Jazzclub im Salmen

Jay Ashby in Offenburg: Einer der großen Posaunisten

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Mo, 27. Oktober 2014

Offenburg

Ray Ashbys Klasse war vom ersten Moment an im Jazzclub im Salmen präsent.

OFFENBURG. Wer am Donnerstag den "Jazzclub" im Salmen besuchte, weiß nun, warum Paul Simon seit 15 Jahren bei seinen Auftritten nicht auf den Posaunisten Jay Ashby verzichten will und warum Ashby als einer der ganz Großen an seinem Instrument gilt. Seine besondere Klasse war vom ersten Moment an präsent. Da ist sein Ton, unglaublich samtig, in der Tiefe immer ein wenig "growl", in der Höhe dagegen wie schwerelos, ein Klang wie warmes Öl.

Dabei spielten Ashby und die von Drummer Daniel Schay zusammengestellte Band – Jean-Luc Miotti am Kontrabass und Thilo Wagner aus Stuttgart am Piano – keineswegs eine gefällige Ballade. Es war ein frischer Swing, eine Komposition von Ashby, mit Walking Bass und federndem Besendrive. Ashby bot die Melodie als Puzzle an, lauter Fitzelchen, die durch die Intervallleiter tänzelten und hüpften. Doch nichts daran wirkte angestrengt oder anstrengend zu hören. Weil sich all diese Sprünge und Schnipsel zu einer wie spontan erfundenen, kinderliedhaft-fröhlichen Melodie zusammenfügten. Weil trotz des fiebrigen Rhythmus’ diese animierende Musik nicht nach Fieber klang, sondern nach Unbeschwertheit und Lebenslust. Und weil nichts, aber auch gar nichts an diesem grandiosen Posaunisten nach Schaulaufen aussieht. Ashby ist einer, der seine wunderbaren Posaunenklänge wie Schaumflocken um sich wirft, um Spaß zu haben, zu necken, den Moment zu feiern.

Nach diesem so überraschenden wie überwältigenden Einstieg kam seine Frau auf die Bühne, Kim Nazarian, Mitglied der New York Voices und eine der exzellentesten Jazzvokalistinnen der USA. Wo Jay Ashby auf freundlich-fröhliche Weise bescheiden ist, ist sie eine echte Frontfrau, jemand der vor Publikum sprüht. Und sie hat jede Menge, mit dem sie Sprühen kann. Ihre Präsenz, ihr Charme, ihre Stimme zwischen kehlig-kernig und schwerelos-schwebend. Stilistisch ist da viel Orientierung an den großen Chanteusen zwischen Jazz, Vaudeville, Big Band und Musical – Genres, die in den USA im Golden Age nie zu trennen waren. Ella und Sarah sind darin so präsent wie Doris Day, Nancy Wilson oder Astrud Gilberto. Vor allem aber ist Kim Nazarian darin präsent, ihre überschäumende Lust am Scat. Das sprudelt und quirlt, nicht weniger Lustvoll als bei ihrem Mann.

Eine fulminante Nummer singt sie zusammen mit Barbara Wagner, der Gattin des Pianisten. Als Ashby sich dann noch mit der Posaune einschaltet, wird es eine wild-spaßige Fahrt auf der Scat-Achterbahn zu dritt, zusammengehalten von dem exzellent agierenden Trio Schay-Miotti-Wagner. Überhaupt Thilo Wagner! Ein toller Pianist, der sich sofort in die Ashbysche Leichtigkeit einfindet, humorvolle Wendungen produziert und den Ton dabei immer dezent hält – eine Klasse für sich. Auch Schay und Miotti halten toll mit, agieren wie aufgeblüht. Ganz wundervoll sind die Latin-Momente, in denen Kim Nazarien sich ganz als gefühlsbetonte Jazzlady zeigt, oder die irren Momente, wenn sie mit Ashby schräg-komische Unisono-Scatlinien produziert. Dazu kommt die Clubatmosphäre im Salmen, das Hautnahe. Es ein unvergessliches Jazz-Erlebnis, nichts weniger.