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09. November 2009 10:21 Uhr

Konzert

Depeche Mode in Mannheim: Ein übermächtiger Sound

Nach dem jüngsten Album hätte man etwas anderes erwarten können. "Sounds of the Universe" war eine Rückkehr zu den Anfängen von Depeche Mode. Jetzt spielten sie in Mannheim – und glänzten wie in alten Tagen.

  1. Ein Überlebender: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan. Foto: ddp

. Über Ebay, so erzählte Band-Kopf Martin Gore in Interviews, habe er sich Synthesizer-Modelle der 80er besorgt. So fiept, schwirrt und piepst dieses Universum, dass man einen Sound-Gott dahinter vermutet, der detailverliebt ist.

Mit drei Songs vom neuen Album beginnen Depeche Mode auch das Konzert in Mannheim: "In Chains", "Wrong" und "Hole to Feed" . Und es donnert und wummert. Die Briten füllen die ausverkaufte SAP-Arena mit massivem Sound. Wo auf dem Album alle Perkussion elektronisch programmiert ist, bestimmt auf der Bühne Tour-Drummer Christian Eigner die Sache. Nicht dass die Elektronik ganz außen vor wäre: Was der Österreicher spielt, wird durch ein Programm verstärkt und verzerrt. Zusammen mit Eigners überkräftigem Spiel und seinen zwei Basstrommeln gibt das einen unerbittlichen Sound. Live sind Depeche Mode keine Synthi-Pop- sondern eine Rock-Band.

Sie müssen ja auch große Locations füllen: Die Konzerte am Samstag in Mannheim und gestern in Stuttgart gehören zu einer Welttournee, die sie im Sommer durch die Stadien führte. Unterbrochen wurde die kurzfristig, weil Dave Gahan ein Blasentumor entfernt werden musste.

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Der Sänger ist ein Überlebender. Bekanntlich hat er eine fast tödliche Drogensucht hinter sich, angeblich einen Suizidversuch und nun die Krankheit. Doch fit wirkt er. Wie ein Derwisch tanzt er kreiselnd, wie Mick Jagger gockelt er Po-wackelnd, wie Jim Morrison reibt er lasziv an der Mikrostange den Unterleib. Die dunkle Sexyness des Depeche-Mode-Sounds verkörpert er. Und seine Stimme ist immer noch eine mächtige: "Wrong" ist der erste Höhepunkt, "Miles Away" oder "Never Let Me Down Again" sind weitere.

Sie ragen allerdings nicht sehr aus der Song-Folge heraus. Dass Depeche Mode fast alle Stücke auf ihre wesentlichen Bestandteile reduziert haben, die aus dem Rechner kommen oder von den beiden Keyboardern Andrew Fletcher und Peter Gordeno eingespielt werden, macht die Show arg gleichförmig. Die klanglichen Unterschiede und Finessen, die ihre Alben aufweisen, werden eingeebnet.

Martin Gore gibt wie immer auf der Bühne den Gitarristen. Der er eigentlich gar nicht ist, denn er spielt nur kurze Motive, die zu den wiedererkennbaren Merkmalen einiger Songs wie "I Feel You" gehören. Dafür wechselt Gore nach jedem Stück das Instrument und führt eine Sammlung von Halbakustischen vor, die dem Star-Instrumentalisten einer großen Rockband würdig wäre. Optisch passt allerdings eine silberne, sternförmige Gitarre am besten zu seinem silbernen Jackett, seinem breiten silbernen Armband und dem Glitzerstaub auf Gesicht und Armen. Mit zwei sanften Songs, die Gore alleine und nur vom E-Piano begleitet singt – "Precious" und "Dressed in Black" – setzt er immerhin gefühlvolle Akzente in der Show.

Die dann bei den Zugaben endgültig auf den Punkt kommt. Bei "Stripped" kann Dave Gahan es sich sparen, den Refrain zu singen, das Publikum macht es selbst. Das Gemeinschaftsgefühl der Zehntausend in der Arena, von denen viele im Depeche-Mode-Schwarz erschienen sind, manifestiert sich im gemeinsamen Gesang. "Reach out and touch faith" singt Gahan schließlich in "Personal Jesus" – und das donnernde Tribal-Drumming lässt keinen Widerstand mehr zu.

Autor: Thomas Steiner