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23. Januar 2012

Intellekt und Sinnlichkeit angesprochen

Der Trompeter und Flügelhornist Joo Kraus mit dem Frank Harrison Trio im Lörracher Jazztone.

Es war ein ruhiges und feines Konzert, gleichermaßen anspruchsvoll und schön, mit dem das Lörracher Jazztone ins neue Jahr startete. Das Frank Harrison Trio spielte modernen, kammermusikalischen Jazz und hatte mit dem Trompeter und Flügelhornisten Joo Kraus einen vierten Mann dabei, der mit seinen samtweichen Tönen, die sich hin und wieder zu kraftvollen Eruptionen steigerten, dem Konzert eine wesentliche Prägung gab. Gemeinsam spielten sie ein Programm, das Eigenkompositionen und Standards, Einflüsse von Latin oder Pop enthielt, und sich doch zu einem harmonischen und stimmigen Ganzen fügte.

Jeweils die ersten beiden Stücke beider Sets spielte nur das Trio, das mit "Sideways" vor knapp zwei Monaten ein viel gelobtes Album vorgelegt hat. Der aus dem englischen Brighton stammende Frank Harrison erwies sich dabei als bewundernswerter Pianist, der lyrisch und inspiriert, mit sanftem und gefühlvollem Anschlag Balladen entwickelte. Unaufdringlich, aber mit sicherer Präsenz begleiteten ihn der italienische Bassist Davide Petrocca und der irische Schlagzeuger Stephen Keogh. Schneller und mit leichtfüßigen Grooves zeigte sich das Trio beim zweiten Stück, bevor der aus Ulm stammende Trompeter Joo Kraus hinzustieß. Innig und samten, fast gehaucht erklang sein Trompetenspiel, dazu kamen hingetupfte Pianoakkorde und sanft fließende Grooves von Bass und Schlagzeug, technisch ausgereift und sehr gefühlsbetont. Grundiert mit Bebop, den sie ins 21. Jahrhundert weiterentwickelten, spielten die Musiker einen subtilen Jazz, dessen Brillanz und künstlerischer Reichtum sich erst beim genauen Zuhören erschloss. Einschmeichelnde Melodieseligkeit wechselte sich mit freien und virtuosen Eskapaden.

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Neben eigenen Stücken von Harrison gab es Standards wie "Autumn Leaves", allerdings in einer so eigenen Version, dass man es nicht sofort erkannte. "Autumn Leaves oder so", meinte Joo Kraus hinterher dann auch.

Filmmusik wie "One upon a Time in the West" von Ennio Morricone passte entsprechend bearbeitet ebenso ins Programm, und bei einer Komposition von Freddie Hubbard meinte man den knackigen Turbo-Trompeter wiederzuerkennen, den Kraus früher mit Hellmut Hattler bei dem Acid-Jazz-Duo "Tab Two" gab. Auch vor Popsongs wie "Black or White" von Michael Jackson schreckte die Gruppe nicht zurück; Kraus hatte das Stück auf seinem jüngsten Album "Painting Pop" aufgenommen. Freilich spielten die Vier das Stück als faszinierenden Jazz-Blues. Joo Kraus, der auch als Sänger eine gute Figur machte, steigerte sich mit der Trompete im Laufe des Abend immer wieder zu kraftvollen und virtuosen Höhenflügen. Experimentelle Eskapaden verband der Pianist Frank Harrison kunstvoll mit elegischen Balladenklängen, und die vier Musiker spielten eine Musik, die Intellekt und Sinnlichkeit gleichermaßen ansprach. Als Zugabe gab es sogar Dixieland, jedoch spielten die vier Musiker "Sweet Georgia Brown" nicht als Dixienummer, sondern in ihrem eigenen, absolut zeitgemäßen Stil. Die Zuhörer erlebten ein facettenreiches Konzert und einen glanzvollen Auftakt für das neue Jazzjahr.

Autor: tm