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25. April 2012 00:01 Uhr

Jazz

Malia in Freiburg: Intime Lieder voller Melancholie

Sparsam arrangiert, manchmal zu getragen interpretiert: Die malawische Sängerin Malia hat bei ihrem Auftritt im Freiburger Jazzhaus ihrem großen Vorbild Nina Simone gehuldigt.

  1. Malia Foto: Gregor Hohenberg

Auf Plakat und Cover zeigt sie sich im Profil mit schwarzen Orchideen in das aufgetürmte Haar geflochten. "Black Orchid" ist Malias Verneigung vor Nina Simone. Mit der 2003 gestorbenen Sängerin, Pianistin und Komponistin, die Jazz, Rhythm’n’Blues und Songwriting verschmolz, verbindet sie vieles. Malia wuchs im afrikanischen Kleinstaat Malawi auf, einer von Rassentrennung geprägten einstigen britischen Kolonie. Mit 14 kam sie nach London, wo sie die Welt des Jazz entdeckte, die nach eigenem Bekunden zum "Soundtrack meines Lebens" wurde. Mit ihrem Debüt 2003 wurde sie als neue Souldiva gefeiert, als Jazzsängerin und Wanderin zwischen den Genres.

Jetzt also "Black Orchid" mit Malia im gut besuchten Jazzhaus Freiburg. Sie liebt Simones Songs, die die Bürgerrechtsbewegung in den USA anstachelten. Ihre Stimme transportierte Gefühle, handelte von Schmerz, Leidenschaft und Liebe, selbst den Tod machte sie zu etwas Großem. Die Sängerin mimt den warmen tenoralen Tonfall Simones, der auch rauchig bis spröde zu werden vermag. Dabei kommt ihr Vortrag allzu getragen daher, voller Melancholie. Sensibel von einem französischen Jazztrio begleitet, stürzt sie sich in eine ihr keineswegs fremde Welt. Die flehende Ballade "Wild is the wind" deutet atmosphärisch an, wohin die Reise geht. Intim sind die Lieder, sparsam arrangiert. Auch bei halbem Tempo vermittelt "Four women" Erfahrungen schwarzer Frauen und unterschiedliche Stimmungen ihres Vorbilds – vom bekanntesten Stück "My baby just cares for me" bis zum herzzerreißenden "If you go away". Auf "Feeling good" macht die Band erstmals Druck und "I put a spell on you" wird mit präpariertem Klavier gegen den Strich gebürstet. Plötzlich findet sich auch eine Hommage an die Heimat Afrika.

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Pianist Alexandre Saada lässt sich immer wieder Neues einfallen, Schlagzeuger Laurent Series steigert sich zu einem famosen Solo. Einzig Bassist Jean-Daniel Botta bleibt blass. Malia hingegen erobert das Publikum zum Schluss doch noch, nachdem sie anfangs distanziert wirkte. "Keeper of the flame" schreit sie am Ende hinaus ins Jazzhaus, die Hymne von der großen Liebe, die in Hass und Gleichgültigkeit umschlägt.

Autor: Reiner Kobe