, und die dann wieder mit entwaffnender Verletzlichkeit Balladen singt, die von Schmerz und Tragik erzählen und von Verzweiflung. Sie ist eine Sängerin, die Songs anderer Künstler zu ihren eigenen macht, die ihre ganze Persönlichkeit in die Interpretationen legt, die das ursprüngliche Material neu formt, manchmal so sehr, dass es eine Weile dauert, bis man den Originalsong erkennt. Die rund 250 Zuhörer, die Camille O’Sullivan am Samstagabend im Lörracher Burghof erlebten, waren überwältigt und begeistert.

Die aus Irland stammende Tochter eines Iren und einer Französin scheint ein Faible zu haben für die wilden, von Zwängen und Biederkeit befreiten 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die "Roaring Twenties". Ein aus der Frühzeit der Tonaufnahme stammender Song ertönte aus dem Off, während Camille O’Sullivan und ihre Band die Bühne betraten, die Sängerin im langen, schwarzen Kleid und mit einem feinen Netzgespinst um den Kopf. Doch schon nach der Ballade zu Beginn wandelte sich die elegante Diva zum Vamp. Das lange Gewand streife sie ab und trug darunter ein kurzes Schwarzes, das sie später gegen ein kurzes Rotes austauschte, die Musik wurde laut und rockig, und während die Band mit einem Tango-Rhythmus nochmal die 20er zurückholte, öffnete Camillie O’Sullivan mit den Zähnen eine Flasche Rotwein, goss sich ein Glas ein, stieg dann von der Bühne und suchte die Nähe zum Publikum, das daraufhin etwas verschreckt schaute, wie sie meinte, doch sie beruhigte: "I’ll try my best behaviour."

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Musikalisch bediente sie sich bei den Werken bedeutender Künstler, und doch klang etwa die fragile Ballade, die sie aus David Bowies "Rock’n’Roll Suicide" machte, als hätte nie ein anderer seine Verzweiflung damit zum Ausdruck gebracht. Auch "All the world is green" von Tom Waits erklang ganz neu, "Amsterdam" von Jacques Brel sang sie a cappella mit englischem Text und wie eine am Boden zerstörte, von allen verlassene Frau am Ende der Nacht. Überbordende Leidenschaft und abgrundtiefe Verzweiflung bildeten die Pole ihres Auftritts, sie pendelte zwischen den Extremen, und tat das mit vollem Einsatz und mitreißender Überzeugungskraft. Als Alternative Pop würde man ihre Musik beschreiben, mit Patti Smith und PJ Harvey wurde sie verglichen. Das stimmt, wenn man noch etwas Edith Piaf hinzugibt. Die Stimme von warmer Ausdruckskraft und dann wieder zerbrechlich und kratzig, aber immer mit maximaler Intensität interpretierte sie Songs von Nick Cave, "Don't think twice it's alright" von Bob Dylan, trieb den verrückten Gesang von Tom Waits in "Misery is the river of the world" noch auf die Spitze, endete mit einer veritablen Rocknummer aus Bowies "Five Years" und "Eclipse" von Pink Floyd. Als Zugabe gab es noch einmal Brel und Cave, bevor Camille O’Sullivan singend durch Publikum davonging.

Autor: tm