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30. Januar 2012

Melodien der Wildnis

Alison Joy Williams und Roland Tchakounté begeisterten die Zuhörer bei der zweiten Weiler Bluesnacht im Alten Rathaus.

  1. Roland Tchakounté geht in die Vollen. Foto: Adrian Steineck

Gut 150 Besucher erlebten am Freitag bei der zweiten Weiler Bluesnacht eine Reise in die Welt dieser uramerikanischen Musikrichtung. Mit Alison Joy Williams und Roland Tchakounté standen zwei Musiker auf der Bühne im Alten Rathaus, die zugleich die "ganze Bandbreite des Blues" darboten, wie der Mitorganisator und Radiomoderator Klaus Deuss es als Anliegen dieser neuen Veranstaltungsreihe des städtischen Kulturamtes postulierte.

Blues ist Schmerz. Blues ist Sehnsucht. Nicht umsonst leitet sich die Bezeichnung für diese Musikrichtung von der Redewendung "I feel blue" ab, die soviel bedeutet wie traurig sein. Beim Auftritt von Alison Joy Williams konnten die Zuhörer ein ums andere Mal die tief empfundenen Gefühle erleben, für die der Blues steht. Mit ihrer markanten Stimme brachte die charismatische Sängerin aus Nashville Eigenkompositionen wie "I’m a little bit of everything" dar. Mal mit furiosem Bombast, mal zärtlich und fragil sang sie "I don’t feel like feeling happy now" und bewies mit ihrer Version des Kultsongs vom "House of the Rising Sun", wo ja bekanntlich das Laster lauert, das sie mit ihrer Stimme auch als Frontfrau jeder Rockband eine gute Figur machen würde. Bei ihrem einstündigen Auftritt wurde die Sängerin von Andreas Fischer kongenial am Keyboard begleitet.

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So begeistert die Zuhörer von Williams’ Auftritt waren, so gespannt waren sie auf Roland Tchakountè, der von Klaus Deuss als ein Musiker angekündigt wurde, der die "Spannung zwischen dem Blues und der afrikanischen Musik" vermitteln kann. Was dann schließlich folgte, übertraf alle Erwartungen: Der Hüne aus Kamerun ging mit "Kemen" gleich zu Beginn in die Vollen. Als Melodien der Wildnis bezeichnet Roland Tchakounté seine Stücke gerne, und wild ging es denn auch auf der Bühne zu. Dabei sang der Musiker vorwiegend in Bamiléké, seiner westafrikanischen Muttersprache – und lieferte damit zugleich einen Beleg für die universale Sprache der Musik: Denn obwohl sicherlich kaum jemand im Publikum die Texte verstand, übertrugen sich die Gefühle darin doch direkt auf die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Dabei präsentierte sich die vierköpfige Band als perfekt eingespielte Einheit und legte eine ungeheure Spielfreude an den Tag. Bassist Pascal Santon bildete mit seinem Tieftöner ein rhythmisches Fundament, auf dem Tchakounté und der zweite Gitarrist Mick Ravassat ein ums andere Mal brillieren konnten.

Geerdet wurde das Ganze durch das variantenreiche Schlagzeugspiel von Matthias Bernheim. Für das Stück "Baby" steigerte die Band sich zu einem regelrechten musikalischen Inferno und wechselte dann wieder innerhalb einer Sekunde in sanftere akustische Gefilde. Roland Tchakountè gab sich dabei vollkommen unaffektiert und hielt sich an vielen Stellen zugunsten von Mick Ravassatt zurück, der mit virtuosen Gitarrensoli glänzen durfte.

Die vier Musiker genossen ihren Auftritt sichtlich – das wurde etwa deutlich, als Tchakounté beim Stimmen seiner Gitarre den Zwischenruf "Cava?" aus dem Publikum mit einem lässigen "Cava trés bien" beantwortete. Erst nach gut zwei Stunden und ganzen fünf Zugaben ließen die begeisterten Zuhörer im Alten Rathaus Tchakounté und seine musikalischen Mitstreiter unter frenetischem Beifall von der Bühne gehen.

Die nächste Weiler Bluesnacht findet am 3. März im Kulturcafé Kesselhaus in Friedlingen mit Alex Conti sowie Richie Arndt und Timo Gross statt
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Autor: Adrian Steineck