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14. November 2011

Gleich ein Knaller zum Beginn

Bob Margolin im Altweiler Rathauses beim Auftaktkonzert der neuen Reihe "Weiler Bluesnacht".

  1. Bob Margolin (links) spielte mit der Mike Sponza Band im Alten Rathaus in Weil am Rhein harten Chicago Blues. Foto: Thomas Loisl Mink

Blues hat einen hohen Stellenwert in der Region. Jedes Frühjahr findet in Basel ein ganzes Festival statt, das dem Blues gewidmet ist, im Chabah in Kandern treten jeden Mittwoch oft namhafte Bluesmusiker auf, und auch darüber hinaus gibt es immer wieder Blueskonzerte in der Region, die regelmäßig auf großes Interesse stoßen. Das Kulturamt Weil am Rhein hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem Blues-Experten Klaus Deuss und einer Gruppe von Bluesfans anknüpfend an die jahrzehntelange erfolgreiche Konzertreihe "Jazz in Weil" eine neue Reihe, die "Weiler Bluesnacht", aus der Taufe gehoben.

Der Auftakt war gleich ein Knaller: Im ausverkauften Gewölbekeller des Altweiler Rathauses trat Bob Margolin auf und gab hier im Rahmen seiner aktuellen Tour sein einziges Konzert in Deutschland, wie Kulturamtsleiter Tonio Passlick eingangs bemerkte. Bob Margolin, 1949 an der amerikanischen Ostküste geboren, war immerhin viele Jahre Sideman von Muddy Waters.

Der Star des Abends wurde begleitet von einer italienischen Band um den Gitarristen Mike Sponza, die das erste Stück alleine spielte, um Margolin bei der zweiten Nummer Raum zu geben, seinen Auftritt zu zelebrieren. Die vierköpfige Gruppe spielte harten, elektrischen Chicago Blues, ganz in der Tradition von Muddy Waters. Während die Band kraftvoll und leidenschaftlich agierte, spielte Margolin die Slide Guitar mit großer Theatralik und fragte das Publikum mit einem Song "Why you’re down there?". Er ist ein Showman, der mit dem Publikum scherzt und im düsteren Keller standesgemäß dunkle Gläser trug, getreu dem Motto aus dem Blues-Brothers Film: "Es ist Nacht und wir tragen Sonnenbrillen."

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Einmal stieg er ins Publikum hinunter und tanzte mit einer Zuhörerin. "Lasst uns nicht zu ernst werden, wir wollen Spaß haben heute Abend", sagte Margolin einmal, und den hatte das Publikum, das den handfest rockenden Blues sichtlich genoss, einige Zuhörer tanzten sogar. Schließlich hatte die Gruppe mit dem versierten Drummer Moreno Buttinar und dem Bassisten Mauro Tolot eine herausragende Rhythmusabteilung. Bemerkenswert war aber auch der Gitarrist und Bandleader Mike Sponzo, der sein Instrument mit brillanter Virtuosität spielte und dem Meister manches Mal die Show stahl. Doch auch Bob Margolin verstand sein bisweilen etwas nachlässiges Spiel immer wieder zu unglaublich flinken und versierten Soli zu steigern. Bei einer Boogie-Woogie-Nummer übernahm er mit der Gitarre kunstvoll den Pianopart, und Uralt-Nummern wie "What I’d say" klangen aus seinem Mund ebenso überzeugend wie seine eigenen Kompositionen.

Im Vorprogramm hatten Joe Filisko (Mundharmonika) und Eric Noden (Gitarre) akustischen Countryblues aus dem ländlichen Süden der USA gespielt, ruhige und gemütvolle Stücke, die durch Nodens perkussives Gitarrenspiel munter groovten. Bemerkenswert war auch Filiskos variantenreicher Einsatz der Mundharmonika, der durch eine Vielzahl von Klangfarben beeindruckte. Zeitweise kamen die beiden zum Auftritt von Magolin und seiner Band hinzu und bereicherten mit zusätzlichen Klängen und Soli. Eine besondere Intensität entwickelte sich auch, als Bob Margolin solo und ohne Mikrofon am Bühnenrand sitzend "Love in vain" für seinen davongelaufenen Hund sang, und auch die Zugabe spielte er in dieser familiären Konstellation, von Sponza dezent begleitet. Kleine, unspektakuläre Höhepunkte einer tollen Bluesnacht.

Autor: Thomas Loisl Mink