Die Fährte des Impressionismus

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Mo, 27. Oktober 2014

Rock & Pop

Vor allem die leisen Töne: Das Lucas Heidepriem Trio im Forum Merzhausen.

Sein Solo-Konzert vergangenen Februar war ein zarter Hinweis darauf, dass Lucas Heidepriem es ernst meint mit dem Impressionismus. Der Sohn der verstorbenen Freiburger Piano-Legende Waldi Heidepriem spielt erst seit seinem 34. Lebensjahr Klavier, nachdem er sich krankheitsbedingt von der Posaune verabschieden musste. Zu eigenem Profil freilich hat der inzwischen 53-jährige Sohn jenseits von Sturm und Drang trotzdem gefunden, wie sein vor sechs Jahren eingespieltes Trio-Album beweist.

Mit einem umbesetzten Trio gastierte Lucas Heidepriem nun im Forum Merzhausen, dessen kleiner Saal erstmals ein Jazzkonzert erlebte. Tief über die Tastatur gebeugt schien der Pianist in den Flügel hineinkriechen zu wollen. Sanft ist sein Anschlag, besinnlich klingen seine Balladen, dringlicher seine Kompositionen im mittleren Tempo. Dass das Konzert mit "All Of You", Cole Porters Meisterstück startete, hat mit Heidepriems Sinn für Impressionismus zu tun. Der Pianist bietet quasi eine destillierte Fassung des Klassikers, mit dem einst schon Bill Evans seine impressionistischen Fährten legte. Das Thema ist fast nicht zu hören, ebenso bei John Coltranes "Giant Steps", das Heidepriem nur zum Teil für seine innigen Reflexionen verwendet.

Swingende Geläufigkeit

Dass er überhaupt Standards im Programm hat, zeigt sein Verständnis vom Jazz. Er verbindet die Freiheit des Jazz mit dem Image von klassischer Musik, spielt gern mit versteckten Melodien und deren verborgenen technischen Finessen. Swingende Geläufigkeit und postmodernes Schwelgen in Zitaten sind Lucas Heidepriems Sache nicht.

Darin wird er überzeugend von seinen beiden musikalischen Partnern unterstützt. Johannes Schaedlich, bewährt am Bass, grundiert gründlich, geht auch einmal solistisch in die Vollen. Norbert Pfammatter, der neue Schlagzeuger aus Bern, kehrt nie den Berserker heraus, im Gegenteil: er ist ein Meister der leisen Töne, der hochvirtuos mit Besen und Becken umzugehen versteht. Bei aller musikalischen Konzilianz hätte man sich insgesamt an diesem Abend etwas mehr Gewagtheit gewünscht. Im kammermusikalischen Gewand, zwar leise und respektvoll, verbirgt sich offensichtlich mehr als bloßer Wohlklang.