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06. Februar 2012
Ein Blick in die Zukunft
Innovativ – auf dem Boden der Vergangenheit: Der Saxofonist Joshua Redman und sein Trio im ausverkauften Jazzhaus Freiburg.
Am Anfang stand die Hommage an die Farbe Schwarz, die mächtig beindruckte und die Richtung des Abends vorgab. Mit wuchtigen Improvisationen zersetzte Joshua Redman "Bye Bye Blackbird", jenes schlichte Lied von 1926, das Miles Davis zum Klassiker des modernen Jazz machte. Nicht genug: Von fern winken die Beatles mit "Blackbird", das geschickt integriert wird. Zwei weiteren Standards werden im Lauf des Abends Stempel aufgedrückt, mit eigenwilligen Interpretationen. Den über 350 Aufnahmen des populären Songs "Stardust" wird eine neue – und was für eine! – hinzugefügt. Und "Pent-Up House", dem Hardbop-Klassiker von 1956, wird der nervöse Charakter genommen. Souverän rast der Saxofonist die Skalen ab, um sich in kreativen Interpretationen wiederzufinden. Mit dieser Unbedingtheit im Spiel überzeugte Redman das Publikum bei einem knapp zweistündigen Konzert ohne Pause im Freiburger Jazzhaus ("one of my favourite places"), das aus allen Nähten platzte: Seit Tagen war es ausverkauft.
Verständlich, denn der 43-jährige Joshua Redman, nebenbei Harvard-Absolvent, ist im letzten Jahrzehnt wie ein Urknall über die erstarrte Jazz-Szene hereingebrochen. Nach anfänglichem Free Jazz mit seinem Vater Dewey hat er sein Augenmerk stärker auf Grooves und Sounds gelegt. Geblieben ist sein Image als neuer Traditionalist, an dem er trotz frühen Starruhms eisern weiter feilte. Gewiss ist die Tradition, von der Redman meint, dass sie "mit den heutigen Ausdrucksmitteln wahrgenommen werden" muss, stilsicherer Ausgangspunkt für allerhand gewagte neue Ausdrucksformen. In sein expressives Spiel sind subtile Einflüsse von Rhythm ’n’ Blues und anderer populärer Musik integriert. Ohne halsbrecherische Intervallsprünge geht der Saxofonist konzentriert zu Werke. Die Bewegung vollzieht sich vielfach im Innern, auch wenn verstärkt körperliche Bewegungen unterstützend zum Tragen kommen. Dabei produziert er sich nie als Solist vor der Rhythmusgruppe, wie es ansonsten allzu oft geschieht. Hier agiert ein höchst kommunikatives Trio, das aus fruchtbarem Wechselspiel Inspiration und Kraft bezieht. Gregory Hutchinson, der einst mit seinem spritzigen Spiel die Band von Betty Carter trieb, ist ein Schlagzeuger mit explosivem Drive. In seinem Solo weiß er regelrecht Geschichten zu erzählen. Reuben Rogers, der derzeit der Band von Charles Lloyd harmonischen Halt gibt, ist ein Bassist von überwältigender Präsenz. Er zupft unablässig Ketten von Noten, die sich melodisch verdichten.
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Bezeichnend, dass das Trio meist eigene Stücke spielt. Dabei führt Joshua Redman das reiche Erbe der Jazztradition und der großen Saxofonisten fort auf der Grundlage einer umfassenden Technik. Auf dem Boden der Vergangenheit gelingt ihm auf eindringliche Weise ein innovativer Blick in die Zukunft des Jazz.
Autor: Reiner Kobe
