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06. November 2014

Ein Virtuose, der den Mythos wirken lässt

Al Di Mealo interpretierte die Beatles im Burghof zeitlos, eigenständig und zurückhaltend.

  1. Al Di Meola schafft neue Klanguniversen. Foto: martina David-Wenk

Dass er seinen Wohnsitz nach München verlegt, seine Welttournee mit Paco di Lucia in Deutschland begonnen, er hier eine treue Fangemeinde habe, ist mehr als eine der üblichen Begrüßungsfloskeln zu Beginn des Konzerts: Al Di Meolas Auftritt im Lörracher Burghof ist für seine Fans ein Ereignis. Das Konzert ist nahezu ausverkauft, das Publikum so bunt wie selten sonst. Und dieses Publikum ist mit ihm gereift, doch fasziniert Al Di Meola alle Generationen. Er verzichtet auf alles Beiwerk – lediglich er, seine Gitarre, Klavier, Percussion und Schlagzeug.

Ein sehr puristisches Ambiente, keinerlei Publikumsgeschmuse von der Bühne, wenn man von der Begrüßung zu Beginn einmal absieht. Der Ausnahmegitarrist legt den Fokus auf die Musik, und niemand unter den vielen, vielen Menschen hätte etwas anderes erwartet. Beatles and more heißt das Programm. Beatles als Inspiration von einst und more, für das, was dem Musiker auf seinem Weg sonst noch begegnet ist. Es ist ein biographisches Konzert, nicht nur seinen Anfängen als Beatles-Fan hat er Tribut gezollt, natürlich auch an Paco di Lucia erinnert, dem er selbst Stücke geschrieben hat.

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So viel Beatles war dann da gar nicht. Für Beatles-Nostalgiker hat das Konzert ziemlich wenig Wiedererkennungswert. Meola hat es sich nicht leicht gemacht mit seinen Bearbeitungen. Zum Zurücklehnen sind die Stücke nicht. Sie machen neugierig, anstatt nostalgisch zu beruhigen. Der Gitarrist nimmt einen mit an seine musikalischen Erinnerungsorte. Dass er da den ein oder anderen im Publikum auch antreffen wird, ist voraussehbar, wenn er sich auf die Spuren der Beatles begibt. Mit seinen Interpretationen entstehen neue Klanguniversen, in derselben Urmaterie geboren und doch zu ganz anderen Welten geworden."All my Life – a tribute to the Beatles" heißt übrigens die CD, die, wie kann es anders sein, in den Abbey Road Studios in London aufgenommen hat. Al Di Meola fördert die magischen Momente in den Stücken zutage, zeigt, was sie unsterblich macht. "Being the Benefit of Mr. Kite" ist es eher ein psychodelisches Stück, mit dem er den Reigen eröffnet. Vertrauter sind sicher "Eleanor Rigby" und "She’s leaving home".

Die Beatles-Interpretationen sind erfrischend zeitlos, eigenständig und angenehm zurückhaltend. Der Virtuose vertraut ganz den Stücken, will deren Mythos wirken lassen. Seinen eigenen Mythos als einer der besten Gitarristen nährt er ebenso in seinem übrigen Programm. Denn auch diese Neuinterpretationen der Lennon/McCartney-Stücke sind nur ein Mosaiksteinchen auf seinem Lebensweg. Man könnte von Feuerwerk sprechen, angesichts seines virtuosen Spiels, von seiner atemberaubenden Schnelligkeit und Technik fasziniert erzählen. Doch das wäre nur ein Teil, wenn auch ein ganz wesentlicher des Programms. Die große Faszination an diesem Abend ist die Inszenierung eines Lebens. Wie es dem Künstler gelingt, die Zuhörer an seinem Leben teilhaben zu lassen, ohne viel davon preiszugeben. Deshalb auch die Ovationen im Stehen zum Schluss. Dass da der Synthesizer von Mario Parmisano vielleicht ab und an zu dick aufgetragen hat, Piano gereicht hätte, mag sein, blieb aber in diesem sehr persönlichen Konzert ohne wirkliche Bedeutung.

Für das Album "All my Life-a tribute to the Beatles erhielt Al Di Meola am Ende des Konzerts von seiner Plattenfirma Inakustik aus Ballrechten-Dottingen den Jazzaward verliehen. Bernhard Rössle von Inakustik überreichte dem Gitarristen die der Goldenen Schallplatte entsprechende Ehrung für mehr als 10 000 verkaufte Exemplare. Mehr als zwölf Monate war das Album in den Top Ten der bestverkauften Jazz-Alben im vergangenen Jahr.

Autor: dw