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03. Februar 2014

Burghof

Gefällige Herzensöffner: "The Real Group" begeistert in Lörrach

The Real Group aus Schweden begeisterte im nahezu ausverkauften Lörracher Burghof.

  1. The Real Group beweisen, dass Pop aus Schweden auch jenseits von ABBA funktioniert. Foto: Martina David-Wenk

Schwedische Musik ohne ABBA, das ist wie schwedische Möbel jenseits des berühmten Katalogs. Nicht dass es sie nicht gäbe, doch als schwedischer Interpret gilt es anzusingen gegen ein immenses Repertoire im Kopf der Zuhörer. Und wenn The Real Group aus Schweden dies von vorneherein ausschließt, wie bei ihrem Konzert im nahezu ausverkauften Burghof, ist das ein Versprechen, das auch neugierig macht. Halten sie es durch? Auch noch bei der Zugabe?

Seit 1984 gibt es das schwedische A-cappella-Quintett, schon immer hatten sie es mit dem musikalischen Erbe der 70er-Jahre zu tun. Doch sie sind eben keine musikalischen Nachfahren der erfolgreichsten Grand Prix Sieger, ihre Musik kommt aus dem Jazz, aus dem Pop auch, selbst ein Mozart-Klavierkonzert können sie stimmlich interpretieren. Doch der Jazz macht den Schwerpunkt aus, von hier kommen auch viele Eigenproduktionen der Real Group. "Pass me the Jazz" zum Beispiel, ein quirliges Stück von Anders Edenroth, im Swing zuhause, aber diesen doch gleichsam hinter lassend, kommt es in seiner Vielschichtigkeit modern und ohne Nostalgie daher.

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Eine charmante Show boten die fünf, mit herausragenden Stimmen. Bassist Anders Jalkéus erzählt von seiner langjährigen Chorerfahrung, widmet dieser ein Solostück; das handelt vom Tenor und seinen Attitüden. Für die Sänger im Publikum war das satirische Porträt der hohen Männerstimme ein Genuss – doch nicht nur für diese. Operettenhaft leicht wurde da ein Sängertyp beschrieben, den jeder kannte und sei es nur aus den entsprechenden Leinwandproduktionen der heilen 50er-Jahre. Anders Jalkéus ist aber auch ein begnadeter Sänger, er singt nicht nur vom Tenor; dem Bassisten gelingen auch erstaunliche Ausflüge in dessen Stimmlagen. Nicht dass ihm der Pop nicht gelegen wäre, doch Jalkéus’ musikalische Heimat ist die Popmusik nicht. So perfekt er seinen Part dort singt, ist da immer auch viel Ironie und Spaß dabei, als würde er diese Musik und deren Interpreten nicht ganz ernst nehmen. Der seriöse Bass als Imitator von Britney Spears, das geht zusammen wie Rotwein und Cola. Doch hat diese Mischung durchaus einen Sinn, denn der Komponist von "Oups I did it again!" war Schwede, wie der von einigen Hits der Backstreet Boys auch und selbst die kanadische Diva Celine Dion interpretierte Musik made in Sweden. Ein buntes Medley mit anspruchsvollen Tempo- und Genrewechseln wird bei dem Quintett daraus. Schwedische Popmusik gibt’s auch jenseits von "Waterloo" und "Mamma Mia".

Bei "Ticket to ride" von den Beatles stehen die Menschen auf und johlen, mitreißend ist die Interpretation. Das Publikum liegt der Real Group zu Füßen. Bei Michael Jacksons’ "Bad" gelang das den Fünfen dann nicht ganz – wobei der Jackson-Song jeden Bann brich, und das darauffolgende "Nature Boy" von Nat King Cole dem Pop-Klassiker auch in nichts nachsteht. Herzensöffner sind solche Lieder. The Real Group interpretierte sie mit viel Können und großem Respekt.

Autor: Martina David-Wenk