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26. Juni 2012 00:02 Uhr

Thrash Metal

Kreators neues Album: Heavy und handgemacht

Sie können es noch: Mit ihrem neuen Album "Phantom Antichrist" sind Kreator, Urgesteine des deutschen Thrash Metal, erstmals in fast 30 Jahren in die Top 5 der deutschen Charts eingestiegen.

  1. Die Urgesteine des deutschen Thrash Metal: Kreator Foto: pro

"Phantom Antichrist" ist das 13. Studioalbum der Band. Freunde des klassischen Heavy Metal werden damit ihre Freude haben und sich sofort zu Hause fühlen: Melodiöse Parts mit teils hymnenartigem Charakter erinnern an die gute alte Zeit, als diejenigen noch die Coolsten waren, denen Mutti den größten Manowar-Aufnäher auf die Jeansjacke gepinnt hatte. Auch wer thrashige Hochgeschwindigkeits-Riffs à la Slayer bevorzugt, liegt mit "Phantom Antichrist" goldrichtig.

Gelohnt hat sich, dass die Band um Frontmann Mille Petrozza auf den schwedischen Produzenten Jens Bogren gesetzt hat. Bogren, der auch Metal-Größen wie Amon Amarth produziert, gibt Kreator einen schnörkellosen klaren Sound, ohne dass sie dabei überproduziert und zu technisch wirkten. Da lohnt es sich, genauer hinzuhören: Zum Beispiel wenn Gitarrist Sami Yli-Sirniö sein stimmungsvolles Eingangsriff von "United in Hate" mit Akustik-Sound einspielt und jeder Rutscher über den Gitarrenhals zu hören ist. Schön, dass es noch Bands gibt, bei denen zu hören ist, dass Heavy Metal handgemacht ist.

Das Album ist nicht nur aufnahmetechnisch beeindruckend. Kreator zeigen sich musikalisch von ihrer perfektionistischen Seite. Die Gitarren-Riffs sind genauestens ausgetüftelt und schmiegen sich nahezu perfekt in das Schlagzeug- und Bassarrangement ein. Einzig und allein Mille scheint im einen oder anderen Song gesanglich an seine Grenzen zu gelangen.

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"Thrash-Altenessen" war gestern

Dass Kreator inzwischen auch gesellschaftskritisch sein können, haben bereits die Vorgängeralben gezeigt. Da bildet "Phantom Antichrist" mit Songs wie "The Few, the Proud, the Broken", in dem die Band das Thema Krieg behandelt, oder auch "Civilization Collapse" keine Ausnahme.

Beim Hören von "Phantom Antichrist" schleicht sich allerdings auch mit Wehmut die Erkenntnis ein, dass die Zeiten von "Thrash-Altenessen" vorbei sind, als Kreator in den 80er Jahren noch für eine junge,weitgehend unverbrauchte Musikrichtung standen (wer die Dokumentation über Thrash Metal im Ruhrgebiet nicht kennt, den soll der Youtube-Blitz treffen).

Kreator sind inzwischen erwachsen geworden, sowohl musikalisch als auch textlich. Die Band scheint sich in der aktuellen Besetzung mit Miland "Mille" Petrozza (Gesang, Gitarre), Sami Yli-Sirniö (Gitarre), Christian "Speesy" Giesler (Bass) und Jürgen "Ventor" Reil (Schlagzeug, Gesang), gesucht und gefunden zu haben. An diese Metal-Band kommt in Deutschland nach wie vor keine andere heran.
– CD: Kreator: Phantom Antichrist (Nuclear Blast/Warner). Konzerte: Sélestat, Frankreich, Festival Léz Arts Sceniques, 27. Juli; Stuttgart, LKA Longhorn, 15. Dezember.

Autor: Sebastian Kaiser