Ein sehr wohlschmeckender Cocktail

tm

Von tm

Sa, 25. Oktober 2014

Rock & Pop

Die albanische Sängerin Eda Zari mischte im Lörracher Burghof Balkan-Folklore mit Jazz.

Albanische Folklore, Balkanrhythmen und moderner Jazz – was sich wie eine ziemlich wilde Mischung anhört entpuppte sich am Donnerstagabend im Burghof als eine facettenreiche und packende Musik, ein exotischer, aber sehr wohlschmeckender Cocktail. In der Veranstaltungsreihe Contrastnacht, die der Trompeter Sebastian Studnitzky initiiert und die in der Region exklusiv im Lörracher Burghof zu erleben ist, gab es einmal mehr Ungewöhnliches, Neues und Spannendes zu hören und zu sehen. Ging der Blick bisher häufig nach Norden, der sich mit illusteren Bands aus Island als ganz schön heiß herausstellte, war er diesmal in den Südosten Europas gerichtet. Und gab es bisher immer zwei Bands pro Contrastnacht war es diesmal eine, die zwei Sets spielte. Dieses Sextett war jedoch so illuster zusammengestellt, dass sich Vielfalt und Kontraste innerhalb ihres Programms ergaben.

Mystisch, nebulös, eher nordisch anmutend schwebten die Saxophonklänge zum Beginn des Konzerts im Raum, begleitet von flirrender Percussion, bis die Sängerin Eda Zari die Bühne betrat und einstimmte in das klangmalerische Mysterium, das dann mit kräftigen Beats Fahrt aufnahm. Mediterrane und vom Balkan stammende Rhythmen mischten sich in der Folge mit lässig schwebendem Jazz, auch Einflüsse aus Pop- und Tanzmusik spielten hinein. Mit ihrer kräftigen und wandlungsfähigen Stimme prägte Eda Zari das Konzert. Ihr Gesang wie auch der Inhalt ihrer Lieder, die sich um Natur, um Märchen und immer wieder um Liebe und Leidenschaft drehten, verwies mit Deutlichkeit auf ihre albanische Heimat. Weit ausgreifend floss ihr Gesang durch diese feurigen Mischung aus Jazz und Balkan-Folk-Pop, ergreifend und prall von Emotionalität. Sehr berührend gelang ihr ein Stück über ein jüdisches Kind, das seine Mutter im Holocaust verloren hat, das sie fast a-capella sang, nur ganz zurückhaltend von Saxophon und Percussion begleitet. Und dann wieder prägten fröhliche Stücke mit Volksfest-Charakter oder ein Hochzeitslied das Programm.

Die übrigen Musiker setzten indessen ihre Akzente in ganz eigener Couleur. Gert Kapo an den Keyboards sorgte für den musikalischen Unterbau und war zusammen mit dem Tenorsaxophonisten Hayden Chisholm kongenialer Begleiter für die Gesangsstimme. Chisholm machte auch immer wieder durch sehr jazzige Soli auf sich aufmerksam, die unterschiedliche Einflüsse aufnahmen und schöpferisch verarbeiteten. Sebastian Studnitzky glänzte mit schwermütig schwebenden, dann wieder virtuos davoneilenden Soli auf dem Flügelhorn. Prägnante Impulse lieferte Martin Gjakonowski mit seinem sechssaitigen elektrischen Bass, auf dem er auch eindrückliche Soli spielte. An Schlagzeug und Percussion saß der Marokkaner Rhani Krija, der bereits mit Herbie Hancock, Chick Corea oder Sting gearbeitet hat und Ende Juli mit Wolfgang Niedeckens Bap in Schopfheim war und den Eda Zari einen "Weltklasse-Percussionisten" nannte. Das war keineswegs übertrieben, denn Krija faszinierte mit lässigem und ausgefeiltem Spiel und mehrmals mit organisch sich entwickelnden Soli, die packend und spritzig Wirkung entfalteten. Voller Energie und Spielfreude und zugleich auf hohem Niveau begeisterte das Sextett das Publikum im Burghof-Foyer mit einer tollen musikalischen Mixtur. Zur Wirkung trug auch die familiäre Atmosphäre bei, die auch ein Geburtstagsständchen für einen Gast am Beginn des zweiten Sets einschloss.